Rekordzahlen

Immer mehr Arbeitnehmer müssen pendeln

München - Wer sich noch über die täglichen Staus auf den Einfallstraßen nach München und das Gequetsche in der S-Bahn wundert, der findet vielleicht in der jüngsten Pendlerstatistik eine Erklärung: Immer mehr Arbeitnehmer müssen pendeln.

Arbeiten in der Stadt München, Wohnen im Grünen – dieser Trend spiegelt sich in der Pendlerstatistik der Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg wider. Die Statistik zeigt: Täglich pendeln über 337 000 Personen von auswärts nach München. Das sind 20 000 mehr als noch vor zwei Jahren. Umgekehrt liegt in den meisten Landkreisen um München die Zahl der sogenannten Auspendler bei weitem höher als die Zahl der Einpendler. Nur in die Stadt Rosenheim sowie im Landkreis München gibt es mehr Ein- als Auspendler. Ähnlich ist es im Landkreis Freising, was mit dem Flughafen München zusammenhängen könnte.

Entscheidend für das Pendeln sei die Lage auf dem Arbeitsmarkt, erklärte Anette Haas vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung in Nürnberg. So fänden gut qualifizierte Paare oft nur an unterschiedlichen Orten einen passenden Job, wollten aber trotzdem zusammen wohnen. „Durch die zunehmende Erwerbstätigkeit von Frauen gibt es auch mehr Pendler“, sagte Haas. Geringer Qualifizierte nähmen weite Wege in Kauf, um überhaupt einen Job zu finden. Pendeln sei aber auch eine Frage des Alters: „Ab etwa 35 nimmt die soziale Vernetzung, beispielsweise durch Kinder, zu und der Umzugswille deutlich ab.“

Besonders mobil sind die Bürger der Landkreise Fürstenfeldbruck, Ebersberg, Dachau und Erding. Im Landkreis Fürstenfeldbruck etwa gab es zum Stichtag 30. Juni 2012 über 52 000 Auspendler. Nur ein Drittel dieser Zahl, 17 700 Personen, fahren jedoch zum Arbeiten von auswärts in den Landkreis Fürstenfeldbruck. Die Zielorte werden nicht erfasst, jedoch ist zu vermuten, dass die meisten gen München streben – per Auto oder S-Bahn. Nicht ohne Grund gibt es in Fürstenfeldbruck die Forderung, die S-Bahn-Linie 4 zu verstärken. Ebenfalls hohe Auspendler-Zahlen gibt es in Dachau (38 100), Ebersberg (35 300) und Erding (31 900). Relativ gering sind die Pendlerströme hingegen im München-fernen Landkreis Garmisch-Partenkirchen – 7400 Auspendler, nur 3800 Einpendler.

Die Nachfrage nach Wohnungen in der Nähe von S-Bahnhöfen sei rund um München sehr groß, sagt der Sprecher des Immobilienverbandes Deutschland Süd (IVD Süd), Stephan Kippes. Das treibt die Preise hoch: „Je weiter die Leute bereit sind zu pendeln, desto weiter tragen sich die hohen Preise nach draußen“, sagte er. In Augsburg zum Beispiel stiegen Mieten in zehn Jahren um 25 Prozent.

Auch für die Bahn hat der Trend zum Pendeln Folgen: Sie bewegt sich an der Kapazitätsgrenze. Laut Bayerischer Eisenbahngesellschaft bringt die S-Bahn München an einem normalen Werktag zwischen 20 000 und 40 000 Fahrgäste pro Linie nach München – seit 1996 ein Plus von 24 Prozent.

dw/lby

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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