Für Landwirte unbezahlbar: Die Preise für Ackerland schießen durch die Decke. foto: dpa

90 000 Euro pro Hektar

Landwirte verzweifelt: Privatkäufe lassen Preise für Ackerland explodieren

München - Ackerflächen werden immer teurer, viele Landwirte können sich die hohen Verkaufspreise nicht mehr leisten. Der Grund dafür ist aber nicht die hohe Nachfrage der Bauern. Vielmehr treiben Kommunen und Anleger die Preise in die Höhe.

Die Preise für landwirtschaftliche Nutzflächen in Bayern liegen auf einem Rekordhoch. Im Landesmittel wurde der Hektar Ackerfläche im Jahr 2015 zum Preis eines Mittelklassewagens verkauft, in Oberbayern mussten Käufer im Schnitt sogar fast doppelt so viel, knapp 90 000 Euro, bezahlen. Von der Preisentwicklung besonders stark betroffen sind die Landkreise Erding, München und Ebersberg. In Ebersberg lag der Durchschnittspreis pro Hektar 2014 noch bei 80 662 Euro, 2015 bei satten 150 485 Euro. Zuwachs: rund 87 Prozent.

Gerhard Stock, Geschäftsführer des Bayerischen Bauernverbandes (BBV) in Erding-Freising , sieht den Grund für die Preisexplosion in der erhöhten Nachfrage. Inzwischen würden nämlich keineswegs nur Landwirte Interesse für Ackerflächen zeigen, sondern verschiedene Seiten, unter anderem Privatpersonen: wegen der Zinslage. „Die Leute suchen eine sichere Geldanlage. Das ist vergleichbar mit Immobilien“, sagt Stock.

So will der BBV LandSiedlung Privatankäufe verhindern

Gegen solche Käufe hat sich der BBV gewappnet. Mehr oder weniger. Ab einer Fläche von zwei Hektar ist bei Grundstückskäufen eine Genehmigung nach dem Grundstücksverkehrsgesetz erforderlich. Um hier die Hand drauf zu haben, hat der Verband eine Tochtergesellschaft, die BBV LandSiedlung, ins Leben gerufen. Tritt ein Interessent auf, der weder Ackerbau noch Viehzucht betreiben will, so kauft die Gesellschaft die Fläche auf. So hat der Landwirt die Möglichkeit, die Fläche zu erwerben. Theoretisch.

Laut Peter Rosipal, Geschäftsführer des BBV in München-Ebersberg, nämlich nur dann, wenn der Landwirt bereit ist, den gleichen Preis zu zahlen, den der ursprüngliche Käufer geboten hat. Zumeist handelt es sich dabei aber um Kaufinteressenten, die viel Geld zur Verfügung haben. Diese sind bereit, sehr hohe Preise zu zahlen. „Für aktive Landwirte sind diese Grundstücke dann nicht zu erwerben.“ So ist das Problem eher aufgeschoben statt aufgehoben.

Straßenbau statt Weidefläche

Und damit nicht genug. Auch die öffentliche Hand, so Stock, tritt als Käufer auf. „Dort werden Flächen für Infrastrukturmaßnahmen wie die Flughafentangente und die Freisinger Ortsumfahrung benötigt“, erklärt er. Zudem unterliegen die Kommunen dem Siedlungsdruck. „Es ist vom Gesetzgeber so vorgesehen, dass für Bauprojekte Ausgleichsflächen ausgewiesen werden müssen.“ Besteht – wie im Fall der Ausgleichsflächen oder von Straßenbau-Maßnahmen – ein öffentliches Interesse, so hat dies Vorrang.

Ein Ende dieser Preisspirale sieht Stock nicht. „In unserer Boom-Region ist eher das Gegenteil der Fall. Die Flächenknappheit hält an, damit steigen die Preise weiter.“ Zum Leidwesen der Landwirte, denen die Flächen ausgehen. „Expandieren ist sowieso nur noch über Pachtflächen rentabel“, erklärt Stock. Diese sind aber knapp, dementsprechend hoch sind die Pachtpreise. „Damit sind die Landwirte in ihren Möglichkeiten sehr eingeschränkt“, weiß Stock. Eine Entwicklung wird zunehmend schwieriger.

Bastian Huber

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