Laubblas-Geräte: Laut, unnötig, dennoch erlaubt

München - Sie sind laut und nach Meinung der Naturschützer überflüssig: Laubblas-Geräte und Laubsammler. Doch viele Gartenbesitzer und fast jeder kommunale Bauhof setzen sie ein. Ein Verbot ist aussichtlos.

Herbstzeit – Laubbläserzeit: Die Gemeinde Maisach (Landkreis Fürstenfeldbruck) hat als eine der ersten Kommunen in Bayern überhaupt den Einsatz der lärmenden Geräte reglementiert, die das Laub mit einer tornadoartigen Geschwindigkeit von bis zu 220 km/h wegwirbeln. Die Männer vom gemeindlichen Bauhof dürfen sie nur auf Flächen von über 300 Quadratmetern einsetzen. Der Beschluss gilt seit vergangenem Jahr – und die Erfahrungen sind offenbar gut.

Bürgermeister Hans Seidl pries die Beschränkung jetzt sogar in der BR-Sendung „quer“. Das Laubblas-Verbot schütze nicht nur die Umwelt, sondern auch die Nachbarschaft. Nachahmer hat die Gemeinde aber bislang nicht gefunden. In München etwa hat die rot-grüne Stadtregierung für ihre kommunales Personal und Subunternehmer kein Verbot der bis zu 115 Dezibel lauten Geräte (entspricht einem Presslufthammer) verfügt.

Im Gegenteil: In der jüngsten Rathausumschau wird explizit darauf hingewiesen, dass auf die Geräte, obwohl sie Kleinlebewesen wie Insekten töten und Abgase produzieren, ,„nicht verzichtet werden“ könne. So ein Laubbläser ersetze immerhin eine Arbeitsleistung von fünf bis zehn Personen. Außerdem führe die Arbeit mit Rechen und Besen „zu einer einseitigen körperlichen Belastung“. Fast jeder kommunale Bauhof hat Laubbläser – drei Stück zum Beispiel auch der in Bad Tölz. „Früher hat’s das nicht gegeben“, sagt der Mitarbeiter am Telefon, aber die Geräte seien für große Flächen einfach wirtschaftlicher.

Privatleute haben erst recht keine Restriktionen zu befürchten. In München etwa gilt lediglich eine „Hausarbeits- und Musiklärmverordnung“, die eine laubsauger- und laubblasgeräte-freie Mittagszeit vorschreibt. Ein totales Verbot, das zum Beispiel der Naturschutzbund Deutschland fordert, ist offenbar nicht machbar. „Das verstößt gegen die Gewerbefreiheit“, sagt der Sprecher des Bayerischen Gemeindetags, Winfried Schober. Nach seiner Einschätzung würde ein vom Landtag erlassenes Verbot sofort vom Bundesverfassungsgericht gekippt. „Laubblasgeräte sind überflüssig“, sagt Schober. „Aber es ist halt so bequem.“

Dirk Walter

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