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Beisetzung in Rott am Inn am 28. Juni 1984: Franz Josef Strauß wird von seinen Kindern gestützt.

Vor 25 Jahren starb Marianne Strauß

Der Tod der Landesmutter

Marianne Strauß prägte den Begriff der „Landesmutter“. Es war ihre tragende Rolle – an der Seite eines schillernden CSU -Politikers. Vor 25 Jahren starb sie bei einem Autounfall nahe Rottach-Egern.

Der Anruf mit der niederschmetternden Nachricht erreichte Franz Josef Strauß auf einer jugoslawischen Autobahn-Raststätte. Zwischen Zagreb und Ljubljana kam ein jugoslawischer Uniformträger, so hat es Franz Georg Strauß im vergangenen Jahr in seinem Buch „Mein Vater“ geschildert, und reichte einen Zettel, darauf eine Nummer. Franz Georg wählte, ein Beamter im Lagezentrum des bayerischen Innenministeriums hob ab. „Herr Strauß. Ich muss Ihnen leider die Mitteilung machen, dass Ihre Mutter heute Nacht einen Unfall hatte. Sie ist bei Scharling tödlich verunglückt. Man hat sie heute Morgen gefunden.“ Franz Josef Strauß brach seine Staatsreise sofort ab. Seine Marianne war tot, die Weggefährtin, die beherrschte Konservative, die insgeheime politische Beraterin, die Mutter seiner drei Kinder – die Landesmutter.

Die Frau an seiner Seite: Ausflug in den Bergen.

Marianne Strauß starb in der Nacht des 22. Juni 1984 gegen 22.30 Uhr bei einem Autounfall auf der B 307 zwischen Rottach-Egern und Wildbad Kreuth nahe des Weilers Scharling. In Rottach hatte sie eine Freundin besucht. Auf dem Heimweg zu der Wohnung im Seitenflügel des Schlosses der Hanns-Seidel-Stiftung in Wildbad Kreuth erlitt sie vermutlich eine Herzattacke. Ihr schwerer ockerfarbener Mercedes 230 E kam in einer leichten Linkskurve von der Fahrbahn ab, flog über einen Hohlweg und bohrte sich in eine Böschung. Marianne Strauß , 54 Jahre alt, war sofort tot – Genickbruch. Ein Busfahrer sah das Autowrack erst am nächsten Tag, es war zwischen Haselnussbüschen nur schwer zu entdecken.

Der damalige Miesbacher Landrat Wolfgang Gröbl, persönlicher Freund der Familie, wurde in einem Kaufhaus ausgerufen und eilte an den Unfallort. „Ich bin dann gebeten worden, den Sarg öffnen zu lassen und die Identifizierung vorzunehmen“, erinnert er sich. Eine traurige Pflicht in der Aussegnungshalle von Kreuth. Später trafen sich die engen Freunde in der Münchner Wohnung von Strauß, der mit einer Bundeswehr-Maschine zurückgeflogen war. „Man steht zusammen, man überlegt, was ist jetzt, wie geht es weiter“, schildert Gröbl die damalige beklemmende Situation. „Man ließ gemeinsame Erinnerungen Revue passieren“, heißt es im Buch von Franz Georg Strauß. „Wir waren benommen vor Trauer und Schmerzen.“

„Gußeisern freundlich“ – das war das Attribut, das Marianne Strauß vorauseilte. Die Tochter des Brauereibesitzers Zwicknagl aus Rott am Inn hatte es selbst geprägt, damit die Rolle der Wirtsleute beschrieben, die auch unliebsame Gäste höflich behandeln. Marianne Strauß war selbstbewusst, hatte mit 17 ihr eigenes Zimmer im fernen München, um dort am Maxgymnasium (wo auch Franz Josef Strauß sein Einser-Abitur abgelegt hatte) ihren Schulabschluss zu machen. Sie war studierte Volkswirtin, hatte ein englisches und französisches Dolmetscherexamen. Franz Josef kannte sie seit 1948, als ihr Vater, ein CSU -Gründungsmitglied, sie zu politischen Beratungen mitnahm. 1957 heiratete die 27-Jährige den 14 Jahre älteren Strauß. Da war er schon Bundesverteidigungsminister. Eine repräsentative Hochzeit wurde arrangiert. Schon zur Verlobung war eine Audienz in Rom bei Papst Pius XII. vorgeschaltet. Und zur Hochzeit reiste Bundeskanzler Konrad Adenauer per Sonderzug an.

Marianne Strauß war konservativ, als Ehefrau eines schillernden Politikers sich stets ihrer Rollen als Ehefrau und Mutter bewusst, die sie gegenüber modernen Anwandlungen trotzig verteidigte. Die Familie war für sie – durchaus politisch gemeint – eine „schwarze Zelle“. Wenn Franz Josef Strauß öffentlich angegriffen wurde, traf das auch seine Frau. Und dass sich ihre Kinder, in nicht unüblicher Haltung gegen die Eltern gewandt und aufseiten der „Roten“ engagiert hätte, das konnte und wollte sie sich nicht vorstellen. Und dabei musste sie – selbst untadelig – über diverse Eskapaden des Ehemanns hinwegsehen. Es gehört wohl zu den Widersprüchen, von denen niemand frei ist.

Nach außen hin agierte Marianne Strauß als Landesmutter. Den Ausdruck „First Lady“ hörte sie wohl weniger gern und er passte auch nicht zu dieser bodenständigen Frau. Ihre Stellung sah sie nicht rein karitativ, sondern auch politisch. Die Familienpolitik der CSU , so sagt ihre Tochter Monika Hohlmeier, erschien ihr verbesserungswürdig. Das Landeserziehungsgeld soll auf ihrer Idee fußen. Ein fast selbstausbeuterischer Eifer griff da Platz, von einem „familienpolitischen Kreuzzug“ sprach ironisch auch ihr Mann. Franz Georg Strauß hat bemerkt, dass sie sich in den letzten Jahren vor ihrem Tod einem belastenden Termindruck aussetzte. Sie stürzte sich in Arbeit . Ob Frauenhäuser, behinderte Kinder oder MS-Kranke – Marianne Strauß eilte vor Ort und kümmerte sich. Oft bis spät in der Nacht saß sie am Schreibtisch.

Die Trauerfeierlichkeiten zu ihrem Tod prägten Bayern mehrere Tage. Ein Requiem mit Opernsänger Hermann Prey, eine Trauerfeier in der Residenz, die Beisetzung in der Familiengruft in Rott am Inn – ein Staatsakt in einem Ausmaß, wie er Marianne Strauß vielleicht gar nicht recht gewesen wäre.

Von Dirk Walter

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