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Welches Heim bietet gute Pflege? Vor dieser Frage stehen viele Angehörige von hilfsbedürftigen Senioren.

Bundesweiter Vergleich von Heimen

Kritik an Pflege-Bestenliste

München – Der Focus hat eine Liste mit den „besten Pflegeheimen“ bundesweit erstellt. In Bayern gibt es dafür Kritik – sogar von dem Prüforgan, das die Noten vergeben hat.

Besser geht’s eigentlich nicht. Armin Rieger, Heimleiter in Augsburg, hat für seine Einrichtung die Traumnote erhalten: 1,0. Im Jahr zuvor 1,2. Zu diesem Ergebnis kamen die Kontrolleure vom Medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK). Doch Rieger ist die Note unangenehm – er ist ein scharfer Kritiker des Notensystems.

„Das ist legalisierter Betrug“, sagt der Ex-Polizist, der seit Jahren das private „Haus Maria“ führt. Es sei möglich, dass ein „richtig schlechtes Heim“ die Bestnote bekomme – und zwar durch einfache Tricks. Die richtige Schriftgröße beim Speiseplan zum Beispiel bringe schon Punkte und gleiche Mängel in der Pflege aus. Das Fixieren von Senioren wird positiv vermerkt, wenn es richtig gemacht und dokumentiert ist – ein Heimleiter, der sich Alternativen zum Angurten überlegt, wird hingegen nicht belohnt. Rieger hält das System für so manipulierbar, dass er sagt: „Jeder Heimleiter sollte sich schämen, mit guten Noten zu werben.“ Doch genau das machen viele – denn Senioren und ihre Angehörigen verlassen sich bei der Auswahl eines Heimes oft auf diese Bewertungen.

Das Magazin „Focus“ hat am Dienstag ein Spezialheft veröffentlicht, in dem bundesweit die angeblich besten Pflegeheime aufgelistet sind. Kriterium: Die Note 1,0 bei der MDK-Prüfung. Von rund 10 000 Altenpflegeheimen hatten 869 in allen Kategorien und bei der Bewohnerbefragung jeweils eine 1,0 bekommen. Bayern schneidet im Bundesvergleich schlecht ab. Während Baden-Württemberg gleich 293 Heime mit Bestnote vorzuweisen hat, gibt es in Bayern nur 27. In Oberbayern sind es folgende Einrichtungen: Reischlhof, Ebersberg; Haus Alexandra und St. Ursula, beide Garmisch-Partenkirchen; St. Ursula Geretsried; Gertrud-Breyer-Haus, Kirchseeon; St. Nikolaus, Damenstift am Luitpoldpark, Heilig Geist, Sozialzentrum Laim, alle München. Doch wie aussagekräftig ist die Bestenliste?

Bayerns Sozialministerin Christine Haderthauer ist erklärte Gegnerin des MDK-Prüfsystems – und veröffentlichte noch vor Erscheinen des „Focus“-Hefts eine entsprechende Pressemitteilung. Mit der Liste werde der Eindruck erweckt, dass Pflegebedürftige und ihre Angehörigen „nichts falsch machen können, wenn sie sich einen Platz in einem der dort aufgelisteten Pflegeheime sichern“. Doch die Noten spiegeln laut Haderthauer „nicht die tatsächliche Situation in den Einrichtungen wider“.

Und nicht einmal der MDK Bayern selbst ist mit dem Notenprinzip zufrieden, seit Jahren gibt es Kritik. Dr. Ottilie Randzio ist beim MDK für den Bereich Pflege zuständig und sagt: „Dieses Instrument ist nicht geeignet, die Qualität der Pflege differenziert abzubilden“ – und so interpretiert sie auch die „Focus“-Liste. Der MDK Bayern habe sich auf Bundesebene für eine Weiterentwicklung eingesetzt. Derzeit prüft eine Schiedstelle beim Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenversicherungen den Entwurf. Bis zum Jahresende soll es eine Entscheidung geben.

Carina Lechner

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