Wochenmarkt auf dem Stadtplatz vor dem Rathaus in Lichtenfels
+
Wochenmarkt auf dem Stadtplatz vor dem Rathaus in Lichtenfels

Oberfränkisches Mittelzentrum

Lichtenfels

Lichtenfels war im Laufe der Geschichte rund einhundert Jahre lang das Zentrum der deutschen Korbwarenherstellung. Heute ist die Wirtschaft der Stadt von mittelständischen Unternehmen unterschiedlicher Branchen geprägt.

Lichtenfels – Am 23. Februar 1945 griffen alliierte Luftstreitkräfte im Rahmen der Operation Clarion die oberfränkische Kleinstadt Lichtenfels an. Die Operation Clarion war der größte, über mehrere Tage durchgeführte Luftangriff der anglo-amerikanischen Airforce während des Zweiten Weltkriegs. Er hatte zum Ziel, die deutsche Verkehrsinfrastruktur weitgehend zu zerstören und gleichzeitig die Dominanz der alliierten Luftstreitkräfte zu demonstrieren. In Lichtenfels wurde dabei das Bahnbetriebswerk dem Erdboden gleichgemacht.

Lichtenfels: Lage und Geografie

Lichtenfels liegt im Obermaintal. Das Stadtgebiet erstreckt sich über eine Fläche von rund 122 Quadratkilometern. Coburg liegt 15 Kilometer nördlich der Stadt, Bamberg 30 Kilometer südlich. Der Landkreis Lichtenfels umgibt die Kreisstadt und erstreckt sich über eine Fläche von 519 Quadratkilometern. Stadt und Landkreis Lichtenfels gehören zur Metropolregion Nürnberg. Die Entfernung zwischen der Kreisstadt und dem südlich gelegenen Nürnberg beträgt 80 Kilometer. Das Stadtgebiet grenzt an den Lichtenfelser Forst, der über viele Jahrhunderte großen Einfluss auf die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt hatte. Das aus diesem Waldgebiet gewonnene Holz wurde von Flößern über den Main bis in die Niederlande transportiert.

Lichtenfels: Die Geschichte von den Anfängen bis ins 12. Jahrhundert

Die Region des heutigen Lichtenfels war bereits in der Frühgeschichte besiedelt. Hier lebten von der Altsteinzeit bis zum Zeitalter der Karolinger durchgängig Menschen in Siedlungen. Die Stadt verdankt ihren Namen einer Festung, die auf einer felsigen Anhöhe errichtet und im 16. Jahrhundert wieder zerstört wurde. Historiker gehen davon aus, dass die Grafen von Schweinfurt diese Burg bauen ließen. Dieses Adelsgeschlecht spielte in der Region während des Frühmittelalters eine wichtige Rolle und starb 1057 aus. Im Jahre 1130 nahm Reginboto von Giech die Burg Lichtenfels in Besitz und verschenkte sie später an seine Tochter Chuniza. Diese schenkte die Festung dem Bistum Bamberg. Die Bamberger Bischöfe herrschten im weiteren Verlauf der Geschichte insgesamt 600 Jahre über Stadt und Region Lichtenfels.

Lichtenfels: Die Geschichte vom 13. Jahrhundert bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts

1231 ließ Herzog Otto I. von Andechs-Meranien den Markt Lichtenfels befestigen. Mit diesem Ausbau beabsichtigte er, von der verkehrsgünstigen Lage des Ortes zu profitieren: Lichtenfels liegt direkt am Main und an der Kreuzung mehrerer Landstraßen. Im 13. Jahrhundert wurde die Stadt durch eine Ringmauer mit fünf Wehrtürmen und den folgenden Stadttoren begrenzt und geschützt:

  • Bamberger oder Unteres Tor
  • Kronacher oder Oberes Tor
  • Mühl- oder Coburger Tor

Um 1400 erfolgte die Errichtung des historischen Rathauses am Markt, das noch heute erhalten ist. In der Mitte des 16. Jahrhunderts ließ Kaspar von Sternberg das Stadtschloss bauen.

