Seit mehr als 30 Jahren steht das mittelalterliche Wohnhaus in der Judengasse 10 in Rothenburg ob der Tauber leer – und wurde dem Verfall überlassen. Jetzt aber wird das historisch bedeutsame Baudenkmal mithilfe des Vereins Kulturerbe Bayern saniert. Nach Abschluss der Arbeiten soll in Teilen des Hauses eine Ausstellung entstehen.

Kulturerbe-Initiative Bayern

Rettung für ein Häuschen in der Judengasse

Die Kulturerbe-Initiative Bayern hat als erstes Objekt für eine Sanierung ein Häuschen ausgewählt, das eher unauffällig ist. Die Historiker messen ihm aber große Bedeutung zu.

Rothenburg ob der Tauber – Es standen Schlösser zur Auswahl, Stadthäuser und Industrieobjekte. Gemacht hat das Rennen aber ein eher unscheinbares Haus: Der Verein Kulturerbe Bayern hat das Gebäude in der Judengasse 10 in Rothenburg ob der Tauber als sein erstes Rettungsobjekt ausgewählt. Ausschlaggebend war auch ein Fund im Keller.

Das Haus in der Judengasse 10 ist wahrlich kein Schmuckstück. Das Fachwerk ist brüchig, die Fassade ist so verfallen, dass sie zum Teil abgedeckt werden musste. Das Innere des Gebäudes nennt Johannes Haslauer, Vorsitzender des Vereins Kulturerbe Bayern, schlicht „beklagenswert“.

Seit mehr als 30 Jahren steht das denkmalgeschützte Gebäude leer, vor einigen Jahren wollte es der damalige Eigentümer sogar abreißen lassen. Die Stadt hat damals die Genehmigung nicht erteilt, sehr viel mehr hat sie zum Erhalt des um 1409 erbauten Gebäudes aber nicht beigetragen. Das mittelalterliche Wohnhaus blieb dem Verfall überlassen.

Hoffnung verheißt jetzt aber die Entscheidung des Vereins Kulturerbe Bayern, der das Gebäude zu seinem ersten Schützling auserkoren hat. Der 2015 gegründete Verein, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, notleidende Baudenkmäler in Bayern zu erhalten, wird das Haus kaufen, gemeinsam mit dem Ortsverein Alt-Rothenburg sanieren und wiederbeleben.

Vergangenes Jahr hatte Kulturerbe Bayern dazu aufgerufen, vom Verfall bedrohte Baudenkmaler zu melden. 30 Vorschläge sind eingegangen. „Die Bandbreite war sehr groß“, sagt Haslauer. „Unter den Vorschlägen waren Schlösser, Stadthäuser, industrielle Werkstätten, Armenhäuser.“

Die einzig nahezu vollständig erhaltene Judengasse

Dass sich der Verein für das „historisch bedeutsame“ Wohnhaus in Rothenburg entschieden hat, hatte mehrere Gründe: Die Judengasse in Rothenburg ist die einzig nahezu vollständig erhaltene Judengasse im deutschsprachigen Raum. Zudem hat sich das Haus inklusive seiner Bohlenstube in seiner ursprünglichen Form erhalten.

Ausschlaggebend für die Wahl war aber auch ein Fund im Untergeschoss des Gebäudes. Dort fand sich eine Mikwe, ein jüdisches Ritualbad. Dabei handelt es sich um eine der ältesten Mikwen in Bayern überhaupt – und der einzigen in Rothenburg.

Das Häuschen in der Judengasse soll einmal als Museum dienen. Besucher können dann auch die Mikwe, das jüdische Ritualbad, das sich im Untergeschoss des Hauses befindet, besichtigen.

Der Verein Alt-Rothenburg hat das Haus vor zwei Jahren gekauft und dafür gesorgt, dass der Verfall nicht noch weiter voranschreitet. Auch das war bei der Wahl des ersten Schützlings ein wichtiges Kriterium für den Kulturerbe-Verein. „Wir wollten sicher sein, dass es vor Ort genügend bürgerliches Engagement für ein derartiges Projekt gibt“, sagt Haslauer. Das war in Rothenburg der Fall. Das Dach des Hauses ist dank des Ortsvereins dicht. Weitere dringende Sanierungsmaßnahmen hätten laut Haslauer jedoch die Kräfte des Vereins, der sich um etliche weitere Objekte in Rothenburg kümmert, überstiegen.

Hier kommt nun das Kulturerbe Bayern ins Spiel. Überregional will die Initiative für seinen Schützling werben und möglichst viele Spenden sammeln. Wie hoch die Kosten für die Sanierung sein werden, ist noch unklar. Man könne sich erst nach der Bestandsaufnahme ein genaues Bild machen, sagt Haslauer. Unter einer Million Euro, lautet seine vorsichtige Schätzung.

Spenden sind aber nicht das einzige Ziel des Vereins, der sich den National Trust in England zum Vorbild nimmt. Es geht auch darum, Begeisterung für Denkmäler der Heimat zu wecken, und darum, was jeder Einzelne tun kann, diese Denkmäler zu bewahren und erlebbar zu machen.

Die Handwerksarbeiten im Rothenburger Haus sollen im kommenden Jahr beginnen. Noch steht das finale Nutzungskonzept nicht fest. Sicher ist nur, dass die Mikwe öffentlich zugänglich sein wird. Und so wird wieder Leben einziehen in das Haus in der Judengasse 10.

Beatrice Ossberger

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