Wieder Probleme bei Stammstrecke Richtung Osten: Züge fallen aus

Wieder Probleme bei Stammstrecke Richtung Osten: Züge fallen aus
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Das Sorgenfahrzeug der Bahn: der (von außen betrachtet) schicke neue Fugger-Express.

Leiden am „Fugger-Express“

München - Sardinendosen-Zug – das ist inzwischen der Spitzname für den Fugger-Express, der zwischen München und Augsburg verkehrt. Wegen vieler Mängel dieses neuen Fahrzeugtyps hat die Bahn jetzt rund 1500 Fahrkarten-Abokunden entschädigt.

„Power, Dynamik, Eleganz“ – mit diesen „Leistungsmerkmalen“ des Triebzugs ET 440 wirbt die Deutsche Bahn. Äußerlich sieht er aus wie eine S-Bahn, er ist mit 70,9 Metern auch fast gleich lang und natürlich wie alle Züge der DB Regio leuchtend rot lackiert.

Innen jedoch gibt es markante Unterschiede: „Der Fahrkomfort ist beispiellos minderwertig“, heißt es in einer Resolution von 50 Fahrgästen aus dem schwäbischen Dinkelscherben, die unserer Zeitung vorliegt. Ihr Wortführer Anton Singer nennt den Fugger-Express „unsäglich“, in der Petition heißt es: „Wie gut, dass der Zug ... nicht Schwaben-Express heißt, man müsste sich für ihn zu sehr schämen.“ Eine weitere Pendlerin aus Mering, die den Zug täglich nutzt, hält die Innenausstattung des Express-Zugs für eine „völlige Fehlplanung“: Zwischen den Sitzreihen seien die Abstände so eng, dass größere Personen mit den Knien am Vordersitz anstoßen. Fest montierte Armlehnen an den Sitzen am Gang führen regelmäßig zu blauen Flecken. Die Klappsitze sind so eng montiert, dass „man gezwungen wird, seinen Mitmenschen eng auf die Pelle zu rücken“.

In der Tat hat der Hersteller Alstom einen Zug mit 240 Sitzplätzen, ein Zehntel davon Klappsitze, sowie mit zwei großzügig dimensionierten behindertengerechten Toiletten konstruiert. „Die Sitzplatzzahl und die Toiletten waren feste Vorgaben des Bestellers“, betont ein Bahnsprecher – also des bayerischen Wirtschaftsministeriums und der staatlichen Bayerischen Eisenbahngesellschaft. Bei der Bahn gibt man unumwunden zu, dass es im Zug „etwas enger als in anderen Regionalzügen“ zugeht. „Es wurde buchstäblich nach jedem Zentimeter Platz gesucht.“ Um Platz zu sparen hat der Fugger-Express nicht wie eine S-Bahn zwölf Türen je Seite, sondern nur vier Türen. Weiteres Problem: Die Klappsitze wurden auch am Durchgang zu den Türen entlang der großdimensionierten Toiletten installiert – „wenn auf den Klappsitzen Leute sitzen, kommt man selbst ohne Gepäck kaum mehr durch“, klagt die genervte Pendlerin. Zwangsläufig steige man den Sitzenden auf die Füße.

Es hatte schon nicht gut angefangen: Eigentlich sollte der ET 440 schon im Dezember 2008 auf der Strecke München-Augsburg pendeln. Doch die Fahrzeugzulassung verzögerte sich – erst Ende Dezember 2009 waren die eingeplanten 37 Züge vollständig verfügbar. Im Januar 2010 kamen weitere Probleme hinzu: Die Heizungen an den Kuppelungen funktionierten nicht richtig. „Das war für unsere Reisenden sehr unangenehm, für uns sehr ärgerlich“, erklärt der Bahnsprecher. Dazu muss man wissen, dass das schnelle Ent- und Ankuppeln „der eigentliche Charme“ der Baureihe ET 440 ist, so der DB-Sprecher – die Züge werden nämlich in Augsburg geteilt und rollen in Richtung Ulm und Donauwörth weiter. Mit den alten, von einer Lok gezogenen Doppelstockwagen wäre das nicht möglich gewesen, sagt der Bahnsprecher.

Wegen der Kupplungsprobleme fuhr der Fugger-Express bis in den Februar hinein auch im Berufsverkehr nur mit ein oder zwei Garnituren statt wie geplant mit vier Zügen. Fahrgäste, die auf dem Weg nach München zum Beispiel erst in Kissing oder Mering zustiegen, hatten keine Chance auf einen Sitzplatz. Der Unmut war so groß, dass sich Wirtschaftsminister Martin Zeil einschaltete – er drohte der DB eine Vertragsstrafe an, sollten die Probleme nicht abgestellt werden. Entschädigungen der Bahnkunden aus Steuermitteln, wie es die SPD gefordert hatte, lehnte Zeil freilich ab.

Die Bahn jedoch reagierte: „Wir haben etwa 1500 Stamm-Abokunden aus Mering, St.Afra und Kissing entschädigt“, sagt der Bahnsprecher – in Form eines Bayern-Tickets im Wert von 28 Euro.

Dirk Walter

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