Lebenslänglich wegen Mordes an Ex-Geliebter

Kempten - Im neu aufgerollten Prozess um den gewaltsamen Tod einer zweifachen Mutter ist ein 30 Jahre alter Mann am Mittwoch wegen Mordes erneut zu lebenslanger Haft verurteilt worden.

Das Landgericht Kempten sah es als erwiesen an, dass der Beschuldigte die 39-jährige Dolmetscherin vor mehr als zwei Jahren getötet hat. Er habe die verheiratete Frau, mit der er eine Affäre hatte, für sich alleine besitzen wollen, sagte der Richter. “Als sie sich für ihre Familie entschied, entschloss er sich, sie zu töten.“

Wegen eines Verfahrensfehlers war das erste Urteil vom August 2008 - ebenfalls lebenslänglich - vom Bundesgerichtshof (BGH) aufgehoben und der Prozess neu aufgerollt worden. Mit dem jetzt ergangenen Urteil folgte das Gericht dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Die Verteidigung hatte wie im ersten Verfahren aus Mangel an Beweisen auf Freispruch plädiert.

Die aus Litauen stammende Dolmetscherin war am 17. September 2007 spurlos verschwunden. Fast drei Monate später hatte ein Angler ihre mit Sträuchern bedeckte Leiche an einem Weiher im Oberallgäu gefunden. Dort hatten sich der Täter und sein späteres Opfer nach Überzeugung des Gerichts am Morgen des 17. September getroffen. Als der Angeklagte seine Ex-Geliebte mit einem heimlich gedrehten Sexvideo erpressen wollte, sei die Situation eskaliert. “Dem Angeklagten wurde bewusst, dass sein ursprünglicher Plan, mit dieser Frau in Marokko eine neue Existenz aufzubauen, endgültig gescheitert war.“

Das Urteil im neu aufgerollten Prozess stützt das Landgericht Kempten nach 16 Verhandlungstagen mit umfangreicher Zeugenvernehmung unter anderem auf Telefonverbindungsdaten, Blutspuren der Getöteten an der Kleidung des Angeklagten sowie DNA-Spuren in ihrem Auto. Der Beschuldigte hatte wie im ersten Verfahren zu den Vorwürfen geschwiegen und im Schlusswort seine Unschuld beteuert. Das Urteil nahm er ohne sichtbare Regung entgegen.

Da während der Ermittlungen in Untersuchungshaft ein belastendes Gespräch zwischen dem mutmaßlichen Täter und seiner Ehefrau heimlich abgehört worden war, hatte der BGH das erste Urteil aufgehoben. In dem Gespräch hatte der Beschuldigte seine Frau gebeten, sich nach Italien abzusetzen und die Schuld für die Tat per Videogeständnis auf sich zu nehmen. Sie sollte die Sache als Auftragsmord aus Eifersucht darstellen, für den sie 30 000 Euro an zwei Russen gezahlt habe. Diese Aussagen hätten laut BGH im Prozess nicht als Schuldbeweis verwendet werden dürfen, da heimliche Lauschangriffe gegen Eheleute beim Besuch während der Untersuchungshaft verboten sind.

dpa

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