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Der Revolutionär Kurt Eisner wäre heuer am 14. Mai 150 Jahre alt geworden. 

SPD erinnert zum 150. Geburtstag an Kurt Eisner

Gedenken an einen Weltverbesserer

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Am 14. Mai wäre Kurt Eisner 150 Jahre alt geworden. Zum Geburtstag erinnerte die SPD in einer Matinée an den ersten Ministerpräsidenten Bayerns – einen Revolutionär und Weltverbesserer mit Ecken und Kanten.

München – „Bayern ist fortan ein Freistaat“: Mit diesen großen Worten besiegelte Kurt Eisner am 8. November 1918 den Umsturz in der bayerischen Politik. Einen Tag zuvor fand auf der Münchner Theresienwiese eine Massenkundgebung statt, an der auch viele Soldaten teilgenommen hatten. Gemeinsam mit ihnen zog Eisner zu den Münchner Kasernen und übernahm nach und nach die Macht. Die Monarchie war abgesetzt – und der Sozialist und Revolutionär Kurt Eisner wurde der erste Ministerpräsident Bayerns.

Am 14. Mai hätte er seinen 150. Geburtstag gefeiert. Die bayerische SPD nutzte diese Gelegenheit, um im Landtag bei einer Matinée an den Schriftsteller, Journalisten und Politiker zu erinnern, denn: „Er ist eine Symbolgestalt für aufgeklärte demokratische Kräfte“, erklärte der Fraktionsvorsitzende Markus Rinderspacher bei der Veranstaltung im Landtag. Im vollbesetzten Senatssaal brach spontaner Applaus aus, in der SPD ist man inzwischen stolz auf Kurt Eisners Lebenswerk – auch wenn er sich 1917 mit der „Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei Deutschlands“ (USPD) von der Partei abgespalten hatte. Entgegen der Mehrheit in der SPD vertrat er die Auffassung, dass Deutschland die alleinige Schuld am Ersten Weltkrieg trage. Zunächst hatte zwar auch er den Krieg befürwortet, bald entwickelte er sich aber zum überzeugten Pazifisten. Als eine „Leitfigur der Friedensbewegung“ würdigte Münchens Alt-Oberbürgermeister Christian Ude Eisner bei der Matinée.

Auf der anderen Seite ist Eisner aber schon seit Lebzeiten eine streitbare Person: „Caféhaus-Literat, Wirrkopf, Utopist, der an der Realität gescheitert ist“ – so nannten seine Kritiker ihn. Konservative, Marxisten und sogar viele SPD-Mitglieder standen ihm ablehnend gegenüber. Auch nach dem Zweiten Weltkrieg tat man sich in Bayern lange Zeit schwer mit einer Würdigung Eisners in Form eines Denkmals, im Landtag gab es emotionale Debatten darüber und im Schulunterricht wurde seine Person nur sporadisch behandelt. „Erst jetzt ist Zeit für eine wahrhaftige Bewertung“, hofft der Fraktionschef der Landtags-SPD, Markus Rinderspacher.

So eine Bewertung ist nicht einfach. „Kurt Eisner ist sicherlich eine sperrige Person“, erklärte Professor Ferdinand Kramer vom Institut für Bayerische Geschichte in seinem Vortrag bei der Matinée. „Energisch strebte er einen staatlich-politisch-gesellschaftlichen gewaltfreien Umsturz ohne Blutvergießen an“, sagte Kramer. Als er dann an der Macht war führte Eisner das Frauenwahlrecht und den Acht-Stunden-Tag ein, er wollte die Demokratie in Bayern etablieren. Doch in der Gesellschaft hatte er wenig Rückhalt: Bei der Wahl im Januar 1919 erhielt Eisners USPD nur 2,5 Prozent der Stimmen. Seine politische Karriere endete tragisch: Nach dem schlechten Wahlergebnis wollte er zurücktreten – und wurde auf dem Weg in den Landtag ermordet.

Seine Botschaft aber hallt nach, gerade in der heutigen Zeit, in der in Europa die Rechtspopulisten auf dem Vormarsch sind: „Wir müssen gemeinsam arbeiten für einen Kontinent des Friedens, der Versöhnung und des Zusammenhalts“, so Markus Rinderspacher. Inzwischen gibt es in München am Oberanger ein Denkmal, das an Kurt Eisner erinnert. Dort ist ein weiterer großer Satz von ihm zu lesen: „Jedes Menschenleben soll heilig sein.“

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