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Karl Merk am Mittwoch in Memmingen.

Landwirt mit Armen eines Toten kann endlich seine Frau umarmen

Memmingen - Ein Jahr nach der weltweit ersten beidseitigen Arm-Transplantation hat der Patient - der Allgäuer Bauer Karl Merk - heute im Memminger Klinikum ausführlich über seine gesundheitlichen Fortschritte berichtet.

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Mit den Armen eines Toten: Patient kann Finger bewegen

Die erste Umarmung seiner Frau und seiner beiden Töchter gehört für Karl Merk zu den wichtigsten Momenten nach seiner Operation. Was für viele Menschen alltägliche Gewohnheit ist, war für den 55-Jährigen eine Sensation. Seit einem Jahr lebt der Unterallgäuer Landwirt mit den Armen eines Toten.

Bilder von Karl Merk

Der Landwirt mit den Armen eines Toten

Stolz und mit einem strahlenden Lächeln präsentiert er die transplantierten Arme am Mittwoch im Memminger Klinikum der Öffentlichkeit. Bei jeder Armbewegung von ihm prasselt ein Blitzlichtgewitter der Fotografen. "Ich kann noch viel mehr", sagt der Allgäuer und verschränkt zuerst die Arme vor der Brust, bevor er sich scheinbar mühelos am Kopf kratzt. Sechs Jahre lang hat Merk ohne Arme gelebt. Ein Maishäcksler hatte sie ihm auf dem eigenen Hof abgerissen. Mit den ursprünglich verordneten Prothesen kam er nie zurecht.

Im Juli 2008 begann für den Familienvater dann ein neues Leben. Die weltweit erste Transplantation von zwei kompletten Armen hatte für großes Aufsehen gesorgt. 15 Stunden dauerte der komplizierte Eingriff am Münchner Klinikum rechts der Isar, an dem ein 40-köpfiges Ärzteteam beteiligt war. Die gesundheitlichen Fortschritte nach nur einem Jahr erstaunen sowohl den Patienten als auch die Ärzte. "Herr Merk ist viel weiter, als wir gedacht haben", sagt der Leiter des Ärzteteams, Christoph Höhnke. So könne der Patient schon die ersten Finger bewegen und selbstständig essen.

Doch damit nicht genug. Als Merk erzählt, was er sonst schon alles kann und macht, erntet er großes Erstaunen. "Irgendwann stand ich in der Garage und sah mein Fahrrad. Da dachte ich mir, ich probiere es einfach mal." Seine Frau habe sich gewundert, wer da mit dem Rad über den Hof fährt. "Aber es hat funktioniert." Er sei auch schon Bulldog gefahren und gehe regelmäßig mit dem Hund spazieren. Doch auch die kleinen Fortschritte würden sein Leben ungemein erleichtern.

Da der Unterallgäuer gerne in Gesellschaft ist, fangen die Annehmlichkeiten für ihn im Bierzelt an. "Es ist sehr entspannend, wenn man sich mit den Armen auf dem Biertisch abstützen kann. Ohne Rückenlehne musste ich sonst immer aufrecht sitzen und das hat irgendwann im Kreuz wehgetan." Bis Merk wieder die volle Funktionsfähigkeit in seinen Spenderarmen erlangt, wird es nach Auskunft der Ärzte mindestens ein weiteres Jahr dauern. Bis dahin ist eine regelmäßige Physiotherapie nötig.

Mehrere Stunden täglich trainiert Merk in der Memminger Klinik, um Nerven aufzubauen und Muskeln zu erhalten. Im August sollen die Schwimmübungen beginnen. Die langen Übungsstunden seien sehr anstrengend, erzählt Merk. Doch der Erfolg motiviere enorm. Mehr und mehr freunde sich sein Körper mit den neuen Armen an. "Ich warte jetzt sehnsüchtig darauf, wieder einmal etwas mit den Händen festhalten zu können und dadurch etwas selbstständiger zu werden."

Wenn er weiterhin solche gesundheitlichen Fortschritte macht, will Merk irgendwann wieder arbeiten. Außerdem hält er noch an seinem Traum fest, eines Tages wieder motorisiert auf zwei Rädern durch das Allgäu zu fahren. "Wenn ich es schaffe, irgendwann mal wieder Motorrad zu fahren, wäre das natürlich das größte."

von Birgit Klimke

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