Fernbus nach Berlin auf Autobahn verunglückt - viele Verletzte

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Das Dorfleben ist universell

Momente, die alle Landmenschen kennen: „Urlaub? Da kann ich nicht, da ist Volksfest!“

Wir Dorfmenschen sind eine ganz eigene Spezies. Wir feiern die besten Partys in Stadeln, kennen tausende Schleichwege, grüßen alles und jeden, sind neugierig und robust. Wir haben Momente und Situationen gesammelt, die jeder wahre Dorfmensch kennt.

Das kennt jeder, der am Land lebt, und vor allem die, die da auch aufgewachsen sind - wir haben die besten und witzigsten Eigenschaften aus der tiefen Wildnis, die direkt nach der Stadtgrenze beginnt, zusammengefasst*:

Party

Wir Dorfleute haben ein paar feste Event-Meilensteine, um die herum das restliche Jahr geplant wird: Osterfeuer, Schützenfest, Kirta, Burschenfeste und diverse Feuerwehrfeste - am Tegernsee natürlich die Waldfeste und und und. Dort herrscht Anwesenheitspflicht bis mindestens 7 Uhr morgens! „Bist du irre? Da kann ich nicht in den Urlaub fahren, da ist Schützenfest!“ Ein Dorfmensch kann es sowieso emotional nicht ertragen, ein Fest zu verpassen. Die ganzen Dramen und Katastrophen, die man dort dann nicht mitbekommt. Unvorstellbar! 

Mit Glück gibt es auch eine halb-legale Großraumdisco im Ort, die aber ständig pleite ist und dann unter neuem Namen immer mal wieder eine dubiose „Re-Opening“-Party mit Rum-Cola für 2 Euro startet.

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Auf Partys tragen wir keine High-Heels oder trinken teuren Wodka. Wir ziehen unsere durchgelatschten Sneaker an, schwingen uns aufs Fahrrad (total egal, wie heiß, kalt oder windig es ist), schnallen noch eine Bierflasche auf den Gepäckträger und ab geht’s. Bier ist auf dem Dorf eigentlich wie Limo. Geht nicht so wirklich als Alkohol durch. „Schmarrn, ich war gar nicht betrunken, hatte nur zwölf Bier.“ 

Dorfmenschen fahren nicht sonderlich arg auf coole Electro-Mucke von coolen DJs ab, sondern mehr so auf „Hallo Klaus!“ und „Weilst a Herz hast wia a Bergwerk“ - und, ja, auch "Atemlos durch die Nacht". Muttizettel oder Personalausweise braucht man beim Feiern auf dem Dorf auch nirgendwo. Der Türsteher hat schließlich früher mit unserem Papa in der Kreisklasse Fußball gespielt und die beiden sind immer noch Kumpels. 

Wir brauchen auch kein überteuertes Taxi für den Nachhause-Weg (davon gibt’s eh nur zwei Stück in der Nähe). Komme, was wolle, wir gehen heim oder fahren mit dem Radl. „Ach, die zehn Kilometer können wir auch eben zu Fuß gehen.“ Natürlich kennen wir Abkürzungen ohne Ende, einige führen zwar durch Mordor, über Gülleacker oder durch Kanalisationen, aber das ist egal. Fakt ist: Jeder Abend endet gleich – mit geklauten Baustellenschildern und Wurschtsemmeln bei irgendeinem Bekannten.

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Verkehr 

Jeder, wirklich jeder hat sich zum 18. Geburtstag ein Auto gewünscht. Völlig egal, ob das realistisch war oder nicht. Ohne eigene Karre sah man sich verloren, elendig im Bus verrecken. Das Auto ist auf dem Dorf wie ein überlebenswichtiges Organ. Denn Busse fahren nur jede Stunde, am Wochenende gar nicht und im Winter nur, wenn der Busfahrer Bock hat. 

Doch Dorf-Busfahrer sind der Teufel hinter dem Lenkrad. Sie kennen auf jeder Landstraße nur eine Geschwindigkeit: Formel 1. Motto: Ride or die. Wie oft hat man schon förmlich an der Fensterscheibe geklebt und gebetet, dass man den Höllenritt lebend wieder verlassen kann. 

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Parkverbote für Autos gibt es auf dem Dorf so gut wie gar nicht. Vielleicht sind sie sogar illegal. Geparkt wird, wo Platz ist. Völlig egal, wo. Auf dem hauseigenen Hof, beim Nachbarn auf dem Hof, kreuz und quer an der Straße, auf'm Acker, im Graben. Der einzig legale Abschleppdienst ist der Traktor, der zum Einsatz kommt, wenn die Dorfjugend mit ihrem Polo am Feld „driften“ war und die Karre leider im Graben landete.

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Polizei 

Die Polizei setzt sich auf dem Dorf aus zwei verschlafenen Beamten zusammen, denen die Leberkässemmel aus der Mittagspause noch schwer im Magen liegt. Ihre Dienstzeiten: 9 bis 17 Uhr, freitags bis 14 Uhr. Ihr Dienstwagen: Audi Avant mit gerostetem Auspuff. Hubert und Staller sind halt auch nicht nur Persiflage, gell? Ihre Einsätze: Geklaute Fahrräder vom Schützenfest. Aufklärungsquote: 1 Prozent (das Fahrrad, das gar nicht geklaut wurde, sondern im Suff versehentlich falsch abgestellt wurde). Ihr Lieblingsspruch: „Dafür sind wir hier nicht zuständig.“

Menschen 

Dorfmenschen sind neugierig und wissen alles. Sie haben Spionage-Fachwissen, über das sogar der Bundesnachrichtendienst staunen würde. Es ist allerdings manchmal sehr anstrengend, dass jeder jeden kennt und jeder alles über jeden weiß, was man selbst noch gar nicht wusste. Aber: Dorfmenschen pöbeln nicht. Und wenn doch mal jemand schreit: "Schleich di von meim Grund, du Grattler", dann grüßt man sich morgens beim Bäcker ja doch wieder.

