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Hat gut lachen: Landwirtin Regina Killer hat  vor Gericht gewonnen. Die Richterin wies die Klage eines Nachbarn, der sich am Lärm von Kuhglocken stört, ab.

Nachbar scheitert mit Klage

Kuhglocken-Streit: Das sagt die Landwirtin nach dem Urteil

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Im Kuhglocken-Krieg von Holzkirchen hat das Landgericht München II ein Urteil gefällt: Der Anwohner scheiterte mit seiner Klage gegen eine Bäuerin. Damit dürfen die Glocken weiter bimmeln. Vorerst. Denn der Nachbar prozessiert weiter.

München/Holzkirchen – Als Landwirtin Regina Killer (42) am Donnerstagmittag das Urteil erfährt, ist sie erleichtert. „Anscheinend gibt es doch noch Richter, die das Hirn einschalten und so einen Schmarrn abweisen“, sagt sie am Telefon. So ein Schmarrn – damit meint sie die Kuhglocken-Klage des Unternehmers Reinhard U. aus Holzkirchen (Landkreis Miesbach). U. verklagte sowohl Pächterin Killer als auch die Gemeinde als Grundstückseigentümerin, weil er sich an den Kühen vor seinem Haus stört. Vor allem am Lärm der Kuhglocken. Es geht ihm aber auch um den angeblichen Wertverlust seiner Immobilie, um Gestank und Gesundheitsgefahr durch Weidestechfliegen. Außerdem seien die Glocken Tierquälerei.

Doch am Donnerstag ist Reinhard U. mit seiner Klage im Kuhglocken-Krieg gescheitert. Das Landgericht München II hat sie abgewiesen. Es waren vor allem zwei Punkte, die dazu führten. Zum einen war die Klage dem Gericht zu unbestimmt, da sie sich auf alle angrenzenden Grundstücke bezog – und nicht nur auf Killers Kuhweide. Zum anderen hatten die Streitparteien am 15. September 2015 bereits einen Vergleich vor dem Amtsgericht in Miesbach geschlossen. Darin einigte man sich darauf, dass die Kühe nur auf der Südseite der Weide Glocken tragen dürfen. Laut Landgericht enthält der Vergleich abschließende Regelungen. U. sei daran gebunden und könne nun nicht erneut Ansprüche erheben. Er habe kein Rechtsschutzbedürfnis mehr.

Nachbar will in Berufung gehen

Reinhard U. will sich der Presse gegenüber nicht äußern. Sein Anwalt Peter Hartherz aus Hessen hat aber bereits angekündigt, Berufung gegen das Urteil einzulegen. Außerdem hat inzwischen auch die Ehefrau von U. Klage gegen die Kuhglocken eingereicht. Sie ist im Gegensatz zu ihrem Mann nicht mit dem Vergleich vorbelastet. Die Klage ist seit 5. Dezember beim Landgericht anhängig, teilte Pressesprecherin Ulrike Fürst gestern mit.

Der Neu-Holzkirchner hatte das Haus am Rande des Ortsteils Erlkam vor rund vier Jahren gekauft. Ein Jahr später pachtete Killer die Wiese und ließ seitdem fünf bis sieben Kühe grasen.

Doch seitdem leidet das Ehepaar U. nach eigenen Angaben unter den Tieren. Man könne sich nicht mehr auf die Terrasse setzen, die Fenster kaum mehr öffnen. „Es nervt“, sagte U. bei der mündlichen Verhandlung im Oktober. Die Belastung sei so stark, dass das Ehepaar inzwischen unter Schlaflosigkeit und Depressionen leide.

„Ich bin sehr zufrieden“

Für Regina Killers Anwältin Marina Bichler hat sich die Entscheidung schon damals in der Verhandlung angedeutet. „Ich bin sehr zufrieden“, sagt sie. Es handle sich um ein handfestes Urteil, gut begründet. Sie sieht der Berufung der Gegenseite gelassen entgegen.

Killer war von Anfang an klar, dass das Verfahren noch weitergeht. „Der gibt keine Ruhe“, sagt sie über den Kläger, „ich weiß mittlerweile, wie der tickt.“ Über die Klage der Ehefrau könne sie nur den Kopf schütteln.

Für die Bäuerin geht es inzwischen um viel mehr als ein paar Kuhglocken. Für sie geht es um die Landwirtschaft im Allgemeinen. „Wo fängt es an, und wo hört es auf?“, fragt sie. „Wir Bauern sind angeblich an allem Schuld: Wir sind zu laut, wir stinken. Die Verbraucher wollen gute Lebensmittel, aber sie wollen nichts dafür zahlen.“ Sie habe es schön langsam satt. Die Bauern würden die Landschaft pflegen und die Bevölkerung mit Lebensmitteln versorgen. „Warum muss ich mich rechtfertigen, wenn ich es meinen Tieren an der frischen Luft gut gehen lassen möchte?“

Die ebenfalls beklagte Gemeinde Holzkirchen hatte sich von Anfang an mit der Bäuerin solidarisiert. Bürgermeister Olaf von Löwis (CSU) sieht das Urteil als Bestätigung der gemeindlichen Linie. Erlkam sei als Dorfgebiet ausgewiesen, wo Landwirtschaft ausdrücklich erlaubt sei. „Wir wünschen uns sogar und sehen es als Ziel von Gemeindepolitik, den wenigen verbliebenen Landwirten das Wirtschaften zu ermöglichen.“

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Video: GLomex

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