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Bei den Erdkröten trägt das Weibchen das kleinere Männchen Huckepack. Die Weibchen laichen nur einmal in ihrem Leben ab.

Laichzeit bei Kröten und Fröschen

Lebensgefährliche Wanderschaft

Liebe macht blind. Dieser Satz gilt besonders für Frösche, Kröten und Molche. Die sind jetzt zu Hunderttausenden unterwegs, um für Nachwuchs zu sorgen. Massenhaft werden sie überfahren. Zum Glück aber gibt es tausende von Freiwilligen, die ihnen über die Straßen helfen.

München - Zur Zeit ist nachts viel Verkehr auf Bayerns Straßen. Doch viele Teilnehmer sind hüpfend unterwegs. Es sind Frösche, Kröten und Molche, die in die Gewässer ihrer Geburt zurückkehren, um dort selbst für Nachwuchs zu sorgen. In einer Nacht können es leicht 10 000 Amphibien sein, die unterwegs sind, schätzt der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND). Besonders viele wandern in regnerischen Nächten ab acht Grad Wärme. Den Anfang machen jedes Jahr die Erdkröten. Viele von ihnen würden unter Autoreifen enden, wenn nicht bayernweit 6000 Helfer jeden Tag im Einsatz wären. Dank ihnen werden pro Jahr laut BUND 650 000 Amphibien vor dem Überfahren gerettet.

Einer dieser Helfer ist Jochen Carl (79) aus Glonn (Landkreis Ebersberg). Es sind sicher Hunderttausende Kröten, Frösche und Molche, die er in den vergangenen Jahrzehnten über die Straßen getragen hat. Der ehemalige Kreisvorsitzende des Bund Naturschutz im Kreis Ebersberg engagiert sich seit mehr als 30 Jahren jedes Frühjahr für die Amphibien. Jeden Morgen und jeden Abend trägt er Frösche und Kröten über die Straßen. Wie jedes Jahr half er heuer dabei mit, hunderte Meter von Amphibienzäunen an viel befahrenen Straßen aufzustellen. An denen hüpfen die Tiere entlang und fallen in die an den jeweiligen Enden vergrabenen Eimer. „Hätten wir mehr Helfer, die zuverlässig jeden Morgen und Abend die Eimer leeren, dann könnten wir noch mehr Zäune aufstellen und Tiere retten“, sagt Carl.

Von Ekel keine Spur: Sophie aus Glonn (11, links) zeigt eine der 104 Kröten, die an einem Märzmorgen gesammelt wurden. 

Was ihn erschreckt, ist, dass es heuer weit weniger Erdkröten gibt als sonst. „Waren es vor 20 Jahren pro Tag mehr als 1000 Tiere, sind es heute höchstens 200“, sagt Carl. Und das in Glonn, wo früher so viele Erdkröten gleichzeitig unterwegs waren, dass die Leute von Krötenregen sprachen. Auch bei Grünfröschen, Molchen und Laubfröschen ist der Rückgang dramatisch, sagt Jochen Carl. Die Gründe: Heute sind weit mehr Autos unterwegs, sagt er. „Bei Untersuchungen wurde festgestellt, dass dann, wenn auf einer Straße zur Wanderzeit der Amphibien alle fünf Minuten ein Auto fährt, die Verluste so groß sind, dass die Tiere sie durch Reproduktion nicht mehr ausgleichen können“, sagt Carl. Zudem sind die Tiere gefährdet durch Pestizide – diese werden häufig auch in Privatgärten eingesetzt. „Immerhin verzichten unsere Gemeindearbeiter seit heuer auf Umweltgifte und gehen mit gutem Beispiel voran“, freut sich Carl. Eine weitere Ursache für den Artenschwund sieht er in der intensiven Landwirtschaft: „Wiesen werden bis zu sechs Mal jährlich gemäht, wo soll sich da eine Kröte verstecken?“

Aber es gibt auch Positives zu berichten aus der kleinen Marktgemeinde im Osten von München: Immer mehr Kinder engagieren sich für den Artenschutz und sammeln zweimal pro Tag die Krötenzäune ab. Das berichtet Gundel Meistring, die BUND-Ortsvorsitzende von Glonn. „Angefangen habe ich mit meinen fünf Kindern, jetzt sind die Enkel dabei und bringen ihre Freunde und deren Familien mit“, erzählt sie. Gewissenhaft sammeln auch die Kleinsten Kröten, Frösche und Molche ein, zählen sie und bringen sie über die Straße. Auch in anderen Ortschaften gibt es viele engagierte Helfer, freut sich der BUND.

Viele Erdkröten befinden sich heuer übrigens schon wieder auf dem Rückweg: Sie wandern als erste los und haben schon abgelaicht. Wenn sie das überhaupt vorhatten. Denn zwar wird eine Erdkröte leicht zwölf Jahre alt, aber ablaichen tut sie nur einmal in ihrem Leben. Um so wichtiger ist es, dass sie nicht kurz vor ihrem Zielgewässer überfahren wird. Andere Froscharten wandern bis in den April hinein.

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