Private Gleise: Der Bauindustrieverband empfiehlt eine Konzessionsstrecke zwischen Markt Schwaben und Freilassing/Burghausen.

Private Geldgeber gesucht

Landräte pochen auf Bahn-Ausbau

München - Mit einer Resolution wollen sechs Landräte aus dem südost-oberbayerischen Raum dem Bahnausbau neuen Schwung verleihen. Ein Novum: Sie plädieren für den Einstieg privater Geldgeber in den Gleisausbau.

„Endlich entscheiden und Fakten schaffen“, so ist der am Freitag veröffentlichte Aufruf der Landräte aus den Landkreisen Traunstein, Altötting, Mühldorf, Rosenheim, Berchtesgadener Land und Erding überschrieben. Ihn haben auch der Chef von Wacker Chemie, Rudolf Staudigl, der DGB-Regionsvorsitzende Günter Zellner sowie Konrad Sterflinger vom Informationskreis der Wirtschaft Traun/Alz unterzeichnet. Die Region sei „der jahrelangen Vertröstungen überdrüssig“, heißt es in dem Schreiben, das an Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer übergeben worden ist. Bundes- und Landespolitik sowie die Deutsche Bahn AG hätten „ernsthafte Glaubwürdigkeitsprobleme“. Es bestehe die Gefahr, dass „ohne zeitnahen Schienenausbau die bisherige hervorragende wirtschaftliche Situation“ der Region gefährdet werde.

Die Unterzeichner plädieren daher für den Ausbau folgender Strecken:

-München bis Freilassing mit Anschluss an das Chemiedreieck. Er sollte zweigleisig und elektrifiziert werden.

-Erdinger Ringschluss und Walpertskirchner Spange: Die S-Bahn könnte dann über Erding-Nord bis zum Flughafen durchfahren.

-München-Markt Schwaben: Die Strecke soll viergleisig werden.

Aufgrund finanzieller Engpässe – allein die Mühldorfer Strecke kostet wohl über eine Milliarde Euro – müssten unkonventionelle Wege beschritten werden, heißt es weiter. Daher solle das sogenannte B-Modell des Bauindustrieverbands Bayern pilothaft angewandt werden. Der Industrieverband hatte vorgeschlagen, private Geldgeber mit ins Boot zu holen. Sie sollen die Gleisstrecke vorfinanzieren und später über die Trassenpreise ihr Geld verzinst zurück erhalten. Dazu sollte eine Infrastruktur-Finanzierungsanleihe durch regionale Finanzinstitute im Umfang von einer Milliarde Euro aufgelegt werden. Bei einer Tagung in Burghausen warb der Verband sogar damit, dass diese Anleihe auch für Privatkapital attraktiv sein könnte. Motto: „Mit Infrastruktur die Rente finanzieren“.

Das Bundesverkehrsministerium hat eine Prüfung des Modells zugesagt; ein Ergebnis soll Anfang 2013 vorliegen. Allerdings rechnen Bahnkreise mit einem negativen Votum – die Gleiserlöse fallen einfach zu gering aus.

„Wegen des Pilotcharakters und der langen Vorlaufzeit“ empfiehlt auch der CSU-Wirtschaftsexperte Erwin Huber Zurückhaltung. Er hatte das ÖPP-Modell einst angeregt. Angesichts der hohen Priorität müsse die Strecke München-Burghausen aus dem Bundeshaushalt finanziert werden, sagte Huber unserer Zeitung. Das B-Modell könne für die Walpertskirchner Spange und das Endstück von Mühldorf nach Burghausen bzw. Freilassing geprüft werden.

Dirk Walter

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