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Bild aus der Vergangenheit: Die Freiwillige Feuerwehr Lauingen macht keine Absperrdienste mehr.

Kommandant erklärt den ungewöhnlichen Schritt

Diese Feuerwehr ist in den Streik getreten

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Lauingen an der Donau - Die Freiwillige Feuerwehr in Lauingen im nördlichen Schwaben ist in den Streik getreten! Sie will damit auf ihre dringendsten Probleme aufmerksam machen.

Am kommenden Donnerstag wird in Lauingen der Maibaum aufgestellt – wie vielerorts. In der Stadt an der Donau im nördlichen Schwaben wird Tradition gepflegt. Doch heuer müssen Mitarbeiter des städtischen Bauhofes für die notwendigen Absperrungen und Verkehrsregelungen sorgen – die Freiwillige Feuerwehr streikt!

Kommandant Stephan Böhm will auf notwendige Neuanschaffungen hinweisen.

Kommandant Stephan Böhm sieht keine andere Möglichkeit, auf die dringendsten Probleme der Floriansjünger aufmerksam zu machen. Im Notfall stehen der 46-Jährige und seine 58 Feuerwehrler natürlich zum Dienst bereit. Aber weil beispielsweise in Sachen Neuanschaffung, Planung und Kommunikation mit der Stadtverwaltung Einiges im Argen liege, bleibe nur dieser Weg. Zwei der sechs Einsatzfahrzeuge seien Baujahr 1983, die Drehleiter und ein Tanklöschfahrzeug. „Es kann jeden Tag so weit sein, dass ein Teil kaputt geht“, sagt Stephan Böhm im Gespräch mit der tz. Ersatzteile seien kaum mehr zu beschaffen, Reparaturen umständlich und teuer. Verzichten könne man nicht auf die Fahrzeuge, „die Drehleiter ist bei jedem Einsatz dabei“.

Tanklöschfahrzeug und Drehleiter sind je 32 Jahre alt.

Die Stadt jedoch hat kein Geld. Auf rund 400 000 Euro beziffert Bürgermeister Wolfgang Schenk (SPD) den Preis für ein neues Tanklöschfahrzeug, eine neue Drehleiter kostet sogar etwa 750 000 Euro. Staatliche Zuschüsse gebe es nur in Höhe von etwa 100 000 bzw. 225 000 Euro. Die Haushaltslage von Lauingen sei heuer „besonders prekär“, sagt er der tz. Die Kreisumlage sei stark gestiegen, die Gewerbesteuereinnahmen seien dagegen drastisch zurückgegangen.

Erst nach dem Haushaltsjahr 2016 „erhoffen wir uns, die momentane Talsohle weitgehend durchschritten zu haben“. Ob die Feuerwehrfahrzeuge so lange durchhalten, bezweifelt Stephan Böhm, der seit 30 Jahren bei der Feuerwehr ist und seit 16 Jahren deren Kommandant. Bis eine neue Drehleiter vor dem Gerätehaus steht, vergehen etwa zwei Jahre. Müsste man so lange ein Ersatzfahrzeug leihen, koste das rund 70 000 Euro.

Bürgermeister Schenk hat Gesprächsbereitschaft signalisiert, derzeit suche man noch einen passenden Termin. Das hatte sich der Feuerwehrkommandant mit seiner spektakulären Aktion auch erhofft. Er beklagt auch ungenügende Zusammenarbeit mit der Stadt, beispielsweise bei einem geplanten Anbau ans Gerätehaus, der nicht wie abgesprochen durchgeführt worden sei. Zudem wünscht sich Böhm mehr Unterstützung der Stadt in punkto Mitgliederwerbung.

Zum Maibaumaufstellen am 30. April wird Stephan Böhm vermutlich trotzdem gehen. Tradition ist Tradition. Nur ist er dieses Mal Zuschauer und nicht Aktiver. Ein Streik kann auch mal angenehme Seiten haben …

Volker Pfau

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