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Antipoden: Alfons Goppel (l inks) und Franz Josef Strauß.

Eine Geschichte aus aktuellem Anlass

Der Landesvater und der Grobian

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München - Seehofer und Söder? Oder nur noch Söder? Oder Herrmann/Söder? Weber/Söder? Oder vielleicht gar kein Söder? Wie auch immer die derzeit hitzig diskutierte Machtkonstellation in der CSU künftig aussehen wird, eines ist sicher: Eine Ämtertrennung zwischen CSU-Chef und Ministerpräsident gab es schon öfters. Eine Geschichte aus aktuellem Anlass. 

Seehofer und Söder? Oder nur noch Söder? Oder Herrmann/Söder? Weber/Söder? Oder vielleicht gar kein Söder? Wie auch immer die derzeit hitzig diskutierte Machtkonstellation in der CSU künftig aussehen wird, eines ist sicher: Eine Ämtertrennung zwischen CSU-Chef und Ministerpräsident gab es schon öfters. Sie ist nicht so ungewöhnlich, wie man heute meint. Auf lange Sicht betrachtet war es sogar eher den Normalfall. Zwischen Theo Waigel/Edmund Stoiber funktionierte das Tandem-Modell immerhin sechs Jahre lang leidlich gut, von 1993 bis 1999, ehe Stoiber dann Waigel aus dem Amt drängte. Noch viel länger, von 1962 bis 1978, teilten sich zwei andere CSU-Titanen die Ämter: Alfons Goppel und Franz Josef Strauß.

Alfons Goppel (1905-1991) – der ist heute fast ganz vergessen. Dabei war er länger als jeder andere – 16 Jahre – bayerischer Ministerpräsident. In seiner Amtszeit holte die CSU das beste Landtags-Wahlergebnis ihrer Geschichte: 62,1 Prozent (1974). Anders als die affären-geschwängerte Biographie von Franz Josef Strauß ist das Leben von Goppel irgendwie total normal verlaufen, ohne Allüren und Aha-Effekte. Er war der ruhende Gegenpol zum Hitzkopf Strauß – daher auch sein Ruf als „Landesvater“. In der verdienstvollen Reihe „Kleine bayerische Biografien“ des Regensburger Verlags Friedrich Pustet hat der Historiker Stefan März soeben eine (leider recht uninspiriert geschriebene) Würdigung des gebürtigen Oberpfälzers vorgelegt (12,95 Euro).

Goppel war noch in der Weimarer Republik politisch groß geworden. Er war Mitglied der katholischen Bayerischen Volkspartei, beinahe wäre er noch im Juli 1933 in den Regensburger Stadtrat gelangt. Die NS-Gleichschaltung verhinderte dies. In der NS-Zeit ging Goppel in die innere Emigration. Es gibt zahlreiche Belege dafür, dass seine Religiosität sein „innerer Kompass“ blieb, wie März schreibt. Nach außen hin verhielt sich Goppel freilich konform. Er trat SA und NSDAP bei – wie sein Biograph vermutet, um seine Laufbahn als Jurist in Staatsdiensten und die Versorgung seiner jungen Familie nicht zu gefährden. Jedenfalls wurde ihm seine Parteimitgliedschaft später nie zum Vorwurf gemacht.

Zwangsläufig war es beileibe nicht, dass Goppel 1962 Ministerpräsident wurde. Seine Anläufe nach Kriegsende, in der Politik beruflich Fuß zu fassen, sind von zahlreichen Rückschlägen gekennzeichnet. Mal scheiterte er als OB-Kandidat in Aschaffenburg, mal in Würzburg. Auch mit der Landtags-Kandidatur klappte es nicht im ersten Anlauf. Es war vielleicht bezeichnend, dass Goppel erst 1954 in den Landtag rückte – just als die CSU aus der Regierung flog und Bayern dann drei Jahre lang das Experiment einer Viererkoalition erlebte.

Von der CSU als Ministerpräsident nominiert wurde Goppel (als Nachfolger von Hans Ehard) im Jahr 1962 nur mit verhaltener Begeisterung – er „glaube, dass wir mit der Entscheidung für Goppel eine brauchbare Wahl getroffen haben“, schrieb Strauß an Bundeskanzler Konrad Adenauer. „Brauchbare Wahl“, „ein wenig farblos“ – solche Beurteilungen las man damals öfters über Goppel. Er war Kompromisskandidat, der sich überraschend durchsetzte, weil er keinem Parteiflügel zuzurechnen war. Als Ministerpräsident gewann Goppel aber rasch Profil – wobei er sich auch auf fähige Minister wie Hans Maier (Kultus) oder Otto Schedl (Wirtschaft) verlassen konnte. Unter ihm wurde Bayern modern – sei es durch Gründung neuer Universitäten, einen Boom von Bildungsanstalten generell, mit moderner Landesplanung, auch mit einer Energiepolitik, die einseitig auf die (aus kurzer Sicht billige) Kernkraft setzte. Aus heutiger Warte: viel Licht, einiger Schatten.

Leider kommen in der Biographie die zahlreichen Reibungspunkte zwischen Strauß und Goppel zu kurz, etwa die Konflikte über die Ostpolitik Willy Brandts, die Goppel anders als der wütende Strauß milder beurteilte. Bundespolitischen Ehrgeiz entfaltete Goppel sonst aber nicht, urteilt der Historiker März.

Als Goppel dann 1978 halb freiwillig, halb unter Druck als Ministerpräsident seinen Abschied nahm, war seine politische Karriere übrigens noch nicht beendet. „Hast Du einen Opa, schick ihn nach Europa“ – dieser böse Spott war auch auf Goppel gemünzt, denn die CSU schickte den 73-Jährigen für fünf Jahre in das damals neue Europäische Parlament.

Ach ja – wäre das nicht eine Option für einen demnächst vielleicht ausscheidenden Ministerpräsidenten?

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