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Hoffnung für Verschüttete: Wer in eine Lawine gerät, muss sich oft auf die Bergrettung verlassen.

Warndienst erhöht Lawinengefahr: Sind die Alpen noch sicher?

München - Fünf Menschen sind in diesem Winter bayernweit schon in Lawinen gestorben. Nach neuen Schneefällen besteht im Freistaat "große Lawinengefahr", Österreich hat gar die höchste Alarmstufe ausgesprochen. Sind die Alpen noch sicher?

Die sechs Tourengeher am Spitzingsee hatten Glück: Sie haben sich selbst aus der Lawine befreit, die sie begraben hatte. Für fünf andere Skifahrer kam in diesem Winter alleine in Bayern jede Hilfe zu spät. "Das sind überdurchschnittlich viele Todesopfer", sagt ein Sprecher des Lawinenwarndienstes. Pro Winter sterben sonst drei bis vier Menschen unter den Scheemassen.

Mit dem neuerlichen Schneefall am Montag und Dienstag steigt die Lawinengefahr weiter an. Die Massen aus den vergangenen Wochen lasten schwer auf den Schultern der Berge. Am Montag kamen 20 bis 30, örtlich sogar 40 Zentimeter Neuschnee hinzu, am Dienstag schneit es vor allem im Alpenraum - in den Landkreisen Oberallgäu, Garmisch-Partenkirchen, Bad Tölz-Wolfratshausen, Miesbach, Rosenheim und Berchtesgadener Land wurden wegen Lawinengefahr zahlreiche Straßen gesperrt. Und noch ist kein Ende in Sicht: Gegen Wochenende soll es nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes bis zu einen halben Meter schneien.

In den bayerischen Alpen besteht nun oberhalb von 1400 Metern eine "große Lawinengefahr" (Stufe vier von fünf), darunter immer noch eine "erhebliche Lawinengefahr". Gefährlich ist es laut Lawinenwarndienst vor allem "in frisch eingewehten Hangzonen und kammnahen Steilhängen aller Hangrichtungen sowie in triebschneeverfüllten Rinnen und Mulden".

DAV warnt vor Ausflügen abseits der Pisten

Der Deutsche Alpenverein (DAV) warnt daher eindringlich vor der Lawinen-Gefahr. Wer in die Berge fährt, um die Bretter anzuschnallen, sollte in den präparierten Pistenbereichen bleiben - "und die Warnschilder beachten", sagt Wolfgang Wagner vom DAV. "Viele Lawinen wurden von Skifahrern ausgelöst, die abseits der Pisten zum Teil im Wald unterwegs waren." Skitouren oder Wanderungen mit Schneeschuhen außerhalb gesicherter Bereiche sollten Unerfahrene nur in kundiger Begleitung machen. Denn welche Stellen gefährlich sein können, ist für den Laien schwer zu beurteilen, erklärt Wagner.

Dabei ist Bayern mit dem Schnee der letzten Tage und Wochen noch gut bedient: In Teilen Österreichs ist die Lawinenwarnung mittlerweile auf die höchste Alarmstufe angehoben worden. In Nordtirol herrscht immerhin eine "erhebliche Lawinengefahr". Im Land Salzburg steht der Gefahrenanzeiger auf Stufe vier.

Wer von der Lawine verschluckt wird, kann nicht viel tun

Fazit: Nur, wer auf den Ski-Pisten bleibt, ist (im Regelfall) sicher. Und wer unvorsichtig wird und in eine Lawine gerät, kann "nicht mehr viel tun", sagt Luggi Lacher von der Bergwacht Oberstdorf. "Alle, die wir retten konnten, haben einstimmig davon berichtet, dass keine bewussten Maßnahmen möglich waren." Letzte Chance also: eine Schussfahrt seitlich aus dem Lawinengebiet raus. Erst einmal von der Lawine verschluckt, ist es für eine Selbsthilfe meist zu spät.

tba/lit

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