Katholische Kirche

Kritische Priester bilden "Münchner Kreis"

München - Nach anderen deutschen Bistümern hat auch in der Erzdiözese München-Freising ein Kreis kritischer Priester und Diakone einen offenen Dialog innerhalb der katholischen Kirche gefordert.

In einer Erklärung äußern rund 25 aktive Priester und Ruhestandsgeistliche ihre „Sorgen um die Situation in unserer Kirche, insbesondere auch in der Erzdiözese“. Sie wollen „auf biblischer Grundlage und angeregt durch viele Aussagen des 2. Vatikanischen Konzils einen Beitrag zur Verbesserung der kirchlichen Verhältnisse in unserem Bistum“ leisten.

In dem Papier fordern sie die intensive Auseinandersetzung mit den Empfehlungen des Zukunftsforums in der Erzdiözese. Die „Münchner Kreis“ genannte Gruppe beklagt einen „wachsenden Klerikalismus“ in der katholischen Kirche. Das Erzbischöfliche Ordinariat in München reagierte am Freitag gelassen auf die tags zuvor an Münchner Zeitungen verschickte Erklärung. Die Bistumsleitung stehe in ständigem Dialog mit den Priestern, sagte Bernhard Kellner, Sprecher von Kardinal Reinhard Marx.

Der Zeitpunkt für die Gründung des „Münchner Kreises“ ist geschickt gewählt. Am 11. Oktober jährt sich der Beginn des 2. Vatikanischen Konzils zum 50. Mal. Das von 1962 bis 1965 dauernde Treffen in Rom führte zu einer Aufbruchstimmung in der katholischen Kirche. Zum Jahrestag wollen die Priester „einen Anstoß zu einem fortwährenden dialogischen Prozess in unserer Kirche geben“. Konkret fordern sie, dass die 61 pastoralen Empfehlungen des Zukunftsforums nicht nur von Erzbischof Marx beantwortet, „sondern dass sie von vielen Menschen in einem fortlaufenden dialogischen Prozess ausgebaut, intensiviert und für die Praxis aufbereitet werden“.

Sorge um Rückzug aus der Kirche

Sorge bereitet dem „Münchner Kreis“, dass sich viele Gläubige aus der Kirche zurückziehen. Es sei dringend geboten, „dass gerade das "Volk Gottes" weiterhin in die Überlegungen um eine geisterfüllte und menschennahe seelsorgerliche Praxis einbezogen wird“. Zu den Unterzeichnern der Erklärung gehören der Fürstenfeldbrucker Dekan Albert Bauernfeind und der auch als Oktoberfest-Kellner bekannte Münchner Pfarrer Rainer Maria Schießler.

Im Erzbischöflichen Ordinariat stieß die Gründung des „Münchner Kreises“ zwar auf wenig Begeisterung, empörte Reaktionen blieben aber zunächst aus. „Alle sind eingeladen, die mitwirken wollen an der Reform der Kirche“, sagte Bistumssprecher Kellner. Die Kritik am Umgang mit dem Zukunftsforum wies Kellner allerdings zurück. Alle 61 Empfehlungen würden ernst genommen, Marx habe sich aber für eine Priorisierung entschieden. Dazu gehörten die Seelsorge für wiederverheiratete Geschiedene, die Stärkung des Ehrenamtes in den Pfarreien und die Zusammenarbeit in den größer gewordenen Pfarrverbänden - „große Themen“, wie Kellner sagte.

Ähnliche Initiativen kritisch gesinnter Priester gab es zuletzt auch im Erzbistum Freiburg sowie in den Bistümern Passau und Rottenburg-Stuttgart. In Österreich riefen Pfarrer gar zum Ungehorsam gegenüber ihren Bischöfen auf.

dpa

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