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Der Angeklagte

Lebenslange Haft für Doppelmord von Volkenschwand

Regensburg - Rund eineinhalb Jahre nach dem Doppelmord von Volkenschwand (Landkreis Kelheim) ist am Freitag ein 37 Jahre alter Mann aus München zu lebenslanger Haft verurteilt worden.

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Lebenslange Haft gefordert

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Bluttat: Zwei Tote und eine Schwerstverletzte

Nach 16 Prozesstagen hatte die Strafkammer des Regensburger Landgerichtes keine Zweifel mehr: Der Angeklagte im Fall des Doppelmordes von Volkenschwand hat zwei Menschen umgebracht und die Haushälterin des Paares ebenfalls niedergeschossen. Die Richter verurteilten den 37-Jährigen am Freitag entsprechend zu einer lebenslangen Strafe. Das Gerichte folgte damit vollständig dem Antrag der Staatsanwaltschaft und stellte auch die besondere Schwere der Schuld fest. Der zuletzt in München lebende Mann werde daher “weit mehr als 15 Jahre“ im Gefängnis sitzen müssen. Nach der üblichen Rechtspraxis wird er erst nach etwa 25 Jahren auf eine Freilassung hoffen können.

Der Angeklagte hatte bis zuletzt beteuert, nichts mit dem blutigen Raubüberfall zu tun zu haben. Sein Verteidiger Andreas Schwarzer kündigte einen Revisionsantrag beim Bundesgerichtshof an. Der dreieinhalb Stunden lange Richterspruch sei ein “schwaches Urteil“, das nur auf Spekulationen aufbaue. “Die haben kein wirkliches Indiz“, meinte der Rechtsanwalt.

Der Vorsitzende Richter Werner Ebner räumte in der Urteilsbegründung ein, dass nicht alle Details der grausigen Tat aufgeklärt seien. Es sei aber dennoch nicht nötig, den Angeklagten freizusprechen, nur weil auch andere Abläufe denkbar seien. “Für die Anwendung des Grundsatzes “In dubio pro reo“ (Im Zweifel für den Angeklagten) ist hier kein Raum“, betonte Ebner.

Nach der von den Ermittlern und nun auch den Richtern angenommenen Tatversion war der 37-Jährige am 18. November 2008 von München ins niederbayerische Volkenschwand (Landkreis Kelheim) gefahren, um den querschnittgelähmten Versicherungs- und Finanzmakler und dessen Frau zu überfallen und umzubringen. Die Tötung des Ehepaares sei von Anfang an geplant gewesen, betonte der Richter. Der Täter hatte eine Pistole und ein Messer mit 14 Zentimeter langer Klinge dabei.

Wie der Mann in das Haus des Paares kam, ist unklar. Vermutlich ist er hingelassen worden. “Jedenfalls ist der Angeklagte nicht eingebrochen“, sagte Ebner. Dann muss der 37-Jährige mit dem 55- jährigen Geschäftsmann in dessen Büro gewesen sein. Schließlich habe der Täter dem Gelähmten die Kehle durchgeschnitten und noch mehrfach auf den verblutenden Mann eingestochen. Zudem habe der Täter das Büro auf der Suche nach Beute durchwühlt.

Als irgendwann die Ehefrau und die Haushaltshilfe in das Zimmer kamen, wurde beiden Frauen von hinten in den Hals beziehungsweise den Kopf geschossen. Die 53 Jahre alte Ehefrau starb sofort. Der Putzfrau wurde noch einmal in die Stirn gefeuert - sie überlebte dennoch. Die Haushaltshilfe wurde aber erst rund sechs Stunden später entdeckt, nachdem sie ihren Buben nicht vom Kindergarten abgeholt hatte. Heute kann sich die 33-Jährige allerdings an den Tag nicht mehr erinnern.

Der Angeklagte hatte bis zur Trennung von seiner Ehefrau selbst in der Nähe der Mordopfer gewohnt, dann zog der Gebäudereiniger nach München. Über die getrennt lebende Frau soll er von dem Vermögen des späteren Opfers gewusst haben. Die Frau hatte einige Monate lang als Fahrerin und Pflegerin für den Finanzmakler gearbeitet.

Bei dem Raubmord wurden Schmuck, Handys, Laptops und Kameras im Wert von mehr als 25 000 Euro gestohlen und eine nicht bekannte Summe Bargeld. Bereits wenige Stunden nach der Tat versetzte der hoch verschuldete 37-Jährige eine Kette aus der Beute in einem Leihhaus in München, zwei Tage später nochmals Ohrringe mit Diamanten. Dadurch kam die Sonderkommission auf die Spur des Mannes. Später wurde in seinem Umfeld auch noch die Tatwaffe gefunden.

Der 37-Jährige hatte den Besitz des kostbaren Schmucks immer damit begründet, dass er diesen nur als Belohnung für einen Hinweis auf einen Einbruch in Volkenschwand bekommen habe. Die Strafkammer schenkte ihm allerdings keinerlei Glauben und wies vielmehr auf seine widersprüchlichen Aussagen bei den Polizeivernehmungen hin. “Das passt hinten und vorne nicht zusammen“, sagte der Kammervorsitzende.

dpa

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