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Der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm.

Flüchtlings-Debatte

Landesbischof im Interview: „Es steht viel auf dem Spiel“

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München - Der evangelische Landesbischof Bedford-Strohm warnt davor, in der Flüchtlingsdebatte Verdächtigungen und Gerüchten zu folgen. Alles müsse überprüft werden, alle Fakten müssten auf den Tisch.

Wenn es um die Flüchtlingsproblematik geht, dann kann sich der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm so richtig in Rage reden. Voller Empathie für die Menschen, die vor Verfolgung und Gewalt nach Europa flüchten. Keinesfalls unrealistisch, was die Folgen für Deutschland und die Grenzen der Belastbarkeit angehen.

Bedford-Strohm warnt vor einer Polarisierung in der Flüchtlingsdebatte. „Der Grundkonsens ist größer als wir meinen“, ist er überzeugt. Statt zunächst die Konfliktpunkte zu betrachten, müsse man die gemeinsamen Überzeugungen herausstellen. Den christlichen Verantwortungshorizont nennt er das. Eine Senkung der Flüchtlingszahlen ist für Bedford-Strohm ein solcher Konsens. Jetzt müsse man prüfen, wie man das erreichen könne, ohne dass die humanitären und rechtlichen Grundlagen preisgegeben werden.

Und dann berichtet er von Hilferufen von Christen aus Syrien, die als Mails auf seinem Schreibtisch gelandet sind. Trotz aller Bemühungen gelang es ihm nicht, diese Familien nach Deutschland zu holen, „weil es kein Kontingent gibt“. Die Menschen hätten sich dann auf den Seeweg gemacht, erzählt er. Zehn von ihnen wurden als Leichen an einen Strand angespült. „Das ist keine Gefühlsduselei, diese Situation ist für mich sehr real“, so der Theologe. Sein Verantwortungshorizont ende nicht an den bayerischen, deutschen oder europäischen Grenzen.

Gleichwohl sieht er, dass es rechtliche Grundlagen für Abschiebungen gibt. Aber auch hier hier müsse Mitgefühl herrschen. Bedford-Strohm spricht sich für beschleunigte Verfahren aus, die nach rechtsstaatlichen Maßstäben, fair und schnell ablaufen müssten. Wenn diese Menschen zurückreisen müssten, sollte man ihnen beistehen, „denn sie sind in einer verzweifelten Situation, weil sie den falschen Versprechungen der Schleuser geglaubt haben“. Gleichwohl müssten Behörden bei der Rückführung von Flüchtlingen die Verhältnismäßigkeit beibehalten. „Da, wo Landräte und Kommunen sich für Menschen einsetzen, die sich schon gut integriert haben, sollte man auch genau hinhören.“ Kirchenasyl allerdings sei eine absolute Ausnahme. Bundesweit gibt es derzeit 480 Fälle bei der evangelischen und der katholischen Kirche. Es könne nicht sein, dass die bevorstehende Ausreise schon ein Grund für ein Kirchenasyl ist, so der EKD-Ratsvorsitzende. „Das muss schon ein besonderer Härtefall sein.“

In Bezug auf das Verhalten von Politikern weigert sich Bedford-Strohm, diejenigen mit anderen Überzeugungen als unchristlich zu verunglimpfen. „Wenn wir jetzt Christlichkeitsetiketten verteilen, ist das überhaupt nicht hilfreich“, sagt er. Man müsse aber darüber reden, was passiert, wenn man die Grenzen dicht mache und die Menschen hilflos davor umherirrten. Wichtig sei es auch, dass es keinesfalls zu Kürzungen bei der Sozialhilfe kommen dürfe. Das ist laut Bedford-Strohm mit der sozialen Gerechtigkeit nicht vereinbar.

Eine Gefahr sieht er in den digitalen Netzwerken, die regelrechte „Blasen“ bildeten, in denen man sich immer nur gegenseitig bestätigt und bestärkt in seinen Überzeugungen. Es komme darauf an, sich auch von anderen Auffassungen infrage stellen zu lassen, statt nur in eigenen Denkwelten zu verharren.

Alle Fakten zur Flüchtlingsfrage müssen auf den Tisch, ob sie einem in den Kram passten oder nicht, fordert er. Wenn Kriminalstatistiken belegten, dass es in manchen Bereichen mehr Straftäter mit Migrationshintergrund gebe, müsse man das zur Kenntnis nehmen. Ebenso müsse man aber akzeptieren, wenn es keine Unterschiede zwischen Deutschen und Migranten gebe.

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