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Im Klostergarten von Ettal wird gerade ein 13 Meter hoher Pavillon aus Holz aufgebaut. In ihm werden die geplanten, aber nie gebauten Schlösser von Ludwig II. gezeigt.

Haus der bayerischen Geschichte präsentiert

Landesausstellung in Ettal: Dem Mythos Bayern auf der Spur

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Flößer und Jager, Dirndl und Wilderer, die Schlösser und die Könige – in einem Monat wird die diesjährige Landesausstellung in Ettal eröffnet.

München/Ettal – „Wald, Gebirg und Königstraum – Mythos Bayern“, so der Titel, widmet sich dem Bayern-Bild und seinen Klischees. Auch Ganghofers Briefbeschwerer spielt eine Rolle.

Der Schriftsteller und begeisterte Jäger Ludwig Ganghofer hat der Nachwelt nicht nur etliche Schmachtfetzen erhalten („Der Jäger von Fall“, 1884), sondern auch ein seltsames Relikt: Ein präparierter Gamsfuß, der auf eine weiße Marmorplatte montiert ist. Der Briefbeschwerer ist Ausstellungsstück Nummer 136 b in der Bayerischen Landesausstellung, in der die Besucher ab 3. Mai sechs Monate dem Mythos Bayern hinterherspüren dürfen. Über 250 Ausstellungsobjekte von 90 Leihgebern, zumeist Museen, aber auch Privatleuten, werden auf 1500 Quadratmetern Ausstellungsfläche gezeigt. Und als Schmuckstück gibt es einen 13 Meter hohen Holzpavillon extra für Ludwig II. mit Panorama-Darstellungen seiner Schlossvisionen für das Graswangtal, bei denen man vielleicht insgeheim froh ist, dass sie bis auf eine Ausnahme nicht verwirklicht worden sind. Wie auch immer – der Landkreis Garmisch-Partenkirchen rüstet sich für das Kultur-Ereignis des Jahres. Man weiß: Die vorhergehenden Landesausstellungen 2016 zum Bier im Kloster Aldersbach und 2017 zu Luther in Coburg waren regelrechte Publikumsmagneten. Daran möchte man gerne anknüpfen. Das Haus der bayerischen Geschichte rechnet für Ettal mit „100 000 Besuchern plus x“, wie Sprecher Julian Traut sagt – das Rahmenprogramm nicht eingerechnet. Es umfasst 80 Veranstaltungen, von der Bergbahn bis zum Wanderführer sind alle eingebunden.

Elisabeth Elgraser aus Schliersee, gemalt 1822, war als Wirtin bekannt und wurde zum Mythos. Weil sie Tochter des Dorffischers war, rief man sie die Fischer Lisl. Sie war Inbegriff der schönen und starken Frau, auch König Max II. war von ihr beeindruckt.

Klar, der Kini gehört ganz zentral zum Bayern-Mythos, der die Touristen magisch anzieht. Aber auch vieles nicht so bekannte zählt dazu: ein Loheisen etwa, ein Wendehaken und eine Hobelzahnsäge – Werkzeug der Holzknechte, das in der Ausstellung gezeigt wird. Im Archiv des Partenkirchner Bauerntheaters fand sich die Kulisse einer Almhütte, gefertigt um 1880, die nun in Ettal erneut ihr Publikum findet. Die Kulisse zeigt, dass Bauerndramen mit dem ewigen „Dreigestirn aus hübscher Sennerin, schneidigem Wilderer und pflichtbewusstem Jäger“ (so der Ausstellungskatalog) schon im 19. Jahrhundert en vogue waren. Ebenfalls Teil der Ausstellung sind verschiedene Varianten des gedrechselten sogenannten Brettstuhls, der erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts zu dem klassischen Wirtshausstuhl wurde. Das weiß man auch nicht unbedingt. Überhaupt: Die bayerische Wirtschaft – neben dem Wald, der bayerischen Landschaft und der Volkskultur mit Tracht, Bauerntheater und ihrer Literatur (Ganghofer!) ist das ein weiterer Mythos, der in eine solche Ausstellung unbedingt hineingehört.

Auch ein Mythos: Ein Förster, der einem Wilderer nachstellt, gemalt von Hugo Kauffmann 1883.

Doch die Ausstellung soll nicht nur unterhaltsam sein, sondern auch Erkenntnis bringen. Zum Beispiel die Flößerei: Klar, das kennt man von der Biergaudi auf der Isar. Es war früher aber ernstes Handwerk. Vor dem Bau der Eisenbahn kamen an der Thalkirchner Floßlände bis zu 10 000 Flöße pro Jahr an – Bauholz für München. Klar, dass da die Wälder im Gebirge kleiner und kleiner wurden. Auch die schier uferlose Landschaftsmalerei des 19. Jahrhunderts – Stichwort Münchner Schule – wird durchleuchtet. „Gefragt war in diesen Gemälden Authentizität, gepaart mit Idylle“, heißt es im Katalog. Letztes Beispiel: Auch die widerspruchsvolle Geschichte der Lederhose, deren Erhalt im 19. Jahrhundert durch das Aufkommen der langen Lodenhosen bedroht schien, hat natürlich Platz in der Ausstellung.

Mythos Berge: 1926 entstand die Kreuzeck-Bahn bei Garmisch-Partenkirchen. Ruhe versprach das Plakat.

Weil es das Jubiläumsjahr „100 Jahre Freistaat“ ist, schlägt die Ausstellung auch noch einen weiten Bogen bis ins Jahr 1918/19, zu Kurt Eisner, der Revolution und ihren Widersachern. Da blickt man den bayerisch-bäuerlichen Mitgliedern des Werdenfelser Freikorps mitten in die Gesichter. Auch ein Mythos, aber ein gefährlicher.

Ausstellung öffnet am 3. Mai in den Räumen des Klosters

Die Landesausstellung „Wald, Gebirg und Königstraum – Mythos Bayern“ öffnet am 3. Mai (bis 4. November) in den Räumen von Kloster Ettal; täglich 9 bis 18 Uhr. Erreichbar entweder mit dem Auto oder per Bahn (kostenloser Shuttle ab dem Bahnhof Oberau, beí Vorlage der Fahrkarte ermäßigter Eintritt). Unsere Zeitung ist Medienpartner der Ausstellung.

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