Landeszentrale: Gebühren für politische Bücher

München - Bildung in Bayern wird in diesem Frühjahr wieder ein Stück teurer. Die Landeszentrale für politische Bildungsarbeit darf jetzt Geld für ihre Publikationen verlangen.

Generationen von Schülern und Studenten haben Referate und Hausarbeiten aus den Materialien gestrickt, die die Landeszentrale für politische Bildungsarbeit (LZ) seit 1955 herausgibt. Bisher waren diese Bücher, Landkarten oder Zeitschriften kostenlos, die LZ stellte lediglich Portokosten in Rechnung. Jetzt darf sie für einige Publikationen Geld verlangen.

Der Landtag hat einen Testlauf gestattet – trotz Protest aus allen Fraktionen. Politische Bildung „muss kostenfrei bleiben“, verlangte Isabell Zacharias (SPD). „Man wird nicht als Demokrat geboren.“ Ihr CSU-Kollege Karl Freller sah das „Grundrecht“ auf politische Bildung gefährdet – und mahnte an, dass ein Staat seine „Demokratie unter die Leute bringen“ müsse, „damit sie akzeptiert wird“.

Am Ende stimmte der Landtag dennoch zu, dass die LZ einen Versuch starten kann. Wohl auch, weil die Abgeordneten nicht befürchten, dass mit dem Preis für die Bücher eine zu große Hürde vor das Wissen gestellt wird. Andere Landeszentralen in Deutschland verlangen bis zu 11 Euro pro Titel. Das schreckte am Anfang zwar Nutzer ab, doch die Absatzzahlen erholten sich nach einem ersten Einbruch wieder.

50 000 bis 60 000 Euro an neuen Einnahmen erhofft sich Peter März, der Direktor der bayerischen LZ. Die Kosten seiner Einrichtung will er damit keinesfalls wieder hereinholen. Insgesamt verfügt die LZ im Jahr über einen Sachetat von etwa 1,6 Millionen Euro – und fast die Hälfte davon gibt sie für ihre Bücher, Hefte, Karten und Wandzeitungen aus. Die neuen Einnahmen möchte März in Bildungsprojekte für „traditionell bildungsferne Schichten“ stecken – etwa für Kinder aus Migrantenfamilien. Und März hofft, seine Bücher zielgenauer an die Leser zu bringen. Weil die Materialien nichts kosten, würden jetzt sie von vielen Nutzern mitgenommen, die die Bücher nachher im Regal verstauben lassen.

Nichts kosten sollen nach wie vor die grundlegenden Materialien: die bayerische Verfassung oder Wandzeitungen über verschiedene Länder Afrikas oder Themen wie Bio-Technologie. Für dicke wissenschaftliche Bücher – wie Peter März’ eigene Arbeit über den ersten Weltkrieg oder einen 782 Seiten starken Wälzer über den SED-Staat – wird die LZ wahrscheinlich sechs Euro oder mehr verlangen.

Diese sechs Euro hatte März ursprünglich als Höchstpreis vorgeschlagen. Dass er noch mehr Spielraum nach oben bekommt, ist ein Zugeständnis an die Abgeordneten. Denn dadurch könnte ein anderer Teil der LZ-Publikationen wieder billiger herausgegeben werden – zum Beispiel die Zeitschriften aus der „G-Reihe – Grundinformationen Politik“. Darunter ist auch einen Band über den Rechtsstaat – verfasst von Michael Piazolo. Der Münchner Abgeordnete der Freien Wähler sitzt im Hochschulausschuss und äußerte ebenso seine Bedenken zu der Bücher-Maut.

Einige Abgeordneten schlugen sogar vor, dass man für die dicken Wälzer kostendeckende Preise fordern könnte. Dass diese gerade für Studenten, Historiker oder Politikwissenschaftler interessant sind, kam nicht zur Sprache – obwohl die Parlamentarier gerade diese Gruppe von Gebühren verschonen wollte. Von den 8021 Nutzern, die die LZ im Jahr 2009 verzeichnete, waren 1862 Studenten und 808 Schüler.

Vielleicht schon im April – ein Termin steht noch nicht fest – stellt die LZ Kassenautomaten in ihren Räumen auf der Münchner Praterinsel auf und fordert auf ihren Porto-Rechnungen die Gebühren ein. Mindestens ein dreiviertel Jahr soll die Testphase dauern, sagte März. Er will abwarten, ob die verschreckten Nutzer nach einem ersten Schock wiederkommen.

Kolja Kröger

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