+
Mitglieder des Motorradclubs "Bandidos" tragen ihre Kutten.

Sechs LKA-Beamte in V-Mann-Affäre unter Verdacht

München - Das Landeskriminalamt ist die Elitebehörde der bayerischen Polizei. Nun gerät das LKA ins Zwielicht. Sechs Beamte sollen selbst kriminell geworden sein. Unter anderem geht es um Strafvereitelung im Amt.

Die V-Mann-Affäre im Bayerischen Landeskriminalamt (LKA) weitet sich aus. Mittlerweile stehen sechs LKA-Ermittler unter Verdacht, im Zuge von Ermittlungen gegen die Rockergruppe „Bandidos“ selbst kriminell geworden zu sein. Das gab Innenminister Joachim Herrmann (CSU) am Donnerstag im Landtag bekannt. Ein V-Mann-Führer des LKA soll beim Diebstahl von Minibaggern in Dänemark behilflich gewesen sein. Gegen fünf weitere Beamte wird wegen Strafvereitelung im Amt ermittelt. Es stehe der Verdacht von Straftaten „im Raum“, sagte Herrmann in einem kurzen Sachstandsbericht zu der Affäre im Landtag.

Die Ermittlungen begannen laut Herrmann im Mai 2014 - ursprünglich gegen drei Polizisten. Mittlerweile seien sie auf drei weitere Beamte ausgeweitet worden. „Ich bitte um Verständnis, dass mir wegen der laufenden Ermittlungen keine weiteren Auskünfte möglich sind.“ Hermann sicherte aber die vom Landtag in München parteiübergreifend geforderte Aufklärung zu.

Das LKA hatte vor mehreren Jahren einen V-Mann in die Rockergruppe eingeschleust. Der V-Mann-Führer soll den Spitzel zu Straftaten angestiftet haben und dabei behilflich gewesen sein. Die übrigen Beamten sollen Straftaten vertuscht und die Akte frisiert haben. „Das sind Dinge, die einen Rechtsstaat erschüttern, auch uns erschüttern“, sagte die CSU-Rechtsexpertin Petra Guttenberger.

Im Raum steht auch die Frage, ob es politischen Einfluss aus der CSU gab. Nach Medienberichten ist der mittlerweile von dieser Tätigkeit entbundene V-Mann-Führer mit einer unterfränkischen CSU-Politikerin verheiratet. Innenstaatssekretär Gerhard Eck (CSU) - im Parteiamt unterfränkischer CSU-Bezirksvorsitzender - soll wiederum eine Sperrerklärung unterzeichnet haben, mit der die Weitergabe der Ermittlungsakte an das zuständige Landgericht verhindert wurde.

„Die Geschichte klingt zunächst wie eine Räuberpistole“, sagte Franz Schindler (SPD), der Vorsitzende des Rechtsausschusses im Landtag. Sowohl SPD als auch Grüne forderten die CSU auf, grundsätzlich über den Einsatz von V-Leuten nachzudenken.

Damit gerät das LKA zum zweiten Mal innerhalb weniger Monate in ein fragwürdiges Licht. Der Ruf der Elitepolizeibehörde hat bereits im Untersuchungsausschuss Labor des Landtags gelitten. Mehrere Beamte hatten als Zeugen ausführlich über interne Grabenkämpfe und Intrigen berichtet und Vorgesetzte beschuldigt, Ermittlungen behindert zu haben.

dpa

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Putzmann will bei Polizei saubermachen - wenig später sitzt er in der Zelle
Eigentlich wollte der Putzmann in der Polizeidienststelle in Lohr am Main nur seine Arbeit machen, doch stattdessen landete der 22-Jährige in einer Zelle.
Putzmann will bei Polizei saubermachen - wenig später sitzt er in der Zelle
Sänger hetzt gegen Homosexuelle: Nun soll er ausgerechnet vor dieser Party auftreten
Das Timing ist denkbar schlecht: In seinen Texten hetzt Bounty Killer offen gegen Schwule und Lesben. Nun soll der Dancehall-Künstler einen Tag vor einer LGBT-Party …
Sänger hetzt gegen Homosexuelle: Nun soll er ausgerechnet vor dieser Party auftreten
Flüchtender Schwarzfahrer begibt sich in Lebensgefahr - dann bewirft er Polizisten mit Steinen
Nur, weil er kein Ticket hatte: Auf der Flucht vor ihn verfolgenden Polizisten hat sich ein Schwarzfahrer in Lebensgefahr gebracht.
Flüchtender Schwarzfahrer begibt sich in Lebensgefahr - dann bewirft er Polizisten mit Steinen
Erhöhte Waldbrandgefahr in Oberbayern: Diese Maßnahme ergreift die Regierung
Wegen erhöhter Waldbrandgefahr hat die Regierung von Oberbayern für das Wochenende Beobachtungsflüge angeordnet.
Erhöhte Waldbrandgefahr in Oberbayern: Diese Maßnahme ergreift die Regierung

Kommentare