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Die Landräte wollen, dass es parallel zum Bau der zweiten Stammstrecke Verbesserungen gibt – und konkrete Planungen für die Zeit danach.

Zweite Stammstrecke ist nicht genug

Landräte in der Region nennen S-Bahn-Visionen für 2050 

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Mit einer Vision „S-Bahn München 2050“ proben acht Landräte in der Region den Befreiungsschlag. Sie wollen, dass es parallel zum Bau der zweiten Stammstrecke Verbesserungen gibt – und konkrete Planungen für die Zeit danach. Die Machbarkeit vieler Ideen ist ungeklärt.

München – „Wir wollen visionär sein“, sagt Dachaus Landrat Stefan Löwl (CSU). In der Tat: Ein Forderungspapier zum S-Bahn-Ausbau, das die acht Landräte der MVV-Region Donnerstag vorstellten, hat es in sich. Die komplette Umsetzung würde wohl etliche Milliarden Euro kosten. Erstellt wurde die Studie vom Koordinator der MVV-Landkreise, Günter Menzl, der die Wünsche aus den einzelnen Landkreisen zusammengeführt und abgeglichen hat. Die Forderungen im Einzelnen:

  • Schließung von Taktlücken: Neben einem 24-Stunden-Betrieb der S-Bahn zumindest am Donnerstag, Freitag und Samstag fordern die Landräte auch die Beseitigung unregelmäßiger „Taktsprünge und Taktlücken“. Im Anhang ihres Papiers haben die Landräte für jede Linie die Lücken aufgelistet – allein bei der S1 Freising-Ostbahnhof gibt es täglich 21 Unregelmäßigkeiten.
  • Aufklärungsbedarf gibt es beim Betriebskonzept für die zweite Röhre. Zwar ist bekannt, welche S-Bahnen voraussichtlich ab 2027 in den zweiten Tunnel müssen – und welche nicht. Doch dürfe es „keine Verschlechterungen im Leistungsangebot“ geben, mahnen die Landräte. Im Blick haben sie dabei vor allem die S-Bahnen-Linien mit 10-Minuten-Takt – denn der wird künftig nurmehr zum 15-Minuten-Takt. An insgesamt zehn der 150 S-Bahn-Stationen werde es Verschlechterungen geben, hat MVV-Geschäftsführer Alexander Freitag ausgerechnet.
  • Als „mittelfristige Handlungsoptionen“ bringen die Landräte den Kauf von Doppelstock-S-Bahnen ins Spiel. Diese schon öfter geprüfte und verworfene Idee soll nun erneut mit der (bisher skeptischen) Bayerischen Eisenbahngesellschaft diskutiert werden. Problem ist, dass der Fahrgastwechsel bei Doppelstock-Zügen langsamer funktioniert als bei herkömmlichen S-Bahnen. Dennoch drängt vor allem der MVV darauf, diese „Vision“ mit Zug-Herstellern zu prüfen.
  • Information: „Alle 150 S-Bahn-Stationen sind mit elektronischen Zugzielanzeigern für Ankunft und Abfahrt der S-Bahnen auszustatten“, heißt es im Papier. Auch hier gibt es auf den Außenästen viel Nachholbedarf.
  • Langfristig soll die S-Bahn komplett auf einem eigenen zweigleisigen S-Bahnnetz fahren. Da ist noch viel zu tun. Das S-Bahnnetz ist 434 Kilometer lang, 146 Kilometer hiervon werden auch von Regional- oder Güterzügen benutzt („Mischbetrieb), weitere 137 Kilometer sind eingleisig – etwa die Strecke zwischen Dachau und Petershausen oder auch der S7-Südast.
  • Nordring: Die Landräte fordern, ähnlich wie vorher schon die Freien Wähler, den Ausbau des bestehenden Nordrings zwischen Johanneskirchen und Moosach. Hier fahren derzeit nur Güterzüge. Mit dem Nordring könnte aber beispielsweise BMW direkt an die S-Bahn angebunden werden. Bislang blockiert vor allem die Deutsche Bahn solche Pläne.

Grafiken zur zweiten Stammstrecke: Wo die Stadt überall aufgerissen wird

2. Stammstrecke: Wo die Stadt überall aufgerissen wird

Bloße Vision dürfte die Verlängerung der Gleise von Altomünster nach Aichach sein. Hier müsse zumindest sichergestellt werden, dass eine potenzielle Trasse nicht „verbaut“ wird, sagte Löwl.

Auch insgesamt neun neue Bahnhöfe werden gefordert, so eine Station Breitenau zwischen Bachern und Dachau-Stadt, eine eigene Station für die Gemeinde Emmering im Kreis Fürstenfeldbruck und neue Bahnhöfe namens Weichselbaum (Kreis Starnberg) und Menterschwaige (zwischen Solln und Deisenhofen). Manche Strecken sollen elektrifiziert werden, etwa nach Wasserburg.

Vorschläge zur Finanzierung machte der Ebersberger Landrat Robert Niedergesäß (CSU), der der MVV-Sprecher der acht Landkreise ist, am Donnerstag nicht. Nur so viel: Die Gewinne, die die S-Bahn München jährlich abwirft, müssten künftig im Netz verbaut werden. Niedergesäß nannte eine jährliche Summe von 150 Millionen Euro. Experten halten diese Schätzung für viel zu hoch – die S-Bahn mache allenfalls „einen niedrigen zweistelligen Millionenbetrag“ im Jahr Gewinn, den sie bisher an den Konzern abführt.

Wie auch immer: Niedergesäß betonte, die Vision solle „nicht in der Schublade“ verschwinden. Die Landräte würden nachhaken und sich nicht damit zufrieden geben, dass ja die zweite Stammstrecke komme. Sie sei nicht die Lösung aller Probleme. Als Ansprechpartner wird ein MVV-Beauftragter bei der Deutschen Bahn gefordert. Nahezu jede Störung bei der S-Bahn führe „den zumindest kurzzeitigen Kollaps herbei“, heißt es in dem Papier. So könne es nicht bleiben.

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