Attacke auf der Alm

Kuh greift Wanderer an

Erl/Kolbermoor - Auf der Kranzhornalm in Tirol hat eine Kuh einen Bayern und seinen Hund angegriffen. Am Ende waren zwei Männer und der Hund verletzt. Hüttenwirt und Polizei warnen Hundebesitzer vor Begegnungen mit dem lieben Vieh.

Eigentlich waren sie gerade auf einem der schönsten Flecken ihrer Wanderung angekommen – an der Kranzhornalm in den Chiemgauer Alpen, gleich hinter der bayerisch-österreichischen Grenze. Ein Arzt (52) aus Kolbermoor (Kreis Rosenheim), seine Frau, die Kinder und der Hund spazierten über eine Almweide. Doch als eine Mutterkuh den Hund erspähte, war der gemütliche Spaziergang jäh beendet. Aus Angst um ihr Kalb griff sie das Tier an. Am Ende des Gerangels waren der Arzt, der Schwiegersohn des Hüttenwirts und der Hund verletzt.

Die Wanderung zur Kranzhornalm ist auch bei den Bayern ein beliebtes Ausflugsziel. Gleich neben der Schutzhütte grasen rund 30 Kühe. „44 Jahre ist noch nichts passiert“, sagt Hüttenwirt Michael Anker (63). Es war am Samstagvormittag, als zum ersten Mal ein Unglück geschah. Die Familie aus Bayern ging samt Hund durch die Herde, da habe sich eine Mutterkuh „vom Hund bedroht gefühlt“, erklärt Anker. Deshalb sei sie auf das Tier losgegangen. Als das Herrchen seinen Vierbeiner retten wollte, sei auch er vom Rindvieh angegriffen, geschleudert und zu Boden gestoßen worden. Daraufhin eilte der Schwiegersohn von Michael Anker, ein 44 Jahre alter Kraftfahrer, zu Hilfe. Der tierliebe Mann, wie Anker sagt, wollte den Schäfer-Mischling retten, der unter die Kuh geraten sei. „Die Kuh hätte den Hund fertig gemacht.“ Der Hund allerdings schien den Einsatz missverstanden zu haben – und biss den 44-Jährigen in die Hand.

Der Hüttenwirt alarmierte die Bergrettung. Zehn Minuten später war der Notarzthubschrauber auf der Alm. Er flog den verletzten Arzt ins Klinikum Rosenheim. Der Mann soll aber laut Anker mit Prellungen und einem Schock davon gekommen sein. „Er hat keine schwerwiegenden Verletzungen davon getragen“, bestätigt Johannes Walchshofer von der Polizei im tirolerischen Niederndorf.

Die ebenfalls schockierte Familie wurde mit dem Sanka ins Tal gebracht, erzählt Anker. Die Bisswunde seines Schwiegersohnes musste im Krankenhaus Kufstein mit mehreren Stichen genäht werden. Außerdem bekam er eine Impfung, sagt der Wirt. Der Hund wurde seines Wissens nach in die Tierklinik gebracht. Die Kuh blieb unverletzt.

Anker weiß, welchen Fehler der Arzt aus Kolbermoor begangen hat: „Man darf mit einem Hund nicht durch eine Kuhherde gehen.“ Sein Tipp an Hundebesitzer: „Vorsichtig sein und einen großen Bogen um die Kuhherde machen!“ Auch Polizist Walchshofer kennt das Problem: „Die Mutterkühe wollten ihre Kälber verteidigen.“ Es sei ganz normal, dass sie aggressiv werden. „Alle haben Panik gehabt.“

Ein weiteres Problem in diesem Fall: Der Hund war angeleint. Ohne Leine hätten ihn die Kühe verscheucht, er wäre davon gelaufen, sagt Walchshofer. Doch so konnte er nicht weg. Die Kuh drängte weiter. „Kühe sind stur.“ Damit müsse man rechnen, wenn man mit Hund durch eine Herde gehe.

Von Nina Gut

Rubriklistenbild: © dpa

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