Dorfmenschen grüßen jeden, auch alle Autofahrer! Wer nicht „Servus“ sagt, ist ein unhöfliches Arschloch. Landleute sind hilfsbereit, geerdet und rasten nicht bei jeder Kleinigkeit aus. Außer ein Zugereister meint, er muss sich über irgendwas beschweren, was schon immer so war. Dann hört die Ruhe auf.

Und: Sie wissen sich immer zu helfen und sind in vielen Hinsichten richtig kreativ. Es gibt allerdings mindestens einen Menschen mit komischem Spitznamen im Dorf, den alle seltsam finden und von dem niemand so genau weiß, wo er überhaupt herkommt und was er so macht. Um den mysteriösen Eigenbrödler ranken sich meistens auch seltsame Legenden: „Der soll ja vor 40 Jahren einen Auftragskiller auf seine Frau angesetzt haben. Die Leiche wurde nie gefunden! Glaubst des?“

Einkaufen 

Großer Nachteil beim Dorf-Einkauf: Im Supermarkt trifft man jemanden, den man kennt. Immer! Das ist ein ungeschriebenes Gesetz. Irgendwo zwischen den Regalen lauert ein Bekannter, der voll auf Smalltalk steht. Du willst aber nur deine Brezen bezahlen und nach Hause. Verstecken zwecklos. „Ach na, hallo, wie geht’s? Grüß mal deine Oma ganz lieb.“ Jaja, ist recht, servus. Falls es überhaupt einen Supermarkt im Dorf gibt! 

Es kursieren auch tragische Geschichten von Menschen, die wegen 200 Gramm Mehl zehn Kilometer in den nächsten Ort fahren mussten. Und dort dann auch Bekannte getroffen haben! Einfach nur purer Horror. Auch wenn man mal Bock auf eine richtig gute Pizza hat, ist das eher problematisch: Lieferdienste sind rar. Es gibt vielleicht einen, der kommt, aber erst ab circa 1.000 Euro Bestellwert  - und dann nach drei Stunden mit einer kalten, labbrigen Pizza.

Dating

Dating-Apps braucht man sich auf dem Dorf gar nicht erst runterzuladen. Maximal drei Leute in der Umgebung sind auch angemeldet: Der eine ist dein Nachbar, mit dem anderen hast du mal hinter'm Bierzelt geknutscht und der nächste ist ein Super-Trottel. Auch ansonsten ist Dating irgendwie schwierig. Du kennst alle Leute in deinem Alter noch aus dem Kindergarten. Und wenn dann mal mit irgendwem was läuft, wissen es direkt wieder alle, weil dein Auserwählter oder deine Auserwählte mit deinem Bruder in der Feuerwehr ist oder dein Kumpel mal mit dem Kollegen deines Lovers in der Bezirksliga gespielt hat und so weiter. Ihr kennt das. 

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Generell muss man immer sehr vorsichtig sein, denn irgendwie sind immer alle miteinander über 5.000 Ecken verwandt oder befreundet. Kann also passieren, dass du einen entfernten Cousin deiner Mutter datest oder so ähnlich. Das will ja keiner. Wenn ihr auf der sicheren Seite sein wollt, dann führt am besten eine Fernbeziehung mit irgendwem aus einem weit entfernten Paralleluniversum. Das erspart euch auch peinliche Outing-Runden auf Dorffesten: „Ja, ääh, also wir sind jetzt zusammen.“ „Wiiiie, ich dachte ihr seid verwandt?!“

Kindheit und Jugend 

Spielen bedeutet auf dem Dorf so viel mehr als nur spielen: Das ist im Dreck und Gras rumrobben, bis die Hose durchgescheuert ist, für 2 DM von Oma im Dorfladen Süßigkeiten kaufen, Detektiv im Maisfeld spielen, mit dem Fahrrad durch die Prärie fahren und Rehe beobachten, Lagerfeuer im Garten machen, in den Sommerferien abends auf dem Spielplatz der Grundschule toben, mit selbstgebauten „Booten“ im Dorfteich rumschippern, auf Strohballen rumklettern, am Elektro-Kuhzaun einen gewischt bekommen.

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Die Jugend verläuft auf dem Dorf definitiv ein bisschen grober, wir haben schließlich nicht soo viele Möglichkeiten in der Freizeit: Die erste Kippe heimlich in der Bushalte rauchen, mit 14 Jahren in die Dorfdisco schmuggeln, heimlich Bacardi Rigo auf irgendeinem Feldweg trinken oder uralten Schnaps aus dem Keller der Eltern klauen, Schule schwänzen und stattdessen bei Freunden treffen, Mofa-Rennen veranstalten, cool am Autoscooter auf dem Volksfest abhängen.

*Der Artikel ist in etwas anderer Form zum ersten Mal auf kreiszeitung.de erschienen - Teil des Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks - in Syke bei Bremen. Ja, das ist tatsächlich im ganz hohen Norden. Wir haben den Text nur leicht adaptiert und auf die bayerischen Gegebenheiten angepasst. Wir waren selbst überrascht - das Dorfleben scheint deutschlandweit universal zu sein. Auch eine spannende Erkenntnis!

Rubriklistenbild: © Thomas Plettenberg

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