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Die Lichtverschmutzung in der Welt wächst. Auch Europa ist von hellen Flecken übersät.

Lichtverschmutzung

Weißt du, wie viel Sternlein stehen?

München - In der Metropole München fällt romantisches Sterne-gucken schwer. Lichter erhellen den Nachthimmel über der Stadt. Experten warnen vor den Folgen der „Lichtverschmutzung“.

Langsam geht die Sonne unter und taucht die Münchner Skyline in ein sanftes Abendrot. Mit der Dunkelheit erscheinen die ersten Sterne am Nachthimmel. Erst einer, dann zwei, dann immer mehr. Es sind ein paar Dutzend Sterne, die an die Kuppel des Planetariums projiziert werden. „Jetzt machen wir einen Zeitsprung und schauen, wie es früher aussah“, sagt Julian Braun, ehrenamtlicher Mitarbeiter der Sternwarte München.

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Der Raum wird noch dunkler und der orangefarbene Schimmer über der Stadt verschwindet. Immer mehr Lichtpunkte tauchen auf, ein wahres Lichtermeer entsteht. „Jetzt sind es etwa 3000 bis 4000 Sterne.“

Ein ungewohnter Anblick für die Münchner, denn über der Stadt hängt ein Lichtschleier. Werbetafeln, Laternen und Neonröhren verhindern die klare Sicht auf die Sterne. Das nennt sich Lichtverschmutzung.

Trotzdem ist künstliches Licht aus unserer Welt nicht mehr wegzudenken. Es ist zum Symbol der Moderne und des Wohlstands geworden. Städte beleuchten ihre schönsten Gebäude und Privatleute ihre Gärten.

„Mit Licht assoziiert man in der Regel etwas Positives. Dass Licht auch negativ sein kann, kommt erst allmählich ins Bewusstsein“, sagt Franz Hölker. Der Ökologe ist Projektleiter des Forschungsverbandes „Verlust der Nacht“, in dem sich verschiedene Universitäten und Forschungszentren zusammengeschlossen haben. Seit 2010 gehört die Gruppe zu den Wenigen, die sich mit den Folgen der Lichtverschmutzung auseinandersetzen.

„Stadtnahe Organismen reagieren anders auf die Helligkeit. Sie entwickeln andere Aktivitätsmuster“, sagt Hölke. Das bedeutet: Licht dreht an der biologischen Uhr der Tiere. Vögel zwitschern mitten in der Nacht. Fledermäuse verlassen ihre Tagesquartiere, wenn diese beleuchtet sind, später als gewöhnlich für die Futterjagd. Das klingt banal, bringt aber ihren Rhythmus durcheinander: Sie haben weniger Zeit für die Nahrungssuche.

Auch der Mensch leidet unter dem Verlust der Nacht. Im gewöhnlichen 24-Stunden-Rhythmus gibt das Licht den Takt vor. In der Dunkelheit produziert der Körper Melatonin und versetzt sich so in einen Ruhezustand. Das Immunsystem wird aktiv und der Körper erholt sich. Wenn der Lichtunterschied zwischen Tag und Nacht verloren geht, bleibt dieser Prozess aus. Die biologische Uhr bleibt stehen.

Menschen schlafen schlechter und werden häufiger krank. Dennoch haben die meisten Leute von Lichtverschmutzung noch nie etwas gehört.

Dabei ist es einfach, sorgfältiger mit dem eigenen Lichtverbrauch umzugehen. Lieber Bewegungsmelder als dauerhafte Außenbeleuchtung. Lieber zielgerichtetes Licht als Kugelleuchten, die in alle Richtungen strahlen.

„Noch steigt die Lichtverschmutzung jährlich um drei bis sechs Prozent“, sagt Hölke.

Auch in München hadern Hobbyastronomen mit der Helligkeit der Stadt. Während Julian Braun auf dem Dach der Sternwarte den Jupiter sucht, sind die Häuser ringsum in allen Farben beleuchtet. „Für einen tollen Sternenhimmel muss man weit aufs Land oder in die Berge fahren“, erzählt er. Auf dem Taubenberg, der Edelweißspitze und dem Sudelfeld können auch Stadtmenschen noch den Sternenhimmel erkunden. Denn Hobbyastronom Braun ist sich sicher: „Die Hälfte der Stadtbewohner hat noch nie die Milchstraße gesehen.“

Sofia Dreisbach und Ann-Kathrin Hipp

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