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Ludwig Spaenle, Kultusminister in Bayern.

"Die Schule – ein Erlebnisraum"

Spaenle antwortet auf "Brandbrief einer Mutter"

München - Der "Brandbrief einer Mutter", abgedruckt in unserer Zeitung am Wochenende, hat bei unseren Lesern ein großes Echo erfahren. Unten sind auszugsweise Reaktionen veröffentlicht. Nachfolgend stellt sich Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) in einer Antwort vor seine Lehrer.

Der „Brandbrief einer Mutter“, abgedruckt in unserer Zeitung am Wochenende, hat bei unseren Lesern ein großes Echo erfahren. Unten sind auszugsweise Reaktionen veröffentlicht. Nachfolgend stellt sich Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) in einer Antwort vor seine Lehrer.

„Beobachtungen von Eltern aus dem Schulalltag ihrer Kinder sind für mich wichtige und hilfreiche Rückmeldungen für meine tägliche Arbeit und die aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Schulverwaltung. Die Sorgen und Nöte der Eltern nehme ich sehr erst – teilen wir doch das gemeinsame Ziel, den jungen Menschen eine fundierte Schulbildung zu bieten, die ihnen einen guten Start in Studium und Beruf ermöglicht. Einig sind wir uns auch darin, dass die Schule mehr sein muss als eine Lernvermittlungsanstalt.

Unsere Schulen sind ein lebendiger Lern- und Erlebnisraum, der auch Platz lässt für soziales Lernen, musisch-ästhetische Bildung oder sportliche Aktivitäten. Nicht umsonst heißt es in der Bayerischen Verfassung, dass unsere Schulen nicht nur Wissen und Können, sondern auch „Herz und Charakter“ bilden sollen. Um diesen Lern- und Erlebnisraum Schule mit Leben zu füllen, braucht es viele engagierte, motivierende Lehrerinnen und Lehrer, die mehr leisten als Dienst nach Vorschrift. Und das ist bei einer großen Mehrheit der bayerischen Lehrkräfte der Fall. Davon konnte ich mich bei vielen Schulbesuchen und Gesprächen mit Lehrkräften, aber auch Eltern im Rahmen meiner täglichen Arbeit überzeugen.

Die Lehrkräfte vermitteln ja weit mehr als die Inhalte des Lehrplans. Sie sind auch Erzieher, Vertrauenspersonen für die Schülerinnen und Schüler, Ansprechpartner für Eltern, Schulentwickler, Projektkoordinatoren, Reiseveranstalter und vieles mehr. Wie viel ein Lehrer arbeitet, ist daher mit einem pauschalen Blick auf Unterrichts- und Ferienzeiten wohl nicht umfassend zu erkennen, wenn man beispielsweise an die Korrekturen und Unterrichtsvorbereitungen denkt, die oftmals auch am Wochenende oder in den Ferien zu leisten sind. Im Übrigen ist es durchaus sinnvoll, gerade im Sinn der Bildungsgerechtigkeit Lehrkräfte zu verbeamten, denn nur so können wir eine verlässliche Schule – ohne Streiks zum Beispiel während Prüfungszeiten – sicherstellen.

Damit an einer Schule eine positive Lernatmosphäre herrscht, braucht es zusätzlich zu engagierten Lehrkräften auch eine vertrauensvolle Zusammenarbeit von Schule und Elternhaus. Gemeinsam können Lehrkräfte, Eltern und Schüler ihre Schule vor Ort als Lebensraum gestalten und dabei auch Kritikpunkte besprechen und zusammen lösen.

Und auch ich habe für die Vertreter von Eltern und Lehrkräften immer ein offenes Ohr. Bei allen wesentlichen Veränderungen im bayerischen Schulwesen werden sie eingebunden. Gemeinsam ist es uns auch gelungen, in den vergangenen Jahren wichtige Verbesserungen in der Schullandschaft auf den Weg zu bringen und umzusetzen. So konnten wir zum Beispiel die Durchlässigkeit zwischen den einzelnen Schularten deutlich erhöhen, die individuelle Förderung ausbauen, die Klassenstärken senken, den Unterrichtsausfall etwa durch den vermehrten Einsatz von mobilen Reserven weiter verringern und in den wichtigen Zukunftsfeldern Inklusion und Integration vorankommen.

