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Schon am Bahnhof in Kaufering werden die schaulustigen Jugendlichen von der Polizei in Empfang genommen. Die meisten jungen Leute reisen wieder ab.

Polizei verhindert Chaos

Nach Facebook-Massen-Einladung: Party unter Aufsicht

Kaufering - Das von den Behörden verordnete Feierverbot im Raum Landsberg und Kaufering hat gewirkt: Die versehentlich von einer 13-Jährigen über Facebook angekündigte Party hat kein Chaos ausgelöst.

Das große Chaos ist ausgeblieben: Statt der befürchteten 18 000 Feierwütigen versuchten am Samstag rund 400 junge Leute, die verbotene Facebook-Party bei Kaufering (Kreis Landsberg/Lech) zu besuchen. Viele kamen mit der Bahn und wurden dort von einem Großaufgebot an Polizeibeamten dazu aufgefordert, gleich wieder abzufahren – was die meisten auch taten.

Bereits am frühen Nachmittag postieren sich Einsatzfahrzeuge an allen Zufahrtswegen zum Baggersee im Westen des Ortes. Insgesamt sind rund 300 Beamte im Einsatz, sogar ein Hubschrauber kreist über der beschaulichen Marktgemeinde. Das größte Polizeiaufgebot zieht am Bahnhof auf. Hier erwarten die Behörden den stärksten Andrang an Partygängern. Der kommt am Nachmittag gegen 16 Uhr. Rund 250 junge Leute treffen mit Zügen aus München, Augsburg, Kempten und Kaufbeuren ein. Auf dem Bahnsteig werden sie von Polizeibeamten in Empfang genommen und auf ein Gelände neben dem Bahnhofsgebäude gebracht.

Trotz Bier und Sprechchören bleibt die Stimmung friedlich. Die Beamten diskutieren mit den Jugendlichen und fordern sie auf, mit dem nächsten Zug wieder abzufahren. „Wir haben kein Interesse daran, die Situation hier einzufrieren“, sagt Hans-Peter Kammerer, Pressesprecher der Polizeidirektion Oberbayern-Süd. Die Beamten wollen deeskalieren und dafür sorgen, dass das Partyvölkchen so schnell wie möglich wieder abzieht. Deshalb werden auch von niemandem die Personalien aufgenommen. Offiziell will sowieso keiner zu der Facebook-Party, für deren Besuch das Landratsamt ein Bußgeld von 1000 Euro angedroht hat. Man will Freunde besuchen, mit der Oma Fußball schauen, ins Restaurant gehen. „Wir müssen uns viele Ausreden anhören“, so Kammerer. Schnell sehen die Jugendlichen aber ein, dass es in Kaufering an diesem Abend nichts zu feiern gibt. Viele steigen in den Zug nach Hause. Eine Gruppe von etwa 100 Leuten zieht weiter zur Landsberger Wiesn.

Vor dem Bahnhof tummeln sich derweil die Schaulustigen. Den Appell des Landratsamts, heute am besten zu Hause zu bleiben, hat offenbar niemand ernst genommen. Mit einer Mischung aus Amüsiertheit und Bestürzung beobachten die Kauferinger, was sich in ihrem Ort tut. Auf dem Bahnhofsvorplatz feiert eine Gruppe Jugendlicher, andere machen Party neben der Sporthalle.

Bürgermeister Erich Püttner ist den ganzen Nachmittag mit dem Radl durch seine Gemeinde gefahren und hat auffällig viele Autos mit auswärtigen Kennzeichen und vier, fünf Insassen beobachtet. „Die fahren im Kreis, sehen, dass nichts geht und fahren wieder ab.“ Einige Hartnäckige versuchen, zu Fuß an den Baggersee vorzudringen, werden aber aufgehalten.

Ins Rollen gebracht hatte die Lawine eine 13-Jährige, die ihre private Geburtstagsfeier versehentlich als öffentliche Veranstaltung auf Facebook eingestellt hatte. Im Schneeballsystem verbreitete sich die Einladung – auch dann noch, als die Behörden die entsprechende Seite schon hatten entfernen lassen. Eine Handvoll User, die den Party-Aufruf weitergeleitet hatten, konnte die Polizei ermitteln. „Dort haben wir Beamte hingeschickt“, so Polizeisprecher Kammerer. „Wenn ein 15-Jähriger ein bisschen im Internet herumklickt und drei Stunden später steht die Polizei vor der Tür, werden die Eltern schon aufmerksam.“

Von Ulrike Osman

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