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Die letzte Ruhe in der neuen Heimat: Auf dem Münchner Südfriedhof gibt es schon lange ein muslimisches Grabfeld. Immer mehr bayerische Gemeinden ziehen nach

Landtag prüft

Bestattung für Muslime: Kommt Ende der Sargpflicht?

München - Der Landtag prüft eine Abschaffung der Sargpflicht – um Muslimen eine Beerdigung nach ihren Riten zu ermöglichen. Die Bestatter raten jedoch entschieden davon ab. 

Die Geste war groß – viel größer als das 200-Quadratmeter-Areal auf dem Penzberger Friedhof, das die Stadt bereitgestellt hat. Für ihre muslimischen Bürger. Sie sollen die Möglichkeit bekommen, nach ihrem Tod in ihrer neuen Heimat die letzte Ruhe zu finden. Bei ihren Angehörigen. Und nach ihren religiösen Riten. Deshalb gibt es auf dem Friedhof seit vier Jahren ein Areal für 23 nach Osten ausgerichtete muslimische Gräber. Und für ein Gebäude, in dem die im Islam gebräuchliche Leichen-Waschung stattfinden kann. Erst zwei Muslime sind seit 2010 dort bestattet worden, sagt Rudi Reis von der Friedhofsverwaltung. „Aber das Gräberfeld ist ein wichtiges Symbol – für das Miteinander der Religionen in unserer Stadt.“

Penzberg (Kreis Weilheim-Schongau) ist nicht die einzige Stadt, die längst einen Weg gefunden hat, um ihren muslimischen Bürgern und deren Bestattungswünschen entgegenzukommen. Auf dem Nürnberger Friedhof gibt es schon seit 1989 eine eigene Abteilung für Muslime. Dort sind bereits 300 Gräber belegt. Auf dem Münchner Waldfriedhof sind es rund 1200 Gräber. Immer mehr Städte und Gemeinden ziehen nach. Dachau und Garmisch-Partenkirchen haben erst vor kurzem muslimische Gräberfelder auf ihren Friedhöfen ausgewiesen, in Miesbach diskutiert der Stadtrat noch über die Pläne.

Bislang wird das Angebot, in Deutschland nach muslimischen Riten bestattet zu werden, zurückhaltend genutzt. „Die ältere Generation ist noch sehr mit der Heimat verwurzelt und lässt sich nach dem Tod lieber überführen“, erklärt Gönül Yerli vom Islamischen Forum in Penzberg. „Aber für die zweite und dritte Generation ist es eine wichtige Option, sich in der Nähe ihrer Familien bestatten zu lassen.“ Das kann auch Bestatter Mohamed Oudrefi bestättigen. Er bietet muslimische Bestattungen und Überführungen im ganzen Münchner Umland an. „Inzwischen wollen 70 Prozent der Muslime in Deutschland beerdigt werden“, sagt er.

Das Thema beschäftigt die Landtags-Grünen seit einiger Zeit. „Nicht nur das Bedürfnis hier bestattet zu werden, wird größer“, sagt die Abgeordnete Ulrike Gote. „Sondern auch der Anteil der Muslime in der Bevölkerung. „Deshalb hat ihre Fraktion einen Antrag im Landtag eingereicht, die Sargpflicht in Bayern abzuschaffen. Der Freistaat ist eines von nur noch drei Bundesländern, die an der Regelung strikt festhalten. Berlin, Nordrhein-Westfalen, Bremen, Hessen und Schleswig-Holstein haben die Sargpflicht abgeschafft, die anderen Bundesländer haben sie gelockert oder überlassen es den Trägern der Friedhöfe, wie sie die Bestattung von Muslimen handhaben.

Jörg Freudensprung, der stellvertretende Vorsitzende des bayerischen Bestatterverbandes, hält den Antrag der Grünen für „puren Populismus“. Die Sargpflicht sei für die wenigsten Muslime ausschlaggebend bei der Entscheidung, wo sie bestattet werden möchten. Der Sarg ist im Koran nicht explizit verboten, erklärt er. Dass die Menschen in muslimischen Ländern meist nur in Leinentücher gewickelt beerdigt werden, habe einen ganz pragmatischen Grund: Es gibt dort wenig Holz. „In unseren Breitengraden ist eine Bestattung ohne Sarg sehr problematisch“, sagt Freudensprung. Die Bakterien können Körper in nassen Matschböden nur schwer zersetzen. „Religiöse Gründe hinter dem Wunsch, ohne Sarg beerdigt zu werden, würden wir verstehen“, sagt der Bestatter. Aber aus seiner Erfahrung weiß er: „Den meisten Muslimen sind andere Dinge viel wichtiger.“ Zum Beispiel die ewige Ruhe. Sie wollen Gräber für die Ewigkeit – manche Gemeinden bieten ihnen bereits Ruhezeiten bis zu 100 Jahren an. Das bestätigt auch Bestatter Mohamed Oudrefi. „Ich bekomme täglich Anrufe wegen muslimischen Bestattungen – aber dabei geht es nie um eine Beerdigung ohne Sarg“, sagt er.

Der Antrag der Grünen ist vorerst zurückgestellt worden, es wird zunächst eine Anhörung zum Bestattungsrecht geben. Ralf Michal, der Vorsitzende des Bestatterverbandes, sieht keinen Vorteil darin, die Sargpflicht in Bayern abzuschaffen. „Nur wenige würden danach auf einen Sarg verzichten“, glaubt er. „Und dann nicht aus religiösen Gründen – sondern nur, um Geld zu sparen.“

Katrin Woitsch

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