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Margot Käßmann war als Leiterin der Evangelischen Akademie in Tutzing im Gespräch.

Kritiker bremsen Käßmann aus

Tutzing - Am 31. Mai 2011 geht der Leiter der Evangelischen Akademie in Tutzing in den Ruhestand. Über die Nachfolge von Friedemann Greiner wird spekuliert. Angefragte Kandidatin war die populäre Margot Käßmann. Daraus wird aber nichts.

Seit Margot Käßmann im Februar 2010 nach ihrer Alkoholfahrt in Hannover als Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), zurückgetreten ist, wird sie für die vornehmsten Ämter gehandelt. So war sie zuletzt sogar von der SPD als Bundespräsidenten-Kandidatin ins Spiel gebracht worden – was die charismatische Theologin aber postwendend ablehnte. Sie sei eine Frau der Kirche.

Als Frau der Kirche hätte sie nun die Evangelische Landeskirche in Bayern bereichern können. Am 31. Mai 2011 wird der langjährige Leiter der Evangelischen Akademie Tutzing (Kreis Starnberg), Friedemann Greiner, in den Ruhestand gehen. Nach Informationen des "Münchner Merkur" war ein Vertreter der Landeskirche an Margot Käßmann herangetreten, um sie für die Leitung der weit über Bayern hinaus anerkannten Bildungseinrichtung zu gewinnen. Käßmann, die zuletzt in München auf dem Ökumenischen Kirchentag im Mai aufgetreten und von tausenden Christen begeistert gefeiert worden war, wird von August bis Dezember 2010 in den USA als Gastdozentin an der von Methodisten gegründeten Emory University in Atlanta/Georgia tätig sein. Danach will sie zurückkehren nach Deutschland.

Johannes Minkus, Pressesprecher der Bayerischen Landeskirche, erklärte auf Anfrage: „Frau Käßmann ist nicht im Gespräch für diese Stelle.“ Die Nachfolge von Friedemann Greiner wird nach seinen Informationen im September im Amtsblatt der Landeskirche ausgeschrieben. Die Bewerbung sei nicht auf Pfarrerinnen und Pfarrer eingeschränkt – und auch aus anderen Teilen der Republik könnten sich Kandidaten bewerben. „Ob man sie dann auswählt, ist eine andere Frage.“

Wunschkandiddatin für Teile des Landeskirchenrats

Richtig ist nach Recherchen des "Münchner Merkur", dass Margot Käßmann nicht mehr im Gespräch ist. Aber dass sie für Teile des Landeskirchenrats die Wunschkandidatin war. Die 52-Jährige hatte sich dem Vernehmen nach sogar für die Stelle am idyllisch gelegenen Westufer des Starnberger Sees begeistert. Doch wie man hört, soll es Vorbehalte von einigen Mitgliedern aus der Kirchenleitung gegeben haben. Diese hatten befürchtet, dass Margot Käßmann mit ihrer großen Popularität andere in den Schatten stellen könnte. Daraufhin habe Käßmann selber verzichtet.

„Margot Käßmann wäre ein großer Gewinn gewesen, sowohl für die Akademie als auch für die politische Gemeinde“, bedauert ein Experte aus dem Umfeld der Bildungseinrichtung. „Es menschelt halt“, fügte er hinzu. „Schade, dass es deswegen nicht zustande kommt.“

Die Theologin, die sich derzeit in Hannover auf ihren Studienaufenthalt in Amerika vorbereitet, wollte sich gestern zu der Personalie nicht äußern. Auch der amtierende Leiter des Akademie, Greiner, wollte in keiner Weise eine Stellungnahme zur Diskussion um seine Nachfolge abgeben.

Jetzt wird die Stelle also ausgeschrieben. „Und dann wird es Bewerbungen geben. Die Entscheidung trifft der Landeskirchenrat“, erläutert Minkus. Bevor die Entscheidung endgültig fällt, setzt sich der Landeskirchenrat mit dem Kuratorium der Evangelischen Akademie ins Benehmen. Dieses Gremium muss vorher angehört werden.

Margot Käßmann hat die Menschen mit ihrer offenen Art begeistert. Auch die Weise, wie sie konsequent mit ihrem Fehlverhalten umging, hat vielen imponiert. Allerdings musste sie auch Kritik einstecken: Auf dem Ökumenischen Kirchentag warfen ihr vor allem Katholiken vor, dass sie im Dom die Pille als „Geschenk Gottes“ bezeichnet hatte. Andere monierten, dass sie einen Kult um ihre Person zelebriere.

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