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Nur der Kamin (rot eingekreist) lugt noch aus dem Schnee: Weil die 84-jährige Sennerin in ihrer Hütte kräftig heizte, schmolz der Schnee rund um den Schornstein. So konnten sie die Retter der Bergwacht finden.

Lawine begräbt Almhütte

Verschüttet: Der Kamin rettet Oma Mare

Geigelstein - Eine Almhütte auf dem Geigelstein im Chiemgau wurde von einer Lawine förmlich verschlungen. Lediglich der beheizte Kamin verriet den Standort. Mit Schaufeln grub die Bergwacht einen Zugang und befreite eine 84-Jährige aus ihrem eisigen Gefängnis.

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Wahrscheinlich war es ihre Rettung, dass die rüstige Sennerin in der verschütteten Hütte kräftig einheizte. Denn so schmolz der Kamin ein Loch in die Schneedecke und verriet den Rettern, wo sie zu graben hatten. Per Polizeihubschrauber waren sechs Männer der Bergwacht zur Hilfe geeilt. Zum Glück kennen sich die Männer hervorragend in dem Gelände aus, denn aus der Luft war nichts zu sehen, bis auf eine weiße Wand. Verschüttet wurde auch die leere Nachbarhütte im Besitz der Familie Claus Hipp.

Bilder von der Rettung

Bayern im Winter-Wahnsinn

Seit fast 70 Jahren lebt die 84-jährige Sennerin nun schon auf der Oberkaseralm - im Sommer wie im Winter. "Oberkaser-Mare" wird sie unten in Sachrang genannt.

Die Bergwacht bei der Suche nach der "Oberkaser-Mare".

Bereits vor einigen Tagen ging ein Schneebrett auf das Gebäude nieder, Hilfe suchte sie keine. Als die Schneemassen gestern das ganze Haus begruben, verständigte ein guter Bekannter, der "Arri"-Hauptaktionär Bob Arnold, schließlich die Bergwacht: "Holt’s es raus, ich bezahl’s auch." Vor 20 Jahren war sie dessen Haushälterin gewesen.

Nachdem sie das Kamin-Loch gefunden hatten, benötigten die Männer von der Bergwacht 45 Minuten, bis sie mit Schaufeln einen vier Meter tiefen Zugang gegraben hatten. Über ein Giebelfenster an der Vorderseite der Hütte gelangten sie schließlich ins Innere.

Die 84-jährige "Oberkaser-Mare" überlebte die Lawine in ihrer Hütte.

Doch das vermeintliche Opfer wollte zunächst gar nicht gerettet werden. Proviant habe sie noch reichlich, warm sei es auch. Und sie müsse ihre Katzen versorgen. Doch die Retter hatten keine Wahl, wie Thomas Griesbeck, Sprecher der Bayerischen Bergwacht, berichtet.

Weitere Lawinenabgänge waren zu befürchten und die Sennerin konnte ihr Heim nicht allein verlassen. "Niemand konnte abschätzen, wie lange die 84-Jährige noch allein in ihrer Hütte hätte bleiben müssen." Würde eine weitere Lawine auch noch den Kamin mit Schnee verstopfen, hätte die Frau nicht einmal mehr heizen können.

Tunnel zur Freiheit: Durch ein Giebelfenster und ein vier Meter tiefes Loch im Schnee kletterte die rüstige 84-Jährige ans Tageslicht.

Durch das kleine Giebelfenster holten sie die Retter schließlich wieder an die Sonne. Weil an eine Landung auf all den Schneemassen nicht zu denken war, musste die 84-Jährige über einen "Luftrettungssack" in den Polizeihubschrauber gehievt werden. Sicher kein Vergnügen für die "Oberkaser-Mare", "aber jetzt sitzt sie sicher 200 Meter darunter in der Priener Hütte und speist gemütlich zu Abend", sagt Griesbeck.

Der traumhafte Sonnenschein gestern auf der Oberkaseralm habe die Lawinengefahr zusätzlich erhöht, teilte der Lawinenwarndienst mit. Andernorts ist es wegen der riesigen Mengen Neuschnees kaum sicherer. "Die massive Schneemenge ist extrem störanfällig. Die Gefahrenstellen liegen derzeit in allen Himmelsrichtungen - das ist enorm selten", sagte Andrea Händel vom Deutschen Alpenverein in München. Ihren Angaben zufolge wird sich die Lawinensituation bis zum Wochenende kaum entspannen.

Nach der Vorhersage des Wetterdienstes Meteomedia gibt es in den kommenden Tagen neue Niederschläge. Zum Wochenende hin erwarten die Meteorologen dann aber freundliches und deutlich milderes Wetter.

Thomas Schmidt/Wolfgang De Ponte


Weitere Lawine gesichtet

Beim Anflug zu diesem Lawinenunglück wurde eine weitere Lawine festgestellt. Vom Gipfel der Hochplatte (1586 m) lösten sich die Schneemassen und stürzten auf einer Länge von ca. 400 Metern in Richtung Unterwössen. 

40 bis 50 Zentimeter Neuschnee sind seit Dienstag gefallen. Was viele Wintersportler freut, birgt jedoch große Gefahr. Steigen die Temperaturen und scheint die Sonne auf den lockeren Schnee, kommt es schnell zu Lawinenabgängen. Noch am Morgen hatte der bayerische Lawinenwarndienst angekündigt, dass im Lauf des Mittwochs die höchste Gefahrenstufe 5 auf die höchste Stufe 5 hochgesetzt wird.

Laut Lawinenwarndienst drohen sogar Selbstauslösungen großer Lawinen, die auch in flaches Gelände vordringen können. Im freien Skiraum sei in allen Hanglagen bereits bei geringer Belastung - etwa durch Skifahrer - mit Lawinen zu rechnen. Am Nachmittag aber gab der Lawinenwarndienst bekannt, dass es bei der Warnstufe 4 bleibt.

Der Bericht des bayerischen Lawinenwarndienstes

Auch in Österreich herrscht weiterhin hohe Lawinengefahr: Zwei seit Dienstag bei Wattens in Tirol vermisste Tourengeher sind am Mittwoch in den meterhohen Schneemassen einer Lawine tot entdeckt worden. Die beiden Tiroler waren trotz Lawinenwarnungen im Gebiet um den Kolsassberg unterwegs. 

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