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Albert Schmid

Landeskomitee-Chef: Rasch Konsequenzen aus Missbrauchsfällen ziehen

Eichstätt - Das Landeskomitee der bayerischen Katholiken hat rasche Konsequenzen aus den Missbrauchsfällen in einigen katholischen Internaten verlangt.

"Wir fordern eine massive Aufklärung", sagte der Landeskomitee-Vorsitzende Albert Schmid am Freitag der Deutschen Presse-Agentur dpa. Wo Meldepflichten versäumt oder missverstanden wurden, seien auch personelle Konsequenzen erforderlich, sagte er zu Beginn einer bis Samstag dauernden Mitgliederversammlung in Eichstätt. "Die katholische Kirche erlebt derzeit einen Reinigungsprozess, aus dem sie geläutert hervorkommen wird", unterstrich er.

Zugleich sprach sich Schmid zum Beginn des Laientreffens für eine Reform der katholischen Internatspädagogik aus. "Die Attraktivität der Internate muss neu erfunden werden", betonte Schmid. Dazu sei es erforderlich, die Internate auf den Stand der heutigen Pädagogik zu bringen. Für Prügelstrafen, wie sie anscheinend in einigen Internaten noch bis in die 1990er Jahre üblich gewesen seien, gebe es in den katholischen Internatsschulen keinen Platz. Bei der Reform der pädagogischen Konzepte, zu der es keine Alternative gebe, seien nun Fachleute gefragt.

Schmid warnte aber auch vor voreiligen Schlüssen. Die Missbrauchsfälle haben aus seiner Sicht weder etwas mit dem Zölibat noch der kirchlichen Sexualmoral zu tun. "Das sind primitive Erklärungsversuche", kritisierte er. "Statt Schnellschüssen brauchen wir eine breite fachliche Diskussion". Was die Kirche ebenfalls nicht brauche, seien "politische Ratschläge", sagte Schmid mit Blick auf die Kritik von Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) am angeblich nicht ausreichend offenen Umgang der katholischen Kirche mit den Vorkommnissen. "Für die Ministerin war das offenbar ein Thema, mit dem sie sich parteipolitischen profilieren konnte", warf Schmid ihr vor.

Als Folge der Banken- und Finanzkrise mit der Verengung von gesellschaftlíchen Sichtweisen auf Geld und Profit, aber auch als Folge der sexuellen Missbrauchsfälle, will das Landeskomitee in den kommenden Monaten eine Wertdiskussion anregen. Die katholische Laienorganisation strebt dabei nach Schmids Darstellung einen Dialog mit allen gesellschaftlichen Gruppen an. Auch Vertreter der Wirtschaft und der politischen Parteien sollen für die Rückbesinnung auf elementare christliche Wert sensibilisiert werden. Die Diskussion eröffnete am Freitag der frühere bayerische Kultusminister Hans Maier mit einem Referat zum Thema "Der Wert des Menschen - im Blick auf die Bibel".

dpa

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