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Knapp 150.000 Masthähnchen sollen künftig in einem Betrieb im Landkreis Pfaffenhofen gehalten werden. 

Landratsamt genehmigt Großmastbetrieb

400 Einwohner, 144.600 Hendl

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Im Landkreis Pfaffenhofen soll der größte Geflügelmastbetrieb in Bayern entstehen. Das Landratsamt hat die Erweiterung auf genehmigt. Das 400-Einwohner-Dorf ist gespalten.

Eschelbach – Grüne und Bund Naturschutz laufen Sturm gegen die „dreiste“ Entscheidung. Direkt am Autobahndreieck Holledau liegt das kleine Dorf Eschelbach. Knapp 400 Einwohner hat der Gemeindeteil von Wolnzach im Kreis Pfaffenhofen an der Ilm. Und schon bald könnte das Dorf Heimat des größten bayerischen Geflügelmastbetriebs sein. Denn wie das zuständige Landratsamt gestern mitteilte, hat die ansässige Landwirt-Familie Höckmeier die Genehmigung zur Erweiterung ihres Betriebs bekommen. Von bislang rund 50 000 Masthühnern soll die Kapazität mit zwei neuen Ställen auf 144.600 Tiere erhöht werden. Eine Entscheidung, die den kleinen Ort spaltet.

„Die Anwohner haben große Sorgen“, sagt Michael Lohr von der Ortsgruppe des Bund Naturschutz. Sorge vor erhöhter Luftbelastung, vor mehr Gärresten aus der zugehörigen Biogasanlage im ihrer Ansicht nach ohnehin schon nitratbelasteten Boden, vor den vielen Lastwagen und Maschinen, die sich nicht nur während der Erntezeit durch die schmale Ortsstraße schieben. „Und natürlich geht es um die Massentierhaltung als solche“, sagt Lohr. Betriebe dieser Größenordnung stehen aus seiner Sicht nicht im Einklang mit einer artgerechten Tierhaltung. „Das Tierschutzgesetz ist hier sehr lasch.“

Nach 30 Tagen: Schlachtgewicht von 1,6 Kilo

Aus dem Genehmigungsbescheid geht hervor, dass eine maximale Besatzdichte von 39 Kilogramm pro Quadratmeter vorgegeben ist – das ergibt rund 20 ausgewachsene Hähnchen pro Quadratmeter. Nach 30 Tagen haben die Tiere das Schlachtgewicht von 1,6 Kilo erreicht, ein zweiter Schwung verlässt nach 37 Tagen mit rund 2,2 Kilo den Stall. Bei sieben bis acht Mastzyklen pro Jahr ergeben sich rund eine Million Hähnchen.

Bereits seit Monaten machen die Mast-Kritiker gegen den geplanten Ausbau mobil, unter anderem mit einem offenen Brief an Landwirtschaftsminister Brunner und einer Petition an den Landtag. Gebracht hat es nichts. „Da im Rahmen der Planung sowie durch Gutachten alle Voraussetzungen erfüllt werden können, hatten die Antragsteller einen Anspruch auf Genehmigung“, begründet das Landratsamt die Entscheidung. Unterton: Wir hatten gar keine andere Wahl. Die Genehmigung sei aber mit zahlreichen Auflagen etwa zur Luftreinhaltung oder dem Naturschutz versehen worden. Der Wolnzacher Gemeinderat hatte mehrfach Bedenken geäußert, ob das erhöhte Verkehrsaufkommen für den Ortsteil zumutbar sei.

Großbetriebe wie in Eschelbach gebe es nicht ohne Grund

Max Weichenrieder, CSU-Gemeinderat in Wolnzach und langjähriger Kreisobmann des Bauernverbands, verfolgt den Streit seit langer Zeit. „Ich kann nachvollziehen, wenn sich jemand fragt, ob so große Betriebe sein müssen“, sagt er. „Andererseits hat der Betrieb seine Auflagen. Und wenn er die einhält, ist er eben genehmigungsfähig.“ Großbetriebe wie in Eschelbach gebe es nicht ohne Grund. „Solange der Verbraucher diese Produkte billig haben will, wird es solche Betriebe geben.“ Bei einem Verbot würden die Betriebe eben in Tschechien und Polen aufgebaut. „Und der Gockel liegt dann wieder bei uns im Laden.“ Entscheidend sei, wie der Landwirt mit seinen Tieren umgehe. „Und da ist mir bei der Familie Höckmeier kein Konflikt bekannt.“

Landwirt Josef Höckmeier sagte Dienstag auf Anfrage, die Familie freue sich, dass es jetzt eine Entscheidung gebe. Weiter wolle er sich nicht äußern.

Bund Naturschutz und Landtags-Grüne kritisieren das Verhalten des Landratsamtes. Es hätte durchaus Möglichkeiten gegeben, das Projekt zu stoppen, sagt Michael Lohr. Ein angekündigtes Gespräch mit Landrat Martin Wolf (CSU) sei nie zustande gekommen, und auf schriftliche Einwände habe es keine Reaktion gegeben. Seit Wolf im April einen schweren Motorradunfall hatte, führt sein Stellvertreter die Geschäfte. Die Grünen-Abgeordnete Rosi Steinberger kritisierte zudem, dass die laufende Landtagspetition ignoriert wurde. „Dieses Vorgehen ist dreist und undemokratisch.“ Der Bund Naturschutz Bayern will nun eine Klage gegen die Genehmigung prüfen.

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