Lebensmittel-Skandale: Politik handelt kopflos

Bayreuth - Nach Lebensmittelskandalen handelt die Politik oft zu rasch und unüberlegt, kritisieren Forscher. Die Folge: Ad-Hoc-Gesetze, aber nicht mehr nötiges Personal.

Nach Lebensmittelskandalen handelt die Politik nach Expertenansicht oft zu rasch und unüberlegt. “Die Politiker meinen, sie müssen schnell reagieren“, sagte Stefan Leible, Direktor der Forschungsstelle für Lebensmittelrecht an der Universität Bayreuth, der Nachrichtenagentur dpa. Eine Rolle spiele hier sicher die mediale Aufmerksamkeit bei Lebensmittel-Skandalen.

Auf einer Fachtagung in Bayreuth beschäftigen sich Leible und andere Experten von diesem Donnerstag (29. September) an mit der Frage, wie Lebensmittel und die damit in Zusammenhang stehenden Skandale in der Öffentlichkeit wahrgenommen werden und welche Auswirkungen das etwa auf die Gesetzgebung hat.

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Die Folge der Skandale seien oft ad-hoc-Gesetze - dabei sei eine Aufstockung des Personals in den kontrollierenden Einrichtungen meist viel sinnvoller, sagte Leible. Es sei bezeichnend, dass etliche Gammelfleisch-Skandale durch Mitarbeiter oder durch Zufall aufgedeckt worden seien - und nicht durch Lebensmittelkontrolleure.

Trotz der Schlagzeilen um den Dioxin-Skandal und die EHEC-Krise seien Lebensmittel “noch nie so gut und sicher wie heute“ gewesen, betonte Leible. “Im schnelllebigen Informationszeitalter tritt an die Stelle der tatsächlichen allerdings mehr und mehr die gefühlte Täuschung.“

Eine Medienschelte wolle er nicht betreiben, sagte der Jura-Professor. “Das wäre zu einfach.“ Interessanter seien vielmehr die Reaktionen der Politik auf die Berichterstattung über Skandale im Lebensmittelbereich.

Außerdem soll bei der Fachtagung thematisiert werden, welche Rolle Kampagnen von Verbraucherschutzorganisationen spielen. Die Forschungsstelle für Lebensmittelrecht entstand in den 1990er Jahren an der Bayreuther Uni und gehört zur Rechts- und Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät.

dpa

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