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Freitag ist Zeugnistag – Situation im Klassenzimmer einer Grundschule.

Kritik reißt nicht ab

Lehrerverband: Kinder erschöpft und ausgebrannt

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München - Nach dem Brandbrief einer verzweifelten Mutter zu den Schulproblemen Bayerns kocht auch eine andere Debatte wieder hoch: das "Grundschul-Abi". Das Übertrittsverfahren sei nicht kindgerecht, sagen die Lehrer.

Die Aussage von Klaus Wenzel, dem Präsidenten des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands (BLLV), klingt dramatisch. „Viele Kinder sind erschöpft und ausgebrannt, ihre Eltern mit den Nerven am Ende, Lehrkräfte frustriert“, erklärt Wenzel. Das Übertrittsverfahren sei nicht kindgerecht. Die Übertrittszeugnisse, die 105 000 bayerische Viertklässler am Freitag erhalten, empfehlen Grundschülern, ob sie auf Mittelschule, Realschule oder Gymnasium weiterlernen sollen. Entscheidend sind die Noten in Deutsch, Mathematik sowie Heimat- und Sachunterricht. Gewertet werden die Noten aus 22 Proben, dazu mündliche Leistungen. Für eine Gymnasialempfehlung ist ein Notendurchschnitt von 2,33 nötig, für die Realschule 2,66. Doch es gibt Ausnahmen. Das Kultusministerium hat die Übertrittsbedingungen im Jahr 2009 leicht liberalisiert: Hat das Kind im Probeunterricht in Deutsch und Mathematik eine Vier, hat es zwar nicht bestanden, darf aber trotzdem aufs Gymnasium bzw. auf die Realschule – wenn die Eltern dies wünschen. Der Probeunterricht gilt allerdings als relativ anspruchsvoll.

Wenzel sagte, die Angst vor schlechten Noten demotiviere und blockiere Kinder. „Mit nachhaltigen Lernprozessen hat dieses Vorgehen wenig zu tun, mit Bildung gar nichts.“ Es mache doch keinen Sinn, die Bildungsbiografie zehnjähriger Kinder von Kommanoten abhängig zu machen. Gefruchtet hat die Kritik, die Wenzel seit Jahren äußert, bisher nicht. Das Kultusministerium rühmt sich schon, dass es überhaupt eine Übertrittsempfehlung an alle Schüler herausgibt – früher gab es die nur für die künftigen Gymnasiasten und Realschüler. Trotzdem dürften auch in diesem Schuljahr wieder viele Schüler auch mit einer Eins vor dem Komma die Realschule bevorzugen – das G8 wirkt nachhaltig abschreckend. Ungefähr zehn Prozent aller Grundschüler verhielten sich mittlerweile so, schätzt der Bayerische Elternverband.

Das Kultusministerium erklärte dagegen: „Die Grundschullehrer kennen die Begabungen und Interessen ihrer Schüler aus einer in der Regel zweijährigen gemeinsamen Schulzeit.“ Wegen ihrer pädagogischen Erfahrung und der Kenntnis der Anforderungen an den weiterführenden Schulen könnten sie Eltern weitere Anschlussmöglichkeiten aufzeigen. Das Schulsystem in Bayern sei durchlässig, die Schulwahl nach der vierten Klasse „vorläufig und punktuell“.

Erneut wandte sich das Ministerium gegen die Freigabe des Elternwillens. Dies erhöhe nur die Chancen für Kinder, deren Eltern besonders ehrgeizig seien.

Wie unsere User über die Schul-Problematik diskutieren und den Brief einer Lehrerin lesen Sie hier.

dw/dpa

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