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Landesbischof Johannes Friedrich

Kritik an Afghanistan-Einsatz

Rückendeckung für Käßmann

München - Der Einsatz deutscher Soldaten in Afghanistan, viele Kirchenaustritte und die Ökumene: Landesbischof Friedrich treiben zu Jahresbeginn ganz unterschiedliche Fragen um.

Die Angriffe deutscher Politiker auf die Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Margot Käßmann, hat der bayerische Landesbischof Johannes Friedrich deutlich zurückgewiesen. Wie berichtet, hatte Käßmann an Neujahr in ihrer Predigt gesagt: „Nichts ist gut in Afghanistan.“ Deutsche Soldaten sollten möglichst schnell abgezogen werden – es gebe keinen gerechten Krieg.

Im Münchner Presseclub unterstützte Friedrich die EKD-Ratsvorsitzende gestern ausdrücklich in ihrer Auffassung, dass zuerst alle Möglichkeiten einer friedlichen Konfliktbewältigung ausgeschöpft werden müssten, bevor militärische Gewalt angewendet werde. Nach dem Verständnis der Kirche müsse der Einsatz von Gewalt immer das „äußerste Mittel“ bleiben. Die Bischöfin habe auch zurecht die Frage gestellt, ob im Konfliktgebiet nicht viel mehr finanzielle Mittel in die Bildung gesteckt werden müssten. Friedrich begrüßte, dass die Diskussion jetzt geführt werde.

Große Sorgen bereiten dem Landesbischof die nach wie vor hohen Zahlen der Kirchenaustritte. 2009 hätten 20 036 Menschen der Landeskirche den Rücken gekehrt. Es bestehe „dringender Handlungsbedarf auf allen Ebenen unserer Kirche“, um Distanzierte wieder näher an die Kirche zu binden. Dabei sollten die Menschen, die vielfach auf der Suche nach Spiritualität und geistlicher Begleitung seien, die Stärke von christlicher Gemeinschaft erleben – „ohne gleich von uns Aktiven vereinnahmt“ und sofort für den Kirchenchor oder Frauenkreis verpflichtet zu werden. ´

Mit Blick auf den Ökumenischen Kirchentag vom 12. bis 16. Mai in München zeigte sich Friedrich erfreut über das blühende ökumenische Leben an der Basis. Der Erfolg des Kirchentags hänge nicht davon ab, ob dadurch Lehr-Uneinigkeiten überwunden würden. „Das werden sie nicht, denn das ist nicht die Aufgabe des Kirchentags. Der ÖKT will zeigen, dass Christen in Deutschland miteinander leben, feiern und – auch streitig – diskutieren können.“ Zu katholischen Erklärungen der vergangenen Jahre, in denen den Protestanten der Status einer gültigen Kirche abgesprochen worden war, erklärte Friedrich: „Ich brauche für das Wissen, dass wir eine Kirche sind, nicht die Bestätigung des Papstes.“ Es reiche ihm, wenn der Heilige Geist es wisse.

Claudia Möllers

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