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So sah der Toyota aus, nachdem sich die vier jungen Frauen gerade noch gerettet hatten.

In letzter Sekunde dem Tod entronnen

München - Täglich muss die tz über Tragödien auf Bayerns Straßen berichten. Diese Woche aber scheint der liebe Gott seine schützende Hand über uns zu halten.

Gleich drei Unfälle, die normalerweise für Tote, Schwerverletzte und trauernde Hinterbliebene gesorgt hätten, nahmen ein glückliches Ende. Weil die Beteiligten schier unglaublich gut reagierten! Lesen Sie selbst …

Valentina schrie: „Alle raus!“

Unmöglich, in diesem Auto kann niemand überlebt haben.“ Markus Pflüger (40), Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Parsberg, bereitete sich Sonntagnacht schon darauf vor, Leichen aus diesem Autowrack auf der A3 zu ziehen. Dann sah er: Da saß gar niemand drin! Tatsächlich hatten sich die Freundinnen Valentina S., Nadeschda N., Helena I. und Olivia G. (22 und 23) in allerletzter Sekunde aus ihrem Auto gerettet – bevor ein BMW hineinraste.

Um 2 Uhr früh verlassen die Freundinnen die Disco Rascha in Nürnberg. Es war ein lustiger Abend, alle sind bester Laune. Im Auto auf dem Weg heim nach Regensburg sitzen Helena und Olivia hinten, sie schlafen. Nadesch­da sitzt neben Fahrerin Valentina, sie hören leise Disco-Musik, um die anderen nicht zu wecken. Auf Höhe Neumarkt sieht Valentina plötzlich vor sich einen Gegenstand auf der Fahrbahn – wie sich später herausstellt, ist es ein Kleidersack, den ein anderes Auto verloren hat. „Ich wollte das Teil umfahren“, erzählt die 22-Jährige der tz.

Sie verliert die Kontrolle über ihren blauen Toyota Corolla. Er schleudert in die Mittelleitplanke, bleibt quer auf der Fahrbahn stehen. Valentina hat keine Zeit, sich zu fassen. Sie blickt nach rechts, sieht zwei Scheinwerfer rasend schnell auf sie zukommen. „Raus!“ brüllt sie. „Alle raus! Sofort!!“ Die Autotür klemmt, dann geht sie doch auf, Valentina springt raus, die verschlafenen Freundinnen und Nadeschda ebenfalls. Sie hechten zwischen die Mittelleitplanken. In der nächsten Sekunde ein Riesen-Knall. Ein BMW ist seitlich in ihr Auto gekracht.

Dann: Totenstille. Die Freundinnen trauen sich nicht, zu dem anderen Auto vor zu gehen. „Wir dachten, da drin hat keiner überlebt …“ Nachfolgende Autofahrer stoppen, holen die Feuerwehr. Tatsächlich ist außer einem Schock keinem der vier Mädchen etwas passiert. Sie können noch in der Nacht wieder heim. Wahnsinn: Auch im BMW ist alles gut gegangen! Der Fahrer (18) hat sich lediglich am Fuß verletzt. Valentina zitterte gestern noch, kann es immer noch nicht glauben. „Nur eine Sekunde später, und wir wären alle tot gewesen.“

„Die Geisterfahrerin raste auf mich zu!“

Eigentlich wollte Jonas W. (19) am Dienstag nach Passau fahren. Er hatte einen Auftritt mit seiner Band, seine Gibson-E-Gitarre lag hinten in seinem Auto. Stattdessen saß er später am Abend kopfschüttelnd bei McDonald’s. Sein Auto war nur noch Schrott und er wartete darauf, dass ihn seine Eltern abholen.

„Irre!“, dachte er bei sich. „Heute kann ich meinen zweiten Geburtstag feiern …“ 17.35 Uhr ist es, mitten im Berufsverkehr, als der Regen­staufer auf der A 3 Richtung Südosten düst. Gleichzeitig nimmt eine Frau (63) an der Anschlussstelle Metten eine verhängnisvolle Ausfahrt. Sie fährt verkehrt in die A 3 ein in Richtung Straubing – von ihr aus gesehen auf der rechten Spur, also auf der Überholspur. Genau auf dieser Spur fährt auch Jonas W. „Ich hab gesehen, dass der Fahrer vor mir plötzlich gebremst hat und nach rechts rein geschert ist.“ Auch Jonas haut die Hacken in die Bremse, in dem Moment erst sieht er das Geisterauto direkt vor sich, lenkt nach rechts. Die Autos schleifen aneinander vorbei. Jonas’ Ford Mondeo brettert von der Fahrbahn und bleibt schließlich auf einem Feld stehen. Der Peugeot der Frau bleibt auf der Überholspur liegen.

Welch ein Glück: Alle nachfolgenden Autofahrer reagieren richtig – sofort stoppt der gesamte Verkehr ohne weitere Zusammenstöße. Die Geisterfahrerin ist leicht verletzt. Sie stand laut Polizei extrem unter Stress und fuhr deshalb falsch. Jonas W. aber kann kaum fassen, dass ihm nichts passiert ist! Er ist völlig cool, hat nicht mal einen Schock erlitten. „Da hab ich wohl einen Schutzengel gehabt“, sagt er und lacht schon wieder. Der Ford, sein erstes eigenes Auto, ist leider Schrott. Das wichtigste aber: Seine E-Gitarre ist ganz geblieben! Schließlich will der Abiturient Rockmusiker werden ...

Fliegende Holzstämme

Dienstagabend auf der A 70 nahe Scheßlitz (Kreis Bamberg): Plötzlich fliegen massive Holzstämme über die Fahrbahn. Ein Holzstransporter hat das Autobahnkreuz Bamberg passiert, als aus unerfindlichen Gründen am Auflieger ein Druckluftschlauch platzt. F

olge: totales Blockieren der Bremsen. Der Auflieger bricht aus, kippt um bleibt quer liegen. Die Stämme fliegen von der Ladefläche und verteilten sich. Normalerweise eine Situation, die jedem Auto- und Brummifahrer Angst einjagt, weil sie einen Unfall herausfordert. Doch diesmal lief es anders: Alle nachfolgenden Fahrer erkannten die Hindernisse rechtzeitig und konnten ihre Autos problemlos stoppen. Der Lkw-Fahrer (23), der nur leicht verletzt war, kümmerte sich gleich selbst ums Aufräumen und hievte mit dem intakten Ladekran die Baumstämme über die Leitplanke.

Andrea Stinglwagner

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