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Schüler bei einer Prüfung: Ist die Ex ein Auslaufmodell?

"Gefälligkeitspolitik"

Nie wieder Exen? Kritik an Spaenles Plänen

München - Der Vorstoß der CSU-Schulpolitiker, unangesagte Proben („Exen“) am Gymnasium abzuschaffen, trifft auf Widerspruch. Kritiker sprechen von „Gefälligkeitspädagogik“.

Der Passus ist nur zwei Zeilen lang, doch er bringt Schulleiter ins Grübeln: Unter der Überschrift „Weiterentwicklung des Gymnasiums“ schlägt die CSU-Landtagsfraktion in einer Resolution nicht nur die Einführung einer verlängerten Mittelstufe vor (wir berichteten), sondern auch eine „zeitgemäße Gymnasialpädagogik“. Ein Unterpunkt ist dabei die „Prüfung von Struktur und zeitgemäßen Modellen der Leistungserhebung“. Konkreter wird die CSU, die das Papier bei der Klausur in Kloster Banz einstimmig verabschiedet hat, nicht. Doch Kultusminister Ludwig Spaenle hat schon klargestellt, was gemeint ist: Unangesagte Extemporale („Exen“) sollen reduziert werden. Dafür dürfen Lehrer verstärkt Gruppen- und Projektarbeit benoten. Ein Verbot von Exen sei nicht geplant, schränkt der Minister ein.

Die Extemporale (Lateinisch: aus der Zeit gefallen, also unangesagt) oder Stegreifaufgabe ist allerdings so etwas wie der Grundpfeiler bei der Leistungsmessung am Gymnasium. Kein Gymnasium in Bayern kommt ohne sie aus – bisher jedenfalls. Laut Gymnasialer Schulordnung (GSO) werden Exen nicht angekündigt und umfassen höchstens die zwei unmittelbar vorangegangenen Unterrichtsstunden.

„Vor der Ex haben sie alle Angst“, sagt Harald Vorleuter, Direktor des Gabriel-von-Seidl-Gymnasiums Bad Tölz. Die Schule experimentiert seit einiger Zeit mit anderen Formen der Leistungsmessung: Im Fach „Natur & Technik“ (7. Klasse) gibt es angekündigte Proben „im Umfang einer Stegreifaufgabe“, ebenso in Musik. In Geschichte, Sozialkunde und Geographie können die Lehrer selbst entscheiden, ob sie eine Ex schreiben lassen. Gänzlich verzichten wolle er aber nicht auf die Ex, sagt Vorleuter. „Die Mischung macht’s.“

Weit weniger weicht Heinz-Peter Meidinger vom Deggendorfer Robert-Koch-Gymnasium von der Norm ab. Nur in Latein gibt es angesagte Proben, sagt Meidinger, der auch Leiter des Deutschen Philologenverbands ist. Die meisten Lehrer seien gegen die Abschaffung der Ex, erzählt Meidinger, weil das gerade den Stoff- und Lerndruck für die Schüler erhöhe. Für angesagte Proben lerne der Schüler „wie für eine kleine Schulaufgabe“. Skeptisch ist auch Josef Kraus, Chef des Deutschen Lehrerverbands und Direktor des Vilsbiburger Gymnasiums. Er nennt die Ex „ein notwendiges pädagogisches Mittel“ und die geplante Abschaffung „Gefälligkeits-Pädagogik – und damit ist die Schulpolitik ja leider deutschlandweit infiziert.“ Großflächig Projektarbeit zu bewerten, leuchtet Kraus nicht ein. „Wie will ich denn da die Leistung des Einzelnen erfassen?“, fragt er. Demgegenüber sei für Schüler vor allem in der Mittelstufe das Risiko, eine Ex zu kassieren, ein „pädagogischer Ansporn“. Sage man die Tests aber vorher an, dann lerne der Schüler nur im Hinblick auf Termine zu lernen. Der ehemalige Ministerialbeauftragte für die Realschulen in Oberbayern-Ost, Peter Peltzer, spricht sogar von „Bulimie-Lernen“. Da könne man nur warnen. Kultusminister Spaenle wiederum leuchtet solche Kritik nicht ein. Bei der Leistungsmessung von Schülern gehe es um eine „Verbreiterung des Instrumentariums“.

Während die konservativen Schulpolitiker Spaenles Pädagogik-Ansatz beargwöhnen, sind für andere die Exen Ausdruck einer Pädagogik von gestern. Die SPD, sagt ihr Bildungsexperte Martin Güll, sei für eine „Reduzierung des Leistungsdrucks“. Allerdings sei Spaenles Absichtserklärung eine „Mogelpackung“. Wenn Spaenle die Ex nicht über eine Änderung der GSO definitiv abschaffe, werde er an der

Dirk Walter

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