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Laieninitiative stört sich am Text

Diese Frauen fordern ein neues Vaterunser

München - Es ist das bekannteste Gebet der Christenheit: das Vaterunser. Eine katholische Laieninitiative setzt sich nun für eine Änderung der sechsten Bitte, „Und führe uns nicht in Versuchung“ ein. Die Erfolgsaussichten: sehr gering.

Seit vielen Jahren stört sich Beate Pohlus an der Übersetzung der sechsten Bitte im Vaterunser. Sie ist missverständlich, findet sie. „Ich habe ziemlich viel darüber nachgedacht“, sagt die Kunsthistorikerin aus Starnberg. Seit ihrer Gymnasialzeit beschäftigt sie dieses Thema. „Mich hat damals eine Lehrerin draufgebracht, da war ich vielleicht 14“, erinnert sich Pohlus. Kirche und Religiosität spielen eine zentrale Rolle im Leben der Künstlerin. Nach Möglichkeit besucht sie jeden Sonntagsgottesdienst. In privat organisierten Messen agiert sie als Lektor, also Vorleser. Über Fragen der Religion tauscht sie sich mit Geistlichen aus ihrem Umfeld aus. „Ich stehe mit vier Pfarrern in engem Kontakt“, berichtet Pohlus.

Zusammen mit einer rund 60-köpfigen Laieninitiative setzt sie sich für eine Textänderung ein. Das altgriechische Wort „peirasmos“ bedeute Prüfung, Probe und Versuch. Gott führe den Menschen aber nicht in Versuchung und man müsse ihn auch nicht besonders darum bitten, es nicht zu tun. „Dadurch entsteht ein negatives Gottesbild“, sagt Pohlus.

Professor Winfried Haunerland, Liturgiewissenschaftler an der Uni München und Mitglied der Ecclesia Celebrans, einer Kommission zur Überprüfung des deutschen Messbuchs, ist skeptisch. Denn nach einer Änderung wäre ein gemeinschaftliches Gebet nicht mehr möglich. „Bei allem was wir im Herzen haben, trägt und prägt uns der auswendig gelernte Text“, sagt Haunerland. Natürlich lässt die sechste Bitte unterschiedliche Interpretationen zu, räumt er ein. „Zur Zeit der Übersetzung ist das Wort aber so verstanden worden.“

Ein zentraler Punkt sei die Ökumene. Der Text wurde in den 60er Jahren zwischen den beiden Konfessionen verabredet – eine Änderung ist allein schon deshalb schwierig. Und eine Hymne, sagt er, wird ja auch nicht alle 20 Jahre verändert. „Sie würde dadurch ihren identitätsstiftenden Charakter verlieren“, davon ist Haunerland überzeugt. Ganz ähnlich sieht das Monika Selle vom erzbischöflichen Ordinariat. „Eine einzelne Gruppe kann da nicht einfach sagen: das ändern wir“, betont die Fachreferentin für liturgische Bildung und Liturgik.

Die Initiative hatte als alternative Formulierung „und führe uns durch die Versuchung“, vorgeschlagen. Die hält sie für „schwach“. Sie lasse keinen Interpretationsspielraum.

Haunerland sieht in der Abänderung sogar eine Gefahr. „Es bricht etwas weg und irritiert mehr, als dass es befreit.“ Er befürchtet, dass ältere Gläubige sich von der Kirche abwenden könnten.

Der Münchner Gerd Häfner ist Professor für Exegese, die Auslegung und Interpretation von Texten. Der Begriff „Versuchung“ kann seiner Ansicht nach anstößig sein. Aber nur, wenn man ihn so auslegt, dass Gott einem eine Falle stellen will. So muss er aber nicht verstanden werden. „Ich würde das anders deuten“, sagt Häfner. Er sieht darin vielmehr ein Eingeständnis der eigenen Schwäche und die Bitte vor einer Probe bewahrt zu werden, die man nicht bestehen kann.

Häfner ist aber nicht grundsätzlich gegen Abwandlungen. Dabei dürfe inhaltlich aber nichts verändert werden.

In einem Punkt sind sich die Experten einig: Wenn es zu Missverständnissen kommt, ist es Aufgabe der Kirche, diese auszuräumen.

Dass es schwer wird, das Vaterunser einfach umschreiben zu lassen, ist Pohlus durchaus bewusst. Eine Anfrage beim Vatikan hat es schon gegeben. Der aber hat auf die deutsche Bischofskonferenz verwiesen. Über so eine Änderung müssten die Länder befinden. Ob sich die ernsthaft damit auseinandersetzen wird? „Momentan sieht es nicht gut aus. Aber ich hoffe, dass steter Tropfen den Stein höhlt“, sagt Pohlus. Die Hierarchie in der Kirche bremst derartige Ideen aus, vermutet sie. Hoffnung setzen die Reformer auf den neuen Papst Franziskus. „Doch wer weiß, wie lange es dauert, um durch diese Strukturen durchzukommen?“

Andreas Huber

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