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Leonhardifahrt in Murnau: Leonhardi-Ritte oder Leonhardifahrten sind eine eine der ältesten, christlichen Traditionen in Bayern.

Wallfahrt zu Ehren des Schutzpatrons der Nutztiere

Leonhardi 2016: Alle Hintergründe und Termine zu den Umzügen

München - Leonhardi-Ritte oder Leonhardifahrten sind eine eine der ältesten, christlichen Traditionen in Bayern. Hier finden Sie die Hintergründe und Termine für die Umzüge. 

Es ist jedes Jahr wieder eine besonderes Ereignis. Im Oktober und November wird in den Ortschaften in Oberbayern der Heilige Leonhard von Limoges - Schutzpatron der Nutztiere - gefeiert und verehrt. Die Leonhardiritte, die um die Zeit des 6. Novembers (den Namenstag des Heiligen Leonhards) in ganz Bayern stattfinden, gehören zur bayerischen Tradition und sind absolut einzigartig. Nach Angaben des Bayerischen Rundfunks (BR) gehören sie sogar zu den „ältesten christlichen Bräuchen Bayerns“. 

Mit festlich geschmückten Gespannen und in alten, kunstvoll bemalten Truhenwagen fahren einheimische Bauern und Mitglieder der Trachten- und Ortsvereine beim Leonhardi-Ritt  zu den Wallfahrtskirchen und Kapellen, um den Ross-Heiligen  - den Heiligen Leonhard - zu ehren. Manche Trachtler reiten dabei direkt auf dem Pferd oder gehen zu Fuß. Die Leonhardi-Umzüge ziehen jedes Jahr wieder hunderte Besucher aus den Nachbarorten und aus der Stadt an. Auch bei den Touristen aus ganz Deutschland und aus dem Ausland erfreuen sie sich großer Beliebtheit.

Einer der berühmtesten und prachtvollsten Leonhardiumzüge findet in Bad Tölz (Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen)  statt. Der legendäre Leonhardiumzug in der historischen Marktgasse findet bereits seit 161 Jahren statt. Auch in diesem Jahr - Leonhardi 2016 - werden wieder hunderte von Besuchern in der Kurstadt an der Isar erwartet. Der Leonhardi-Ritt in Bad Tölz zählt jedoch nicht zu den ältesten seiner Art. Der Leonhardi-Ritt in Kreuth am Tegernsee gehört urkundlich zur ältesten Leonhardi-Wallfahrten. Er wurde erstmals 1442 erwähnt. In Reichling (Landkreis Weilheim-Schongau) soll es sogar das Jahr 1435 gewesen sein. Aber auch in vielen anderen oberbayerischen Gemeinden wie Warngau, Schliersee, Murnau, Benediktbeuren, Unterammergau und vielen mehr wird dieser alte Brauch von den Einheimischen gepflegt.

Leonhardi 2016: Geschichte des Heiligen Leonhards

Der Heilige Leonhard

Der Heilige Leonhard, der im gesamten Alpenraum als Schutzpatron der Nutztiere oder als Stallheiliger verehrt wird, ist eigentlich kein Bayer, sondern stammt der Überlieferung zufolge aus Gallien (dem heutigen Frankreich). 500 nach Christus soll er dort gelebt haben. Der Heilige Leonhard war Abt von Noblac bei Limoges und setzte sich der Überlieferung nach für Gefangene ein und sorgte für deren Befreiung. Er soll nur den Namen eines Gefangenen gesagt haben, und schon sprangen dessen Ketten auf. Aus diesem Grund ist Leonhard auch auch als Kettenheiliger bekannt. Mit Ketten wird er auch häufig auf Bildern nach abgebildet. Da es in der Zeit Leonhards üblich war, Geisteskranke in Ketten zu legen, war er auch Patron der Geisteskranken. Auch schlimme Krankheiten soll er mit seinen Gebeten geheilt haben.

