Gegen Bau von Pumpspeicherkraftwerk

64 Km langer Protestmarsch am Jochberg

Jochberg - Am Jochberg bei Kochel soll ein riesiges Pumpspeicherkraftwerk gebaut werden. Die Anwohner protestieren. Mit einem 64 km langer Marsch nach München.

Am Morgen waren sie noch gut 30 Mann, Stunden später –als es weiter Richtung Norden ging – lichteten sich aber die Reihen. Mit einem zweitägigen Marsch, der sich gestern am Bahnhof in Kochel am See formierte, wollen Bürgerinitiativen ihren Widerstand gegen das umstrittene Pumpspeicherwerk am Jochberg verstärken.

Das geplante Pumpspeicherkraftwerk auf dem Jochberg soll einen 20 Hektar großen Speichersee erhalten (vergrößern)

An die 30 Teilnehmer zogen bei neblig-trübem Wetter in Richtung Wolfratshausen los. Von dort starten sie heute ihre zweite Etappe des rund 65 Kilometer langen Marsches nach München – immer an der Isar entlang bis zum Tierpark, der gegen 15.30 Uhr erreicht werden sollte. Einige Demonstranten des Aktionsbündnisses nochBERG hatten sogar Mistgabeln und Sensen dabei. Damit wollen sie an den 1705 in München blutig niedergeschlagenen Bauernaufstand gegen die österreichischen Besatzer (siehe Stichwort) erinnern.

Auf ihrer Tour geben sie in mehreren Rathäusern Protestnoten ab. Darin fordern sie die Bürgermeister auf, den Widerstand gegen das geplante Wasserkraftwerk zu unterstützen. Auf dem Weg werden sie immer wieder von Politikern begleitet, so marschierte gestern auch der SPD-Bundestagsabgeordnete Klaus Barthel mit. Stefan König (54) vom Aktionsbündnis sagte am Nachmittag. „Wir erhalten von den Leuten auf unserem Weg viel Zuspruch. Sie freuen sich über uns und ermutigen uns mit Sätzen wie ,Super, dass ihr das macht‘.“

Für den Bau des 600 Millionen Euro teuren Pumpspeicherwerkes über dem Walchensee müsste eine Alm weichen. Auf dem Jochberg entstünde ein über 20 Hektar großer künstlicher See mit einem Fassungsvermögen von drei Millionen Kubikmetern. Initiator ist die Energieallianz Bayern, ein Bündnis von derzeit 33 kommunalen Energieversorgern. Vor zwei Wochen noch hatten Gegner des Projektes bereits bei einem Besuch von Bayerns Energieministerin Ilse Aigner (CSU) in Jachenau demonstriert. Die Leute fürchten, dass das Gesamtbild des Panoramas Jochberg mit Walchensee, Kochelsee, Jachenau und den umliegenden Gipfeln und Tälern unwiederbringlich zerstört würde. Zudem halten sie die Technologie bereits für veraltet. Die Kraftwerkspläne liegen eh auf Eis. Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) hatte angeordnet, dass über die Köpfe der Bürger hinweg nichts beschlossen werden solle. mc

MC

Rubriklistenbild: © dpa

Auch interessant

Meistgesehene Videos

Video
Niederbayerische Gemeinde trauert um Kult-Mutter aus dem Bayerwald
Schock für alle Fans von Schwiegertochter gesucht: Irene Fischer, die liebevolle Mutter von RTL-Kandidatin Beate, ist tot.
Niederbayerische Gemeinde trauert um Kult-Mutter aus dem Bayerwald
Video
Wegen Überholmanöver: 67-jährige Fußgängerin stirbt
Maxhütte-Haidhof - Nach einem Überholmanöver hat ein 21-Jähriger die Kontrolle über sein Auto verloren. Er erfasste eine 67-jährige Fußgängerin. Sie starb wenig später.
Wegen Überholmanöver: 67-jährige Fußgängerin stirbt
Video
Dramatischer Schlittenunfall: 32-Jähriger schwer verletzt
Bamberg - Ein Rodelausflug endete am Sonntagnachmittag dramatisch. Ein 32-Jähriger wollte das Winterwetter nutzen und einen Hang mit einem Schlitten hinab rutschen. …
Dramatischer Schlittenunfall: 32-Jähriger schwer verletzt
Video
Video: Fünf Audi ziehen Truck den Berg hoch
Deggendorf - Fünf Audi-Fahrer haben einem belgischen Trucker-Fahrer den Tag gerettet. Sie brachten den Sattelzug den Berg hoch. Das Video ist im Internet ein Hit.
Video: Fünf Audi ziehen Truck den Berg hoch

Kommentare