1802 rückten kurfürstliche bayerische Truppen in das Bistum Bamberg und in das dazu gehörende Gebiet Lichtenfels vor. Sie beendeten die Jahrhunderte lange Herrschaft der Bamberger Bischöfe und machten Lichtenfels zu einem Teil des 1805 im Rahmen des Friedens von Pressburg entstandenen Königreichs Bayern. 1804 wurde in Lichtenfels ein Landgericht eingerichtet.

Lichtenfels: Von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis zur Weimarer Republik

1846 erfolgte der Anschluss von Lichtenfels ans bayerische Bahnnetz. Schon wenige Jahre später hatte sich die Stadt zu einem wichtigen Eisenbahnknotenpunkt für die gesamte Region Oberfranken entwickelt. Wirtschaftlich stellte die Anbindung an das expandierende Eisenbahnnetz einen wichtigen Impuls dar: Die Korbmacherei, die schon seit langer Zeit in der Region etabliert war, erlebte einen starken Aufschwung. In Lichtenfels entwickelten sich mehrere große Korbhandelshäuser. Sie exportierten Korbwaren in die ganze Welt. Nach dem Zweiten Weltkrieg kam es zum Niedergang dieses Wirtschaftszweigs, da seit den 50er-Jahren in großem Umfang günstige Korbwaren aus Fernost importiert wurden.

Das Stadtgebiet Lichtenfels wuchs im Verlaufe der Geschichte durch mehrere Eingemeindungen. Unter anderem kam die Gemeinde Burgberg am 1. Oktober 1929 zu Lichtenfels.

Lichtenfels: Die Geschichte vom Zweiten Weltkrieg bis zur Gegenwart

Im Zweiten Weltkrieg wurde Lichtenfels intensiv von alliierten Streitkräften bombardiert. Die englisch-amerikanischen Fliegerverbände warfen am 23. Februar 1945 insgesamt 30 Tonnen Bomben über der Stadt ab und zerstörten unter anderem das Bahnbetriebswerk.

In der Nachkriegszeit erfolgten weitere Eingemeindungen, mit Wirkung zum 1. April 1959 kamen unter anderem Teile der Gemeinde Oberwallenstadt zu Lichtenfels. Im Zuge der großen bayerischen Gebietsreform, die während der 70er-Jahre des letzten Jahrhunderts durchgeführt wurde, kam es zu umfangreichen Eingemeindungen. So gelangten Heinach und Weinach am 1. Juli 1972 zur Stadt Lichtenfels. In den folgenden Jahren wurde die kommunale Gebietsreform durch weitere Eingemeindungen fortgesetzt. 1978 erfolgten die letzten Neuzuordnungen dieser Gebietsreform, dabei kamen diese Kommunen zu Lichtenfels hinzu:

  • Forst Buch
  • Reundorf
  • Schney
  • Seubelsdorf

Lichtenfels: Einwohner und Verwaltung

Am 31. Dezember 2019 lebten 20.142 Einwohner in der Kreisstadt Lichtenfels. Die Bevölkerungsdichte lag bei rund 165 Einwohnern je Quadratkilometer.

Lichtenfels gliedert sich in 28 Stadtteile. Im Einzelnen handelt es sich dabei um:

  • Lichtenfels Krenstadt
  • Oberwallenstadt
  • Unterwallenstadt
  • Seubelsdorf
  • Schney
  • Mistelfeld
  • Reundorf
  • Trieb
  • Buch am Forst
  • Kösten
  • Roth
  • Isling
  • Klosterlangheim
  • Oberlangheim
  • Stetten
  • Schönsreuth
  • Rothmannsthal
  • Mönchkröttendorf
  • Lahm
  • Tiefenroth
  • Weingarten
  • Köttel
  • Eiching
  • Krappenroth
  • Degendorf
  • Seehof
  • Gnellenroth
  • Hammer

Im gleichnamigen Landkreis lebten am 31. Dezember 2019 insgesamt 66.776 Einwohner, die Bevölkerungsdichte lag bei 128 Einwohnern je Quadratkilometer.