Doch wie wurde aus dem Kettenheiligen der Schutzpatron der Nutztiere? Es wird vermutet, dass Betrachter die Ketten auf den Abbildungen des Heiligen Leonhards  als Viehketten interpretierten. Der Überlieferung nach wurde Leonhard von den Bauern in Bayern so nach und nach zum Schutzpatron der Pferde und Rinder gemacht.  Der Namenstag des Heiligen und die dazu gehörigen Festzüge haben einen festen Bestandteil im bayerischen Brauchtum. Auch im Bauernkalender spielt dieser Feiertag eine wichtige Rolle. Und das hat einen bestimmten Grund. Für die größtenteils bäuerliche Bevölkerung des damaligen Bayerns war es einfach sehr wichtig, dass das Nutzvieh arbeitsfähig und gesund ist - Sankt Leonhard soll Ross und Reiter vor Krankheiten und Schlimmeren schützen. Darum bitten die Einheimischen an Leonhardi.  Eine alte Bauernregel lautet „Nach der vielen Arbeit Schwere, an Leonhardi die Rösser ehre“.

Leonhardi 2016: Traditionen und Bräuche beim Leonhardiritt

Frau im Mieder gibt einen Schnaps beim Leonhardiritt in Warngau aus.

Aus München und den Gemeinden Bayerns und ganz Deutschlands kommen viele Besucher jedes Jahr, um die prachtvollen Leonhardi-Umzüge auf dem Land zu bestaunen. Und das nicht ohne Grund. Neben de n festlich geschmückten Truhenwägen - alte Pferdekutschen aus Holz, häufig mit festlicher, traditioneller Malerei verziert - werden auch die Pferde besonders schön geschmückt. Mit Schleifen und Blumen werden die Pferde- und Schweifhaare frisiert und gebürstet. Trachtler, Bauern und sogar die Gebirgsschützen rücken zur L eonhardi-Wallfahrt mit ihrer festlichen Tracht aus, die sich je nach Ortschaft unterscheidet. 

Im bayerischen Oberland ist es häufig Brauch, dass die Frauen in den Kutschen- den Truhewägen - mitfahren. Verheiratete Frauen tragen dabei den Schalk - eine schwarze, aufwendig verarbeitete Festtags-Tracht aus Seide - unverheiratete Frauen tragen ein Mieder - eine farbige Festtagstracht aus Seide - ebenso wie einen mit Blumen geschmückten Hut. Die Hochsteck- und Flechtfrisuren und der Schmuck am Schalk oder Mieder variieren ebenfalls je nach Ortschaft. 

Typisch ist der Blumenschmuck im Dekolleté, die Kropfkette (eine imposante Kette aus Silber die eng am Hals getragen wird) und das Mieder, dass am Oberkörper mit einer Silberkette zusammengehalten wird. Häufg tragen sie auch einen Fuchspelz um den Hals, was bei Tierschützern wiederum umstritten ist.

Während der Wallfahrt beten die Schalkfrauen bis zur Kirche den Rosenkranz. In den Pausen reichen sie Männern, die darum bitten ein Stamperl Schnaps und selbstgemachte Plätzchen. Ziel der Wallfahrt ist eine Wallfahrtskirche- oder Kapelle, die dem heiligen Leonhard gewidmet ist. Dort segnet der Pfarrer die Pferde und die Reiter. In den vergangenen Jahren ist es dabei auch schon mal zuAlkohol-Exzessen gekommen. Seitdem wird weniger Schnaps ausgeschenkt.

Leonhardi 2016 - Termine im Überblick

In manchen Gemeinden und Ortschaften variiert der Termin für die Leonhardifahrt. Er liegt jedoch immer nahe am Namenstag des Heiligen Leonhard am 6. November. Dass nicht alle Festwägen am gleichen Tag ausrücken, liegt vermutlich auch daran, dass Bauern und Reiter häufig in mehreren Ortschaften auf Wallfahrt gehen. Als Beispiel ist hier die Region Schliersee-Tegernsee zu nennen. Manche Gemeinden wieMurnau am Staffelsee halten jedoch jedes Jahr fest an den Namenstags-Termin am 6. November fest.  

Die nächsten Termine für die Leonhardi-Ritte 2016 rund um München:

Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen:

Bad Tölz: Montag, 7. November 2016. Eine der berühmtesten Leonhardifahrten ist in Bad Tölz. Pünktlich zum Neun-Uhr-Läuten machen die geschmückten Wagen und hunderte Pferde auf den Weg zur Leonhardikapelle. Der Festzug geht über die historische Marktstraße hinauf zum Kalvarienberg. Mit dem traditionellen Goaßlschnalzen am Nachmittag endet die Leonhardifahrt.

