Lichterfest statt Umzug

St. Martin: Kindergärten verzichten auf Brauchtum

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München - Heute ist es wieder so weit: Kinder ziehen mit ihren Laternen durch den Ort. Oft reitet auch Sankt Martin hoch zu Ross durch die Straßen. Doch in immer mehr Kindergärten fällt der Martins-Brauch aus. Oder ist in Laternenfest umbenannt.

„Ich geh mit meiner Laterne und meine Laterne mit mir....“ Zu traditionellen Liedern wie diesen ziehen in vielen oberbayerischen Orten heute Abend die Kinder beim Martins-Umzug durch die Straßen. Vorweg nicht selten der Heilige Martin auf einem Ross, seine Legende wird gerne nachgespielt. Die Legende, nach der Martin an einem Bettler vorbeiritt, seinen Mantel mit dem Schwert teilte und dem frierenden Mann die Hälfte reichte. Damit soll er ihn vor dem sicheren Tod bewahrt haben. Eine anrührende Geschichte, um die sich viel Brauchtum strickt und mit der man Kindern wunderbar die Bedeutung von Nächstenliebe und Barmherzigkeit, von Teilen, erklären kann.

Was früher zum Standardprogramm eines jeden Kindergartenjahres gehörte, scheint inzwischen in kommunalen Kindergärten oder in Einrichtungen einiger Wohlfahrtsverbände zumindest nicht mehr zwangsläufig zu sein. Im städtischen Kindergarten Penzberg (Kreis Weilheim-Schongau) zum Beispiel. Dort wurde Halloween gefeiert, der St. Martins-Umzug entfällt. Einige Eltern waren regelrecht empört wegen des Traditionsbruchs.

Kindergarten-Leiterin Waltraud Moser kann die Aufregung nicht verstehen. „Wir wechseln immer ab“, sagte die 58-Jährige. Auch der traditionelle Laternenumzug werde immer unterschiedlich gefeiert. Heuer hätten die Kinder selbst nach Halloween gefragt – für Moser und ihren Betreuer-Stab sei damit klar gewesen, dass es in diesem Jahr wieder einen Halloween-Umzug geben sollte. „Aber natürlich ist der kein Ersatz für St. Martin“, sagte Moser. Die Geschichte des Heiligen und der religiöse Hintergrund werde den Kindern trotzdem nahegebracht.

Auch beim Kindergarten „Zauberberg“ der Arbeiterwohlfahrt (Awo) in Gernlinden (Kreis Fürstenfeldbruck) gibt es im Wechsel den St. Martins-Umzug und ein Lichterfest. „Das Martinsfest gehört zu unserem Brauchtum“, so die stellvertretende Leiterin Natalie Ravensburg. Da auch islamische Eltern zum Umzug kommen, müsse das gut vorher kommuniziert werden. „Die Awo ist bunt, deswegen fließt alles mit ein.“

Das Erzbistum München und Freising bedauert eine solche Entwicklung. Die Katholiken gedächten am 11. November des großartigen Heiligen Martin von Tours, betont Pressesprecher Bernhard Kellner. Dessen Geschichte könne auch über den christlichen Glauben hinaus für alle Menschen eine Bereicherung sein, weil sie zeige, „dass wir zur Nächstenliebe gerufen sind. Das ist eine Botschaft, die alle Menschen weiterbringen kann“. Und die für die Christen eine ganz zentrale Botschaft sei. Das werde am 11. November gefeiert, weil da das Fest des Heiligen ist. „Eine Lichterfeier oder sonstige Spektakel, die von diesem zentralen Kern befreit sind, kann man zu jedem anderen Zeitpunkt feiern. Jeder ist in diesem freien Land dazu berechtigt, das zu tun, wann immer er will. Man kann auch an Halloween die Leute erschrecken. Für uns ist 11. November aber ein christliches Fest eines großartigen Heiligen. Das sollte an diesem Tag auch ins Bewusstsein kommen.“

Es gebe jede Menge Brauchtum, das Teil des christlichen Kulturraums sei. „Es bereichert uns. Es wäre doch schade, wenn man es jetzt zu einem säkularen Lichterfest mache, das seiner ursprünglichen Bedeutung weitgehend beraubt ist.“ Und Kellner fügte hinzu: „Wir Christen laden alle ein, die das nicht verstehen: Sie sollen doch einfach in unsere Kirchen kommen, sollen sich diese herrlichen Martinsspiele anschauen, wo Kinder oder Ministranten selber den Heiligen Martin spielen. Da können sie selber erfahren, wie bereichernd das für uns alle sein kann.“ Er könne nicht erkennen, inwieweit Angehörige anderer Religionen oder aber ohne Konfession durch die Botschaft der Nächstenliebe in ihrer Religionfreiheit beeinträchtigt werden. „Die Botschaft der Nächstenliebe verbindet alle Menschen guten Willens.“

Claudia Möllers, Verena Radmanic und Andreas Mayr

Rubriklistenbild: © dpa

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