Altes Rathaus am Marktplatz, Abenddämmerung, Kulmbach
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Altes Rathaus am Marktplatz Kulmbach

Die Stadt unter der Plassenburg

Kulmbach

Kulmbach: Die alte Markgrafenstadt am Zusammenfluss von Rotem und Weißem Main hat sowohl kulturell als auch kulinarisch viel zu bieten.

  • Die Stadt Kulmbach ist ein wichtiger Lebensmittelstandort mit kulinarischen Spezialitäten.
  • Die Kulmbacher Plassenburg ist eines der größten und berühmtesten Renaissancebauwerke Deutschlands.
  • Zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten zählen neben der Altstadt auch sieben bekannte Museen.

Kulmbach – Die Große Kreisstadt im Bayerischen Oberfranken ist die Heimat von etwa 25.850 Einwohnern (2020). Sie umfasst rund 92 Quadratkilometer und liegt am Main – unweit des Zusammenflusses des Weißen und des Roten Mains. Die nächste große Stadt ist in 20 Kilometern Entfernung die Wagnerstadt Bayreuth. Berühmt ist Kulmbach für seine beeindruckende Plassenburg – aber auch als „Heimliche Hauptstadt des Bieres“, da seine Kulmbacher Brauerei AG weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt ist.

Kulmbach und seine bewegte Geschichte

Der Name Kulmbach für eine kleine Siedlung wurde zum ersten Mal zwischen 1028 und 1040 dokumentiert. Dank der günstigen Lage am Main wuchs die Gemeinde schnell an und wurde schließlich mit dem Bau der Plassenburg befestigt. 1231 erhielt Kulmbach die Stadtrechte. Es folgte eine recht bewegte Geschichte, in der die Stadt unter der Herrschaft von wechselnden Fürsten, Grafen und Herzögen stand, darunter den Hohenzollern, die mehr als 500 Jahre über Kulmbach herrschen – bis Napoleon sie im Jahre 1806 verdrängte. Zweimal wurden die Stadt Kulmbach und die Plassenburg weitgehend zerstört und mussten wieder aufgebaut werden – 1430 durch brandschatzende Hussiten und 1553 während einer Schlacht im Zuge des Bundesständischen Krieges. Szenen dieses Kampfes können Besucher des Kulmbacher Zinnsoldatenmuseums bewundern: nachgestellt im Miniaturformat.

Kulmbach wird bayerisch

1806 stand Kulmbach unter der Herrschaft der Preußen, wurde dann jedoch von bayerischen Truppen besetzt. Die Besatzer schliffen nach der Kapitulation der Preußen die Wehrmauern der Plassenburg, um diese als militärische Festung unbrauchbar zu machen. Im Jahr 1810 wurde Kulmbach schließlich offiziell den Bayern zugesprochen.

Während des Dritten Reichs richtete die NSDAP in der Festung Plassenburg die „Reichsschule der deutschen Technik“ ein und schloss die Stadt an das Autobahnnetzwerk an. Zwischen 1902 und 1976 fanden zahlreiche Eingemeindungen statt, durch die Kulmbach stark wuchs und zu der heutigen Großen Kreisstadt Kulmbach wurde.

Kulmbach: Wirtschaft mit kulinarischem Schwerpunkt

Aus der mittelalterlichen Handwerkerstadt Kulmbach ist heute ein wichtiger Lebensmittelstandort geworden. Berühmt ist die Kulmbacher Bratwurst, eine Wurst mit hohem Kalbsfleischanteil, die traditionell im „Kulmbacher Bratwurststollen“ verspeist wird: einem langen, gehaltvollen Brötchen, das mit Anis gewürzt ist. Passend dazu serviert man in Kulmbach das Starkbier EKU aus der Kulmbacher Brauerei AG, das lange als das stärkste der Welt galt.

Weitere bedeutende Unternehmen aus der Lebensmittelbranche im Kulmbach sind das Gewürzwerk RAPS und die Backmittelfabrik Ireks, mit über 2.900 Mitarbeitern weltweit.

Kulmbach: Lebensmittelstandort in Forschung und Lehre

Der Ruf der Stadt als Lebensmittelstandort begründet sich aber nicht nur durch die Herstellung von Nahrungsmitteln in Kulmbach, sondern auch durch die zahlreichen ansässigen Institute und Forschungseinrichtungen der Lebensmittelindustrie. Beispiele hierfür sind:

  • das Max Rubner-Institut (MRI) mit dem Bundesforschungsinstitut für Ernährung und Lebensmittel sowie dem Institut für Sicherheit und Qualität von Fleisch, der Forschungsstelle für Nahrungsmittelqualität der Universität Bayreuth sowie dem Internationalen Kompetenzzentrum für Fleischqualität (IKF)
  • das Bayerische Kompetenzzentrum für Ernährung (KErn)
  • die Staatliche Fachschule für Fleischerei- und Lebensmittelverarbeitungstechnik
  • das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten
  • die Genussakademie Bayern

Weitere wichtige Bereiche der Kulmbacher Wirtschaft sind die Wärme- und Kältetechnik sowie die Energie- und Gebäudesystemtechnik. Auch als Medienstandort hat sich Kulmbach einen überregionalen Namen gemacht.

Die Arbeitslosenquote im Landkreis Kulmbach lag 2019 bei 3 Prozent (Deutschland: 5 Prozent).

Kulmbach und seine Einwohner

Die Einwohnerzahl von Kulmbach geht seit 1950 (etwa 30.000 Einwohner) tendenziell leicht zurück und liegt heute bei 25.850 Einwohnern. Gleichzeitig nimmt der Altersdurchschnitt der Bevölkerung zu und liegt im Landkreis Kulmbach mit bis zu über 47 Jahren über dem des Bundes (44,5 Jahre in 2019). Der Ausländeranteil dagegen ist mit 4,5 Prozent (2017) im Bundesvergleich eher gering (Deutschland: 11,7 Prozent im gleichen Zeitraum).

