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Zur Lichterprozession wie hier vor zwei Jahren treffen sich auch heute wieder viele Weilheimer – und lassen dabei auch ihre Kerzen weihen.

Vergessenes Brauchtum

Lichtmess, der Tag der Kerzen

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München - Heute wird Mariä Lichtmess gefeiert. Ein Fest, das mittlerweile vielerorts aus dem Bewusstsein verschwunden ist. Dabei war dieser Tag in der Vergangenheit für die Knechte und Mägde in Bayern der wichtigste des Jahres.

Unter dem Begriff Tarifvertrag konnte sich ein Knecht auf einem Bauernhof vor 100 Jahren noch überhaupt nichts vorstellen. Über das Jahr hinweg bestand sein Gehalt in der Regel aus dem Essen, das auf den Tisch kam. Nur an einem Tag konnten die Dienstboten erleben, wie es sich anfühlt, mit vollen Taschen loszuziehen. An Mariä Lichtmess, 40 Tage nach Weihnachten. Denn dann war Zahltag. Es gab ein ganzes Jahresgehalt auf einmal. Da kam es schon mal vor, dass der ein oder andere Knecht sein gesamtes Salär bei den anstehenden Faschingsbällen auf den Kopf haute.

Bis 1912 war Mariä Lichtmess, das am heutigen Donnerstag gefeiert und auch „Darstellung des Herrn“ genannt wird, ein gesetzlicher Feiertag – und von vielen Bräuchen bestimmt. Dabei kamen weltliche und geistliche Traditionen zusammen. Davon ist heute nur noch wenig übrig. „Kaum ein Festtag hat beim Brauchtum so stark an Bedeutung verloren wie Lichtmess“, sagt Michael Ritter vom Bayerischen Landesverein für Heimatpflege. Das hat verschiedene Gründe.

Zum einen ist Lichtmess bis heute der Tag der Kerzenweihe. „Früher hatte die Kerze noch einen ganz anderen Stellenwert“, sagt Ritter. Aber dann kam das elektrische Licht – und die offene Flamme wurde nicht mehr zwingend benötigt. „Auch religiös hat die Bedeutung abgenommen“, sagt Ritter. Früher wurden an Lichtmess Kerzen für das ganze Jahr geweiht. Ihr Wachs und ihr Licht sollten Schutz bieten vor Unwettern, Krankheit oder Ernteausfällen. „Zum Teil haben sich die Menschen etwas Wachs aufs Brot getropft, um sich gegen Unglück zu wappnen“, sagt der Brauchtums-Experte. Lichtmess galt in der Vergangenheit außerdem als Endtermin des weihnachtlichen Festkreises. Erst dann wurden Krippe und Christbaum abgebaut beziehungsweise aus dem Haus geschafft. Ein ganz profaner Grund zwingt die Menschen aber heute, zumindest den Christbaum schon früher zu entsorgen: „Heute ist es in den Wohnungen schlicht viel wärmer als damals – und deshalb nadeln die Bäume viel früher“, sagt Ritter. Auch in der katholischen Kirche endet die Weihnachtszeit seit der Liturgiereform 1970 schon am Sonntag nach dem Dreikönigstag.

Für die Dienstboten begann mit Lichtmess die sogenannten Schlenklweil, was nichts anderes als ein paar freie Tage bedeutete. Die Hauptarbeit an den Höfen war getan, das letzte Getreide gedroschen und die Knechte und Mägde konnten sich entscheiden, ob sie sich ihrem Dienstherren weiter verpflichten oder den Arbeitgeber wechseln wollten. Auf sogenannten Lichtmess-Märkten wurde dann nicht nur über Vieh, sondern auch mit potenziellen neuen Mitarbeitern verhandelt. „Was heute das Arbeitsamt ist, war früher der Schlenklmarkt“, sagt Ritter.

Aber ganz ausgestorben ist das Lichtmess-Fest in Bayern nicht. In Weilheim zum Beispiel zieht heute Abend eine Lichterprozession zum festlichen Gottesdienst – und natürlich werden dabei auch die Kerzen geweiht. Ob das Wachs allerdings immer noch auf dem Butterbrot landet, darf bezweifelt werden.

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