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Der Weg der Lawine am Laber bei Oberammergau ist rot gekennzeichnet. Den Toten fand man dort, wo das rote Kreuz eingezeichnet ist. Links oben ist die Bergstation zu sehen.

Lawinenopfer stirbt vor den Augen seiner Frau

Oberammergau - Eine Lawine am Laber bei Oberammergau (Kreis Garmisch-Partenkirchen) hat einen 47-jährigen Skifahrer aus Grainau getötet. Der Mann starb vor den Augen seiner Frau. Auch im Allgäu hat eine Lawine am Nachmittag zwei Personen verschüttet.

"Der König war auch schon da." Mit diesem Spruch wirbt das Ammertal um Wintersportler – und tatsächlich: Am Mittwoch fanden die Skifahrer am Laberberg märchenhafte Verhältnisse vor. Der Panoramagipfel über den Dächern des weltberühmten Passionsdorfes Oberammergau eröffnete Traumblicke aufs Alpenvorland, an seinen Hängen funkelte der Pulverschnee in der Wintersonne. Bis um 12.30 Uhr ein Knall die Idylle zerriss: Eine Lawine donnerte zu Tal, begrub einen 47-jährigen Mann aus Grainau und riss ihn 200 Meter weit mit.

Für ihn kam jede Hilfe zu spät. Er starb vor den Augen seiner 42-jährigen Ehefrau – auch ein 43-jähriger Freund aus München musste das Drama machtlos mitansehen. Die beiden hatten Glück, weil sie in etwa 1400 Metern Höhe oberhalb der Schnee-Abrisskante standen und so vom weißen Tod verschont blieben.

Einmal mehr brachten sich die drei Wintersportler selbst in Gefahr. Sie fuhren am steilen Nordhang des Labers aus dem gesicherten Gelände heraus in den so genannten freien Skiraum. „Diese Rinne war mit Absperrbändern und Warnschildern versehen“, berichtet der Chef der Laberbergbahn, Andreas Weber. Auch für ihn war es ein bitterer Tag. Denn das Opfer war der erste Lawinentote in der mehr als 50-jährigen Geschichte der Bergbahn.

Das Unheil hatte gegen 12.30 Uhr seinen Lauf genommen. Als sich der Grainauer in die Rinne hinein wagte, galt Lawinenwarnstufe 4. Seine beiden Begleiter folgten mit etwas Abstand. Plötzlich lösten sich über dem Skifahrer zwei Schneebretter. Sie vereinigten sich schnell zu einer großen Lawine. Diese riss den Grainauer 200 Meter weit mit – bis er gegen einen Baum schleuderte. Er war auf der Stelle tot; der Notarzt des ADAC-Rettungshubschraubers „Christoph Murnau“ konnte nichts mehr für ihn tun. Seine Ehefrau und der Freund aus München erlitten einen schweren Schock.

Skifahren abseits gesicherter Pisten – neben der Tragödie am Laber ereignete sich ein weiteres Lawinendrama.

Dramatische Rettungsaktion im Allgäu

Noch bevor der Leichnam des 47-Jährigen am Laber geborgen werden konnte, wurden die Rettungshubschrauber ins Allgäu gerufen: Dort ging am Nachmittag eine Lawine ab. Gegen 13.30 wurde sie beim Polizeipräsidium Süd/West gemeldet. Nach einer dreiviertel Stunde wurde eine Person aus den Schneemassen am 1832 Meter hohen Hochgrat nördlich der Fahnen-Alpe (bei Oberstaufen) geborgen. Obwohl der Wintersportler verschüttet worden war, war er nur verletzt. Möglicherweise handelt es sich bei ihm um den Skifahrer, der kurz vor dem Unglück im Gefahrenbereich gesehen wurde. Auch Hilferufe sollen gehört worden sein. 

Die Retter suchen im Moment nach einem weiteren Verschütteten, zu den Identitäten der Opfer gibt es noch keine Erkenntnisse. Drei Stunden nach dem Abgang fanden die Retter den Rucksack des zweiten Wintersportlers. Darin lag ein Lawinenwarner. Die Chance, dass der Verschüttete noch am Leben ist, wird von Minute zu Minute geringer. Die Hubschrauber, die zunächst bei Oberammergau im Einsatz gewesen waren, unterstützten die Rettungskräfte. Die Lawine war 150 Meter breit und mehrere hundert Meter breit.

Nach starken Schneefällen mit bis zu 60 Zentimeter Neuschnee herrschte in den bayerischen Alpen große Lawinengefahr. Bei Stufe vier auf der fünfstufigen Warnskala können Lawinen bereits ohne Zusatzbelastung durch einen Skifahrer abgehen.

cal/L. Hutter/A. Beez/lby

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