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Die letzte Ruhe in neuer Heimat: Auf dem Münchner Südfriedhof gibt es bereits ein muslimisches Grabfeld. Nun wird auch über die Abschaffung der Sargpflicht diskutiert.

Debatte im Landtag

Letzte Ruhe ohne Sarg: "Endlich geht es voran"

München - Muslime werden für gewöhnlich in Tüchern bestattet, nicht in Särgen. In Bayern ist das bislang nicht möglich. Über die Sargpflicht wird schon lange diskutiert. Nur die Bestatter halten noch an ihr fest.

Seit sieben Jahren führt Salih Güler sein Bestattungsunternehmen in München. Mit seinen Mitarbeitern kümmert er sich um rund 200 islamische Bestattungen pro Jahr. Mindestens die Hälfte davon findet nicht in Deutschland statt. Die Verstorbenen werden auf Wunsch der Angehörigen häufig in die Heimat überführt und dort beigesetzt. Gerade in Länder wie der Türkei oder Bosnien, wo der Transfer schnell und kostengünstig möglich ist.

Salih Güler kümmert sich um muslimische Bestattungen

Ein Grund für den häufigen Überführungs-Wunsch ist die Art der Bestattung. Muslime lassen sich traditionell in Leinentücher gewickelt begraben. In Bayern aber ist der Sarg zusätzlich Pflicht. Noch. Denn die Abschaffung der Sargpflicht rückt näher. Nach einer Expertenanhörung gestern im Innenausschuss des Landtags hat nun neben der Opposition auch die CSU die Bereitschaft angedeutet, die bisherige Rechtslage zu korrigieren. „Ich kann mir vorstellen, dass man auf die Sargpflicht aus religiösen Gründen verzichten kann“, sagte der Ausschuss-Vorsitzende Florian Herrmann (CSU). Ulrike Gote (Grüne) sagte, sie rechne damit, dass es schnell gehe.

„Endlich geht es voran“, sagt Güler. „In Bayern leben so viele verschiedene Kulturen, da ist es gut, wenn man auch den Minderheiten entgegenkommt.“ Er glaubt, dass viele der Verstorbenen, die er beerdigt, auch deshalb lieber in die Heimat gebracht werden wollen, weil sie sich hier noch nicht voll integriert fühlen. Die eigene Bestattungsform frei wählen zu können, sei da ein Schritt in die richtige Richtung.

Großer Befürworter der Sargpflicht, die außer in Bayern nur noch in Rheinland-Pfalz, Sachsen und Sachsen-Anhalt gilt, ist der Bayerische Bestatterverband. „Es gibt noch zu viele ungelöste Probleme“, sagt der stellvertretende Vorsitzende Jörg Freudensprung. Zum Einen beim Transport der Leichname, wenn diese nicht in einem Sarg liegen. Und zum Anderen bei der Hygiene, etwa bei ansteckenden Krankheiten. „Der Friedhofsträger haftet für sein Friedhofspersonal“, sagt Freudensprung. Demnach würden die Träger lieber kein Risiko eingehen und auf einen luftdichten Sarg vertrauen.

Freudensprung glaubt: Selbst wenn die Sargpflicht bayernweit fällt, wird sie in der Praxis häufig trotzdem aufrecht erhalten. „Das letzte Wort hat die Kommune.“ Sie kann in der jeweiligen Friedhofssatzung festlegen, wie die Bestattungen ablaufen sollen. „In anderen Bundesländern wie in Bremen lief das ganz ähnlich ab.“ Die geführte Diskussion über die Sargpflicht ist für Freudensprung also keine moralische Frage, sondern eine der praktischen Umsetzung. Wenn dafür Lösungen gefunden werden, sei eine Abschaffung kein Problem.

Güler kann die Argumente des Bestatterverbands nicht nachvollziehen. „Natürlich müssen Arbeitsschutzmaßnahmen getroffen werden.“ Aber die Verantwortung könnten die Träger ja auf die Bestatter übertragen. Er vermutet wirtschaftliche Gründe hinter der Haltung des Verbands. Dessen Mitglieder wollten ja schließlich auch weiterhin ihre Särge verkaufen. „Außerdem führen diese Bestatter doch so gut wie keine islamischen Bestattungen durch“, betont Güler.

In der gestrigen Ausschuss-Sitzung sprachen sich nicht nur die Vertreter der Muslime für die Abschaffung der Sargpflicht aus, sondern auch die katholische und die evangelische Kirche sowie Vertreter der Kommunalverbände. Der Münchner Bestatter Salih Güler ist optimistisch: „Ich glaube, jetzt ist die Bereitschaft da, den Schritt zu gehen.

von Dominik Göttler

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