Lichtenfels: Politik und Wirtschaft

Anders als in hinsichtlich der Bevölkerungszahl vergleichbaren Städten in Oberfranken hat die Partei CSU in Lichtenfels keinen extrem dominierenden Einfluss auf die Politik in Lichtenfels. Die SPD erreichte in der Kommunalwahl vom 15. März 2020 die gleiche Anzahl an Sitzen im Stadtrat wie die CSU: Beide Parteien erhielten jeweils acht von insgesamt 30 Sitzen. Drittstärkste Partei wurden die Grünen mit vier Sitzen. Die SPD stellt mit Andreas Hügerich bereits seit 2014 den Ersten Bürgermeister von Lichtenfels.

Die Stadt hat mit der Korbproduktion und dem Korbhandel Mitte des 20. Jahrhunderts ihren wichtigsten Wirtschaftszweig verloren. Im Gegensatz zu dieser Branche konnten sich die traditionellen Holzverarbeitungsunternehmen halten. Es kam ab den 1960er-Jahren zu einer grundlegenden Neuorientierung der Wirtschaft: In deren Verlauf konnten sich zahlreiche kleinere und mittelständische Unternehmen in der Stadt etablieren. Diese gehören insbesondere den folgenden Bereichen an:

  • Polstermöbelherstellung
  • Maschinen- und Werkzeugbau
  • Modellbau
  • Kunststoffverarbeitung
  • Spedition und Logistik

Zu den größten im Stadtgebiet ansässigen Unternehmen zählen unter anderem:

  • Panzer & Kraus (Entsorgungswirtschaft)
  • Hofmann Innovation Group (Werkzeugbau)
  • Komfort und Wohnen (Polstermöbel)
  • Veenendaal Schaumstoffwerke
  • Horst Müller Kunststoffe
  • Kühne + Nagel (Spedition)
  • Lifocolor Farben

Lichtenfels: Sehenswürdigkeiten in der Stadt

Lichtenfels bietet zahlreiche Sehenswürdigkeiten. Viele historische Baudenkmäler können in der Stadt besichtigt werden, dazu gehören:

  • Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt (spätmittelalterliches Gebäude mit barocker Innenausstattung)
  • Stadtschloss
  • Roter Turm als Teil der ehemaligen Stadtbefestigung
  • Spitalkirche

Das Stadtmuseum vermittelt Besuchern anschaulich die Geschichte von Lichtenfels. Unter anderem bilden Exponate aus den folgenden Themenbereichen einen eigenen Schwerpunkt:

  • Eisenbahn
  • Korbmacherei und -handel
  • Schneyer Porzellan

Darüber hinaus lohnt sich auch ein Besuch des Heimatmuseums Klosterlangheim. Die Fossiliensammlung im oberen Torturm präsentiert interessante Versteinerungen, die in der Region Lichtenfels gefunden wurden.

Lichtenfels: Sehenswürdigkeiten in der Umgebung

Der Staffelberg erfreut sich als Ausflugsziel einer großen Beliebtheit. Der Berg ist 539 Meter hoch und liegt in der Fränkischen Alb. Hier können Wanderer Überreste von keltischen Befestigungsanlagen besichtigen. Außerdem bietet der Berg mehrere Routen in unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden für Sportkletterer.

Im Umland von Lichtenfels lassen sich mehrere Gebiete mit außergewöhnlichen Felsformationen entdecken, wie zum Beispiel in Kemitzenstein und Hohler Stein. Die Ebnether Keller stellen ein aufsehenerregendes Felsenlabyrinth dar. Sie sind seit mehr als vier Jahrzehnten als Naturdenkmal geschützt.

Das Kloster Banz, eine ehemalige Benediktinerabtei, ist von Lichtenfels aus gut zu erreichen. Zum Kloster gehören mehrere hervorragend erhaltene Gebäude im prachtvollen Barock-Stil.

Mehr zum Thema

Kommentare