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"Grüß Gott" statt "Tschüss" heißt es in Bayern.

Förderverein wird 25

"Leit, redts Boarisch!"

München - Der Förderverein für Bairische Sprache und Dialekte kämpft seit 25 Jahren für den Erhalt der Mundart. Wie man das Bairische retten kann, erklärte den Sprachschützern beim Jubiläums-Festakt aber ausgerechnet ein Brite.

Die Stimmung im Festsaal war gut, rund 160 Anwesende feierten am Samstag in Högling bei Bruckmühl (Kreis Rosenheim) das runde Jubiläum ihres Fördervereins Bairische Sprache und Dialekte. Bis der Brite Anthony Rowley ans Rednerpult trat und mit einer Schreckensnachricht aufwartete: „Den größeren Teil des Verbreitungsgebiets des Bairischen macht gar nicht Bayern, sondern Österreich aus!“

Dies war aber die einzige Zumutung, die der Mundartforscher Rowley seinen Zuhörern mit auf den Weg gab. Ansonsten lieferte der 61-Jährige eine launige Lobpreisung des Bairischen – samt dessen Geschichte, Eigenheiten und Zukunftsfähigkeit. Warum überhaupt er sich befähigt fühle, vor Bayern über das Bairische zu referieren, erklärte Rowley den Anwesenden damit, dass sich gerade in der Dialektforschung die Zusammenarbeit zwischen Einheimischen und Ausländern bewährt habe; einer der besten Kenner englischer Dialekte komme beispielsweise aus Bamberg. Und wahrscheinlich, glaubt Rowley, habe die Akademie bei seiner Einstellung ohnehin nach dem ur-bayerischen Motto gehandelt: „Hauptsach’, es is koa Preiß!“

Bei seiner Beschäftigung mit dem hiesigen Dialekt, den Rowley übrigens als „Bairisch“ definiert und damit die Sprache Altbayerns, Österreichs und Südtirols meint, habe ihn sofort dessen Vielschichtigkeit fasziniert: Es gebe das alpine Südbairisch, das in Ober- und Niederbayern verbreitete Mittelbairisch und das in der Oberpfalz gesprochene Nordbairisch.

Obwohl darin praktisch jedes Dorf wieder seinen eigenen Dialekt habe – „der Fachmann erkennt, ob der Sprecher aus Ober- oder Unterammergau kommt“ – gebe es faszinierende Gemeinsamkeiten: allen voran die bayerische Eigenart, nach einem Selbstlaut kein „L“ zu sprechen. So habe ein Münchner „vui zvui Gfui“; ein Niederbayer „väi zväi Gfäi“ und der Wiener „vü zvü Gfüh“.

Typisch bairisch sei auch die Neigung, ein Wort zu verkleinern, um damit eine positive Grundhaltung auszudrücken. „A Masserl“ Bier enthält genauso viel Flüssigkeit wie eine Mass Bier – „nur meine Einstellung dazu ist anders“, findet Rowley.

Dass man es in Bayern mit der Grammatik ohnehin nicht so genau nimmt, mache die bevorzugte Verwendung des Dativs deutlich: „Eahm schaug o!“, sage der Münchner erstaunt. Und er fahre auch nicht mit Marias Auto, sondern, so Rowley, „mit der Mari ihrem Auto“.

All das, die Verkleinerung oder die Verwendung der grammatikalischen Fälle, bedeute aber nicht, dass Dialekt die Ausdrucksfähigkeit beeinträchtige. Zwar sei die Mundart dadurch natürlich leichter zu erlernen als die kompliziertere Schriftsprache; eine Zweisprachigkeit würde aber erwiesenermaßen zu verbesserten Schulleistungen führen.

Weil sich in vielen Wörtern zudem noch Spuren der Römer, Goten oder Franzosen finden, spiegle sich im Dialekt auch die Geschichte Bayerns. Ein „Kulturverlust sondergleichen“ sei es daher, den Dialekt nach dem Prinzip „weg mit dem alten Klump“ zu entsorgen. Wie man das Bairische retten könne? Ganz einfach, so Rowley: „Leit, redts Boarisch, na stirbts ned aus!“

Ein erster Schritt dazu ist, dass der Dialekt laut Bezirkstagspräsident Josef Mederer wieder Teil von Grundschul-Lehrplänen wird. Und allen, denen es mit dem Schutz der Mundart nicht schnell genug gehen kann, denen riet Bezirksheimatpfleger Norbert Göttler am Samstag zu bayerischer Gelassenheit: „Seien Sie tolerant mit der Hochsprache.“

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Von Stefanie Zipfer

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