Ich bin deshalb – bei allem Verbesserungsbedarf – davon überzeugt, dass die jungen Menschen in Bayern an unseren Schulen sehr gute Rahmenbedingungen für ein lebendiges, motivierendes und produktives Lernumfeld vorfinden.

Dass dieses Lernumfeld für alle Schülerinnen und Schüler stetig noch besser wird, ist eine täglich fordernde Aufgabe, die wir alle gemeinsam angehen müssen.“

Ludwig Spaenle, Bayerischer Kultusminister

Reaktionen unserer Leser:

„Danke für diesen umfassenden „Brandbrief“. Alles Geschriebene ist so richtig. Ich erlaube mir das Thema „Ganztagsschule“ noch als Stichwort mit einzubringen. Es gäbe noch so viel mehr.“

Ein Vater (Name d. Red. bekannt)

„Bin 58 Jahre alt und dies ist der erste Leserbrief in meinem Leben. Aber so tief den Finger in die Wunde gelegt und das analytisch so treffend formuliert hat das noch niemand. Anzumerken ist noch, dass hier die Situation in Bayern beschrieben wird. In anderen Ländern siehts schon mal anders aus (Chancengleichheit). Meinen Namen dürfen sie natürlich veröffentlichen. Wir haben die Pressuren hinter uns.“

Franz Mayer, Freising

„Pünktlich zu Schulbeginn widmen Sie fast eine Seite den Äußerungen einer entnervten Mutter, die ihrem Unmut über Schulausfall und teilweise unengagierte Lehrer Luft macht und wärmen dadurch u.a. die gern geführte Neiddebatte über den Beamtenstatus der Lehrkräfte wieder auf. Wie wäre es, wenn Sie einmal – nur mal so zur Abwechslung – im gleichen Umfang eine entnervte Lehrkraft zu Wort kommen ließen – dies würde vor allem den vielen Lehrkräften, die diesen schönen, aber auch teilweise sehr anstrengenden und frustrierenden Beruf gewählt haben, auch einmal gut tun.“

A. Beer, Riemerling

„Der Brandbrief einer Mutter legt den Finger in eine seit langem schwärende Wunde. Der Unterrichtsausfall an den bayerischen Schulen wegen Klassenfahrten, Lehrerfortbildung, Konferenzen, Krankheiten oder der Nähe der nächsten Ferien ist seit Jahrzehnten unverändert. Vor über zehn Jahren schon haben wir durch penible Aufzeichnungen nachgewiesen, dass ein Gymnasiast zwischen Schuljahresbeginn und Allerheiligen mindestens einen Tag in der Woche wegen Unterrichtsausfall zuhause war. Seinerzeit haben wir dann versucht, das der Schulpflicht korrespondierende Recht auf Unterricht gegen den Freistaat Bayern einzuklagen. Unsere vorgelegten Statistiken haben zwar die Kultusverwaltung nervös gemacht, das Münchner Verwaltungsgericht verschleppte dann aber den Prozess so lange, dass das Schuljahr ohne Entscheidung vorüber ging. Danach wies es die Klage auf „Beschulung“ ab mit der Begründung, das Problem sei beseitigt.“

Dr. Ulrich Bracker, Weilheim

„Ich finde es bedauerlich, dass solche Einzelfälle zu einer Pauschalisierung führen. An der Schule, an der ich arbeite, gibt es keine Unterrichtsunterbrechung aufgrund von Zeugnisterminen oder nahenden Ferien. Vielmehr werden in den Wochen vor und nach dem Zwischenzeugnis viele Stegreifaufgaben geschrieben, da die Zeit nicht von Schulaufgaben überhäuft ist. Wer behauptet, dass eine Lehrkraft in ihren Freistunden den gesamten Unterricht vor- und nachbereiten kann, der ist mit dem Lehrerberuf nicht vertraut.“

Eine Lehrerin aus München (Name d. Red. bekannt)

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