Der wohl berühmteste Kulmbacher ist Thomas Gottschalk. Der TV-Entertainer ist zwar in Bamberg geboren, jedoch in Kulmbach aufgewachsen – seine Eltern lebten bis zu ihrem Tod in der Stadt.

Ein geborener Kulmbacher ist – passend zum kulinarischen Profil der Stadt – Gastronom, Fernsehkoch und Buchautor Alexander Herrmann, der für sein Restaurant im fränkischen Wirsberg mit zwei Michelin-Sternen ausgezeichnet wurde.

Kulmbach und die Plassenburg

Die um 1135 erbaute Plassenburg, eine alte Hohenzollernfestung über der Stadt, ist das Wahrzeichen von Kulmbach. Das beeindruckende Renaissancebauwerk ist vor allem für seinen schönen Innenhof berühmt und beherbergt vier Museen, die Touristen bei ihrem Besuch besichtigen können:

  • das Landschaftsmuseum Obermain (Hier werden alle Informationen über die Burg Plassenburg, die Stadt Kulmbach und die oberfränkische Region vermittelt.)
  • das Deutsche Zinnfigurenmuseum mit der größten Zinnfigurensammlung der Welt
  • das Museum Hohenzollern in Franken
  • das Armeemuseum Friedrich der Große

Kulmbach: Die Sehenswürdigkeiten der Stadt

Eine beliebte Sehenswürdigkeit in Kulmbach ist auch das Mönchshof Brauereimuseum mit seiner gläsernen Brauerei, in der Zuschauer den Brau-Prozess hautnah beobachten und das Resultat danach direkt probieren können. Weitere Highlights sind das Gewürzmuseum mit 1.000 Quadratmetern Ausstellungsfläche sowie das Bäckereimuseum. Hier können Interessierte alles über die lange Geschichte des Bäckerhandwerks in der Stadt lernen. Ebenfalls sehenswert ist der Rote Turm auf der alten Stadtmauer aus dem 13. Jahrhundert. In dem fünfgeschossigen Türmchen mit Fachwerk befand sich im Mittelalter die Wohnung des Stadtpfeifers, der regelmäßig ein Signal von oben herab pfiff, um den Kulmbacher Bürgern die Zeit anzuzeigen.

Die Altstadt Kulmbachs lädt mit verwinkelten Gassen, Fachwerkhäusern und romantischen Brunnen zum Bummeln ein. Besondere Aufmerksamkeit verdient der Zinsfelder Brunnen am Holzmarkt, der um 1660 geschaffen wurde und mit Frühling, Sommer, Herbst und Winter auch die vier Lebensphasen des Menschen illustriert. Restaurants, Biergärten und Cafés runden den Stadtbesuch ab – mit einem reichhaltigen kulinarischen Angebot und viel oberfränkischer Lebensart.

Kulmbach: Abwechslungsreiches Veranstaltungs-Angebot

Jeden ersten Samstagabend im Monat um 20 Uhr nimmt der Kulmbacher Nachtwächter Touristen mit auf eine Zeitreise durch die Stadt.

Jährliche Höhepunkte für Besucher und Einheimische sind zudem das dreitägige Altstadtfest und die Kulmbacher Bierwoche. Diese hat nicht sieben, sondern gleich neun Tage und bietet neben den Kulmbacher Biersorten allerlei weitere fränkische Köstlichkeiten. Für eine Abwechslung im Kulmbacher Veranstaltungskalender sorgt im April die jährliche Motorradsternfahrt der Stadt. Das Treffen von mehr als 40.000 Bikern aus aller Welt hat sich inzwischen zum größten Motorradtreffen Süddeutschlands entwickelt und lockt auch Nicht-Biker mit beeindruckenden Stunt-Shows. Als Heimatstadt des größten Zinnfiguren-Museums der Welt veranstaltet Kulmbach darüber hinaus alle zwei Jahre die Internationale Zinnfigurenbörse, bei der Experten Figuren und Fachwissen austauschen können.

Kulmbacher Politik: CSU und SPD vergleichbar stark

Oberbürgermeister der Stadt Kulmbach ist der SPD-Politiker Ingo Lehmann. Er setzte sich 2020 bei einem Kopf-an-Kopf-Rennen mit nur 251 Stimmen Vorsprung (50,82 Prozent) gegen den damaligen Amtsinhaber Henry Schramm (CSU) durch. Überschattet wurde die Oberbürgermeisterwahl von Wahlbetrugs-Vorwürfen, die letztendlich aber ausgeräumt werden konnten.

Im Stadtrat von Kulmbach sitzen derzeit neun CSU-Vertreter, acht SPD-Politiker, sechs Vertreter der WGK (Wählergemeinschaft Kulmbach e.V.), vier Grüne, ein FPD- und zwei AfD-Mitglieder.

Eine zentrale Aufgabe der Politik in Kulmbach ist die Wirtschaftsförderung, die heimischen Betrieben beste Bedingungen bieten und neue Unternehmen für den Standort gewinnen will. Eine weitere Herausforderung für die Lokalpolitiker bildet der demografische Wandel in Kulmbach: So verliert der Landkreis pro Jahr etwa 500 Einwohner, während der Altersdurchschnitt der Menschen in der Region stetig steigt. Die Politik hat es sich nun zur Aufgabe gemacht, den Standort für junge Leute attraktiver zu machen, um diese Entwicklung aufzuhalten.

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