Benediktbeuern: Sonntag, 6. November 2016. Pferdewallfahrt ab 9 Uhr im Klosterhof. Wallfahrtsgottesdienst um 10 Uhr.

Reichersbeuern: Sonntag, 6. November 2016. Umritt um 14 Uhr an der Bachkapelle.

Landkreis Weilheim-Schongau:

Forst/Wessobrunn: Sonntag, 6. November 2016. Um 9 Uhr beginnt der Festgottesdienst, um 10.30 Uhr der Umritt um die Kirche zum Wirtsanger.

Schongau: Samstag, 5. November 2016. Stadtpfarrer Norbert Marxner zelebriert vor dem Umritt um 10 Uhr in der St. Sebastians-Kirche die Messe zu Ehren des heiligen Leonhard. Im Anschluss segnet er am Pferdebrunnen vor dem Sparkassenforum die Pferde und Reiter. 

Rottenbuch: Sonntag, 6. November 2016. Um 10.00 Uhr stellen sich Pferde und Festwagen am Fohlenmarktplatz auf. Um 10.30 Uhr findet der Gottesdienst statt.

Landsberg am Lech

Utting: Sonntag, 6. November 2016. Der Leonhardiritt ist für seine mit Bibelszenen bemalten Wagen bekannt. Er beginnt um 9 Uhr.

Landkreis Miesbach

Hundham: Samstag, 5. November 2016, 9 Uhr Festzug zur Leonhardikapelle mit Gespannen und Reitern anschließend Gottesdienst mit Segnung der Gespanne und Reiter. Der Festgottesdienst wird an der Leonhardikapelle nach der ersten Umfahrt gehalten.

Schliersee/Fischhausen: Sonntag, 6. November 2016. Von der Ortsmitte in Schliersee bewegt sich die Pferdewallfahrt direkt am See entlang bis zur Leonhardi-Kirche im südlichen Ortsteil Fischhausen. Hier werden die Pferde und Wallfahrer beim dreimaligen Umritt gesegnet. Um 9 Uhr geht es von der Pfarrkirche St. Sixtus nach Sankt Leonhard in Fischhausen. Dort beginnt um 10 Uhr der Gottesdienst.

Gmund am Tegernsee / Festenbach: 13. November 2016. Um 14 Uhr beginnt der Leonhardiritt an der Kapelle Festenbach – mit festlichem Umzug, Umritt und Segnung der Pferde.

Kreuth: Sonntag, 6. November 2016. Die älteste Leonhardifahrt Bayerns beginnt um 9.15 Uhr, Gottesdienst in der Leonhardikirche, dreimaliger Leonhardiumzug zur Segnung durchs Dorf.

Landkreis Freising:

Leonhardsbuch: Sonntag, 6. November 2016. Der Umzug beginnt um 11 Uhr. Der Gottesdienst mit Pferdesegnung beginnt in St. Leonhard beginnt um 11.45 Uhr.

Landkreis Garmisch-Partenkirchen

Garmisch-Partenkirchen: Sonntag, 13. November 2016. Aufstellung ca. 12:00 Uhr, Abmarsch gegen 13:00 Uhr

Murnau: Dienstag, 6. November. Beginn: 9 Uhr. Der Zug beginnt am Seidlpark, Endpunkt der Leonhardifahrt ist die Rokokokirche St. Leonhard im Ortsteil Froschhausen.

Landkreis Rosenheim:

Übersee: Sonntag, 6. November 2016. Leonhardiritt nach Almau. Beginn: 9.30 Uhr, Patroziniumsgottesdienst in St. Leonhard, anschließend Pferdesegnung.

Lippertskirchen: Sonntag, 6. November 2016. Ab 9 Uhr findet ein Festgottesdienst mit Leonhardi-Umzug statt.

Pietzenkirchen (Ridering): Sonntag, 6. November 2016. Ab 13 Uhr Andacht in Pietzenkirchen.

Graben (Ramerberg): 11. November 2016. Leonhardiritt ab 13.30 Uhr. 

Landkreis Altötting:

Kirchweihdach: Sonntag, 6. November 2016, Ab 10 Uhr Leonhardiritt. 

Landkreis Erding:

Preisendorf: Sonntag, 6. November 2016, 13:30 Uhr Leonhardiritt zur Filialkirche St. Stephanus.

 

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