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Im Prozess um den Baby-Mord in Hof wurde die Mutter freigesprochen.

Landgericht Hof

Tod zweier Babys: Mutter freigesprochen

Hof - Im Babymord-Prozess in Hof ist ein Urteil gefallen.  Die Mutter wurde freigesprochen. Mehr als 25 Jahre nach den Taten bleiben zu viele Einzelheiten im Dunkeln.

Im Prozess um den Tod ihrer zwei Babysist die angeklagte Mutter aus Oberfranken freigesprochen worden. Sie verlässt den Gerichtssaal als freie Frau. Ihr Ehemann hat schützend den Arm um sie gelegt. Dabei hat das Landgericht Hof gerade festgestellt, dass sie ihre zwei Babys umgebracht hat. Doch die Strafkammer erkennt lediglich Totschlag, keinen Mord. Und da die Taten bereits in den 1980er Jahren geschehen waren, ist Totschlag verjährt. Die Frist dafür beträgt 20 Jahre. Doch ob die heute 53 Jahre alte Oberfränkin sich nun wirklich frei fühlt, bezweifelt der Vorsitzende Richter Matthias Burghardt. „Sie muss mit dieser Bürde leben“, sagt er in seiner emotionalen und bewegenden Urteilsbegründung.

Mit dem Urteil folgt das Gericht dem Plädoyer der Verteidigung. Diese hatte argumentierte, dass es nicht mehr festzustellen ist, ob die Kinder bei der Geburt überhaut gelebt haben. Die Staatsanwaltschaft dagegen hatte eine Haftstrafe von acht Jahren gefordert. Oberstaatsanwalt Reiner Laib ging davon aus, dass die 53-Jährige ihre Babys damals aus niedrigen Beweggründen sterben gelassen hat.

Die 53-Jährige war angeklagt, weil sie nach heimlichen Hausgeburten zwei Säuglinge in den 1980er Jahren unversorgt sterben hat lassen. Nur durch Zufall wurden im Oktober 2013 die beiden in Plastiktüten eingewickelten Leichen bei Bauarbeiten in Bad Alexandersbad (Landkreis Wunsiedel) gefunden. Nach rechtsmedizinischen Untersuchungen wurde klar, dass der Bub und das Mädchen schon sehr lange tot sein müssen und  es sich um kein aktuelles Verbrechen handelt. Über einen DNA-Abgleich wurde schließlich die Frau ausfindig gemacht, die die Kinder in den 1980er Jahren geboren hatte. Seitdem saß die gelernte Hauswirtschafterin in Untersuchungshaft.

Dass die Frau die Babys nach den heimlichen Hausgeburten unversorgt ließ, hat sie bereits bei der polizeilichen Vernehmung eingeräumt. Vor Gericht schwieg sie dann zwar beharrlich. Trotzdem war für die Kammer klar: „Die Angeklagte hat gewusst und gewollt, dass sie versterben.“ Aber es fehlten die Mordmerkmale wie niedere Beweggründe. Etliche Einzelheiten in dem Fall müssten so viele Jahre nach den Taten im Dunkeln bleiben, sagt der Vorsitzende Richter. „Viele der kriminalistischen Ermittlungen waren schlichtweg nicht mehr durchführbar.“ Die Leichen seien stark verwest gewesen, die Erinnerung der Zeugen verblasst.

Nun, da das Drama vor Gericht verhandelt worden ist, nutzte Richter Burghardt seine Urteilsbegründung zu einer Ermahnung an das Umfeld der Angeklagten. Das Verfahren „wirft Fragen an das Zusammenleben der menschlichen Gesellschaft auf“. Keiner habe in dem Ort hinter die Fassade der Familie geblickt. Und er erinnerte daran, dass die zu Tode gekommenen Kinder heute erwachsene Menschen wären. Vielleicht würden sie studieren, vielleicht hätten sie selbst schon Kinder. Aber sie hätten keine Chance gehabt.

Als die Kammer den Freispruch verkündet, geht ein Raunen durch den Saal. Dann ist ein lautes Schluchzen der Angeklagten zu hören. Doch die weiteren Ausführungen des Richters verfolgt die 53-Jährige wieder gefasst. Gemeinsam mit ihrem Mann hat sie drei Kinder großgezogen, eines zur Adoption freigegeben. Später geht das Paar gemeinsam aus dem Gerichtsgebäude.

dpa

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