Serie zum Ersten Weltkrieg

Der letzte Besuch des Erzherzogs

München – Ein Besuch mit Tschingderassabum: Vor 100 Jahren machte Österreichs Erzherzog Franz Ferdinand Bayern seine Aufwartung. Staatsbesuch mit allen Ehren. Zwei Monate später starb er in Sarajevo – der Auslöser des Ersten Weltkriegs.

Es war ein Tag, so recht nach dem Geschmack der Hofberichterstatter. „Unter den Klängen der Hymne ,Gott erhalte Franz den Kaiser’ fuhr der österreichische Hofzug in die Bahnhofshalle ein“, notierte die „Münchener Zeitung“ am 14. April 1914. Auf der Residenz wehte die österreichische Kaiserflagge. Ehren-Eskorte, Girlandenschmuck, Wimpel und Fahnen allüberall. Franz Ferdinand, 50, in der Uniform des bayerischen Schwere-Reiter-Regiments nebst Gattin Sophie, damals 46, kamen zum Staatsbesuch. Habe die Ehre, Majestät – eine Höflichkeits-Aufwartung, nachdem Bayerns König Ludwig im Juni 1913 Wien besucht hatte.

Großes Händeschütteln also am Münchner Bahnhof. Alle Prinzen standen in Galauniform Spalier. „Die Stadt München hatte dem Gast zu Ehren Festschmuck angelegt“, schwelgte der Berichterstatter. Blumen, Fahnen, jubelnde Münchner, die Hüte schwenkten und zuschauten, wie der österreichische Thronfolger „in offener Galaequipage“ durch die Neuhauser Straße Richtung Residenz gefahren wurde.

So schön konnte Monarchie sein. Was die Monarchen dann in der Residenz so beredeten, kann man den damaligen Zeitungen aber allenfalls in Andeutungen entnehmen. Die „Münchener Zeitung“ berichtete – ohne Details zu nennen – über einen „herzlichen Depeschenwechsel“; auch versicherten sich Ludwig und sein Gast der „vielfachen Familienbande“, die es zwischen beiden Herrscherhäusern gebe, wie auch überhaupt sich der Besuch durch „intime Herzlichkeit“ ausgezeichnet habe. Stand auch die Kriegsgefahr auf der Tagesordnung der Gespräche hinter verschlossenen Türen? Man kann es nur vermuten. Die Öffentlichkeit erfuhr davon nichts – stattdessen berichtete die „Münchener Zeitung“ über nette Belanglosigkeiten, wie etwa der, dass Franz Ferdinand den Botanischen Garten besichtigt und „für die verschiedenen Pflanzen sehr viel Interesse“ gezeigt habe.

Angesichts von so viel Harmonie war es wenig verwunderlich, dass Bayern und Österreich-Ungarn auch nach Kriegsausbruch unverbrüchlich Seit an Seit standen. Im Hochgebirgskrieg an der südtiroler-italienischen Front ab 1915 eilte den Habsburgern gleich ein ganzes Alpenkorps (unter dem bayerischen General Konrad Krafft von Dellmensingen) zur Hilfe. Viele Bayern starben an den umkämpften Bergen (zum Beispiel am Monte Piano und an den Drei Zinnen) wie auch später bei den Isonzo-Schlachten.

Im lauen April 1914 war von Kriegsgefahr noch wenig zu erahnen. Am 16. April, abends um halb neun, dampfte Franz Ferdinand wieder ab Richtung Böhmen. Und auf König Ludwig wartete schon der nächste Staatsbesuch: Großherzog und -herzogin von Baden.

Zweieinhalb Monate später, am 28. Juni 1914, wurden Franz Ferdinand und seine Frau von dem erst 19 Jahre alten bosnischen Serben Gavrilo Princip in Sarajevo erschossen – ein Attentat, das der serbische Geheimdienst zumindest billigend in Kauf genommen hatte. Es kam die „Julikrise“, einen Monat später begann der Erste Weltkrieg.

Dirk Walter

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